Cursive – „Vitriola“


Künstler Cursive

Cursive Vitriola Review Kritik

Existenzialismus ist das Thema für Cursive auf „Vitriola“.

Album Vitriola
Label Big Scary Monsters
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

„You know it’s gonna hurt / you do it anyway“, singt Tim Kasher, Frontmann von Cursive aus Omaha, im dritten Song dieser Platte. Diese Bereitschaft, sich sehenden Auges in Abenteuer und Schmerz zu stürzen, hört man in It’s Gonna Hurt gut heraus, und sie ist zugleich bezeichnend für das achte Studioalbum von Cursive. Tim Kasher, Ted Stevens (Gitarre und Gesang), Matt Maginn (Bass), Clint Schnase (Schlagzeug), Patrick Newbery (Keyboard) und Megan Siebe (Cello) blicken mit Vitriola auf die Unfähigkeit, Sinn in dieser Welt zu erkennen – und auf die Tatsache, dass wir trotzdem weitermachen, vielleicht sogar auf einem Weg, der uns immer weiter von Sinn entfernt.

„Sing into the void and make some noise“ lautet das Motto im Auftakt Free To Be Or Not To Be You And Me. Der Song zeigt die typischen Elemente des Cursive-Konzepts: Er beginnt brachial und integriert dann Streicher, Kirchenglocken und hymnische Gesangspassagen zu einer einzigartigen Kombination, die an die Härte und Präzision von Techno denken lässt, zugleich aber sehr organisch ist. Ghost Writer baut unter anderem mit einer Orgel viel Spannung und Atmosphäre auf, Under The Rainbow hört man die Punk-Gene an, die in dieser Band stecken. Eine Klavierfigur wird in Remorse von viel Feedback bedroht, das entfernt an Hard-Fi erinnernde Pick Up The Pieces führt eine fast maschinelle, mechanische Wucht mit einem Geigensolo zusammen.

Gemeinsam mit Co-Produzent Mike Mogis (Bright Eyes, Jenny Lewis, M. Ward) haben Cursive damit nicht nur einen Sound kreiert, der perfekt zu den meist existenzialistischen Texten passt, sondern auch überraschend frisch klingt für eine Band, die seit dem Vorgänger I Am Gemini und damit seit sechs Jahren keine Platte mehr veröffentlicht hat. Die Gründe für dieses lange Warten auf Vitriola sind dabei vielfältig: Kasher hat mehrere Soloalben gemacht und den Film No Resolution gedreht, die Band hat ihr eigenes Label gegründet, auf dem neben den alten Cursive-Platten auch neue Alben von Campdogzz, David Bazan (alias Pedro The Lion) und Sean Lane erscheinen, zudem betreiben sie gemeinsam weiterhin den Club O’Leaver’s in ihrer Heimatstadt.

Die Zeile „There’s no future / only money“ (aus dem vom Bass dominierten Life Savings) muss man wohl also nicht auf den Fortbestand von Cursive beziehen. Zugleich klingt Vitriola durchaus wie ein ultimatives, wegen der vielen dystopischen Anknüpfungspunkte auch finales Statement. Ouroboros wird eröffnet von einer defekten Gitarre und kaputtem Gesang, dann entwickelt sich ein innovativer Groove, zu dem Tim Kasher sich selbst als Parasit, Schlage und Kannibale anklagt. „You and me are everending“ heißt es an anderer Stelle – nicht nur, weil hier an entscheidender Stelle ein „n“ fehlt, steckt darin mehr Kraft und Nihilismus als Romantik. Noble Soldier/Dystopian Lament wird zum sehr würdigen Schlusspunkt für Vitriola: ambitioniert, modern und, was am wichtigsten ist: packend.

Geld macht nicht glücklich, zeigt das Video zu Life Savings auf drastische Weise.

Website von Cursive.

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