Cro – „Sunny“


Künstler Cro

Cro Sunny Review Kritik

Als Gratis-Mixtape hat Cro „Sunny“ verschenkt.

Mixtape Sunny
Label Chimperator
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Credibility ist ein wichtiger Begriff im Rap, vielleicht der wichtigste. Es ist allerdings ein Wert, den man nicht unbedingt mit Cro verbindet. Der Panda-Mann aus Stuttgart bringt vieles nicht mit, was man dazu vermeintlich braucht. Er kommt nicht aus der Gosse, er singt oft statt sich beispielsweise in noch halsbrecherischem Tempo oder einer besonders aggressiven Phrasierung im Sprechgesang zu beweisen, nicht zuletzt ist seine Botschaft (kurz gesagt: „Nimm es nicht so schwer, das Leben ist echt okay“) viel zu fröhlich und sein Erfolg viel zu groß. Sein erstes Album Raop stieg auf Platz 1 der deutschen Charts ein, auch fast alle Singles von dieser Platte räumten mächtig ab.

Genau das führt aber zur Credibility von Cro: Als Raop die Spitze der Charts erreichte, versprach er: „Als Dankeschön setz ich mich direkt ans nächste Mixtape und hau das wieder für umsonst ins Netz raus.“ So ein Versprechen zu halten – denn genau das tut er mit Sunny – ist wohl ein Beweis für Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit und das Hochhalten der eigenen Werte. Nicht zuletzt ist es auch ein Verweis auf die eigene Herkunft, denn Cro weiß sehr genau, dass er diesem Format einen guten Teil seines Ruhms zu verdanken hat: Mit dem Mixtape Easy hatte er vor Raop seine Bekanntheit beträchtlich gesteigert und den Weg zum Erfolg gebahnt.

„Yiiiipppiiiayooo Schweinebacke!! Versprochen ist versprochen: Da ist das Ding endlich! (…) Die letzten 3 Tage nur 4H pro Nacht geschlafen damit das noch rechtzeitig fertig wird :)“, schrieb er denn auch zum Release von Sunny auf Facebook. Dieses Abliefern ist noch ein bisschen mehr credible, wenn man sich klar macht, dass jede konventionelle Plattenfirma ihn für so eine Veröffentlichungspolitik killen würde. Als Sunny 2013 zum kostenlosen Download bereitgestellt wurde (im Tausch gegen eine Mailadresse auf der Website seines Labels Chimperator), hatte Raop gerade Doppel-Platin erhalten, der anhaltende Erfolg sollte mit der Sonderausgabe Raop+5 weiter aufrechterhalten werden, auch die EP Whatever war gerade erst erschienen und hatte ebenfalls die Spitze der deutschen Charts erreicht. In so einer Phase mal eben 14 Gratis-Tracks rauszuhauen, ist schon ziemlich ungewöhnlich.

Für die Credibility von Cro jenseits von Street- und Gangsta-Maßstäben, die er für sich selbst nie in Anspruch genommen hat, ist das ziemlich bezeichnend und nichts weniger als ehrenwert. Bei der Bewertung der Musik sollte es hingegen keine Rolle spielen. Und da lässt sich zu Sunny sagen: In den meisten Momenten wird hier das Raop-Rezept neu aufgewärmt. Die Welt gehört dir rekapituliert die eigene Erfolgsgeschichte, zusammengefasst in der Reflexion: „Bin ich der zweite Sido? / Nein, ich bin der erste Cro!“ Was geht steht für Party, Clique und Ausgelassenheit, das kennt man schon von ihm, auch wenn es natürlich beinahe frech ist, den Track so zu benennen wie einst eine Single der anderen großen Stuttgarter Rapper. Der Titelsong Sunny klingt wie ein Brief an einen Wegbegleiter, Freund oder Mentor.

Manchmal merkt man dem Mixtape seine Spontaneität auch im negativen Sinne an, kann also erkennen, dass es sich hier um ein Nebenprodukt handelt, bei dem nicht ganz so stark auf Qualitätskontrolle geachtet wurde. Mein Mädchen hat ein Element dieser Beiläufigkeit, Non Stop ist sehr mellow und etwas leichtgewichtig, die etwas zu deutliche Ähnlichkeit von Stehtisch Freestyle zu Drop It Like It’s Hot hätte man auf einem regulären Release wohl nicht durchgehen lassen.

Thematisch ist Sunny zudem etwas eindimensional: Ich bin oben, gut gelaunt und genieße das Leben – jenseits dieser Einstellung findet man fast nichts. Sex wird immer wieder als Maßstab für Erfolg und Anerkennung herangezogen, selten sind die Ergebnisse gelungen. Du & Ich wird in dieser Hinsicht sehr explizit, aber auch plump. In Superman rappt Cro aus der Perspektive des „Ich kann sie alle haben“ und meint damit offensichtlich nicht nur Groupies. Jedesmal will angesichts all der Versuchungen, die sich ihm bieten, die Möglichkeit von Romantik im eigenen Leben leugnen, wird dabei aber nicht nur ordinär, sondern auch langweilig.

Cro singt hier etwas weniger als auf Raop und rappt wieder mehr. Wer darüber hinaus auf Sunny erste Indizien für eine Weiterentwicklung oder den möglichen Sound eines zweiten Albums gesucht hat, wird indes in die Röhre geschaut haben. Höhenangst (mit Dajuan als Gaststar) integriert dezente House-Elemente. Lange her (mit Teesy, die kurz zuvor von Chimperator unter Vertrag genommen wurde) thematisiert die Begegnung mit einer Ex, die er jahrelang nicht gesehen hat und zeigt ausnahmsweise Unsicherheit und Schwäche. Ähnlich beginnt der Shuko Remix von Whatever: Die erste Strophe wäre wie gemacht für einen HipHop-Blues, aber dann folgt auch hier der Entschluss: Scheiß drauf, lass uns Spaß haben.

Die 14 Songs zeigen damit einerseits, dass Cro fürs nächste Album dringend ein paar neue Themen brauchen würde. Andererseits macht Sunny gerade auch durch das Mixtape-Format deutlich, mit welcher Leichtigkeit er die Tracks heraushauen kann, für die Fans ihn lieben: Schon der Auftakt Für immer hier zeigt das, mit Samples von Award-Shows und TV-Auftritten zu ausgelassenen Percussions, und der beinahe selbstverständlichen Botschaft: Ich bin der Beste, ich kann sogar den Nachweis dafür erbringen. Noch klarer wird dieser Effekt in Drinks auf mich: Zu einem Soul-Bläser-Sample und eingängiger Melodie gerät Cro hier in Party-Stimmung – und in diesem Modus machen ihm wenige etwas vor.

Höhenangst kann man auch auf der Couch haben, zeigt das Video feat. Danju.

 

Website von Cro.

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