Durchgelesen: Tommy Jaud – „Vollidiot“ 2


TV-Mann Tommy Jaud liefert keine Zoten, sondern tollen Humor.

Autor Tommy Jaud
Titel Vollidiot
Verlag Argon
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung ****

„Nicht alle Männer sind Idioten. Manche sind Vollidioten.“ So lautet der Slogan dieses wunderbar humorvollen Romans.

Seine Hauptfigur, der Endzwanziger Simon Peters, ist vielleicht sogar einer der größten von ihnen. Er ahnt es gelegentlich, er erlebt es täglich, er bekommt es auch ein paar Mal gesagt. Erst, als er (und das Buch) am Ende ist, erkennt er es aber auch: Er ist ein Vollidiot.

Dass diese Einsicht der erste Schritt zur Besserung ist, könnte dem Ratgeber „Sorge dich nicht, lebe“ entnommen sein, den Simon geschenkt bekommen hat und mit dessen Hilfe er (natürlich ohne richtig an das Funktionieren solcher Tricks zu glauben) versucht, dem Leben etwas abzugewinnen. Das fällt allerdings schwer bei einem nervenden Job, den falschen Frauen, viel zu wohlmeinenden Freunden und einer Welt, die sich gegen ihn verschworen hat.

Neben amüsanten Erkenntnissen über Männer und Frauen (können ja beide Seiten stets gut gebrauchen), erfreulich wenig Zoten und Plattitüden (Autor Tommy Jaud ist im Hauptberuf beim Fernsehen für Comedy zuständig, man hatte also durchaus reichlich von beidem befürchten müssen) und scharf beobachteten Macken und Mechanismen im Leben der Twentysomethings (ungeheuer witzig und erschreckend wahr) ist es vor allem Simons Zerrissenheit, die „Vollidiot“ zu einem Vergnügen macht.

Trotz all der Fettnäpfchen, die Simon im Verlauf der Geschichte bei Ikea, im Urlaub oder auf Schalke so mitnimmt, hält er sich nämlich eigentlich für einen ganz tollen Typ – und es erscheint ihm deshalb als himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass ihm nicht alles Glück, aller Reichtum und alle Traumfrauen dieser Welt zufliegen. Dass Simon nur ein bisschen mehr Ehrlichkeit zu sich selbst braucht, um zumindest einen Teil von all dem zu bekommen und seinen Frieden mit der Welt zu schließen, weiß der Leser schnell. Er bangt, flucht und leidet deshalb bis zum Schluss mit. Manche Vollidioten sind eben auch noch sympathisch.


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