Das Zimmermädchen Lynn


Film Das Zimmermädchen Lynn

Das Zimmermädchen Lynn Kritik Rezension

Lynn (Vicky Krieps) hat ihren Putzfimmel zum Beruf gemacht.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2014
Spielzeit 90 Minuten
Regie Ingo Haeb
Hauptdarsteller Vicky Krieps, Lena Lauzemis
Bewertung

Worum geht’s

Wüssten ihre Kolleginnen nicht, dass Lynn Zapatek gerade erst aus der Psychiatrie entlassen wurde, wo sie sich freiwillig in Behandlung begeben hatte, würden sie die junge Frau wohl für eine ganz normale, zurückhaltende und dienstbeflissene Mitarbeiterin halten. Doch das Zimmermädchen hat sehr eigene Vorlieben, die sie durchaus auch während der Arbeitszeit in einem Hotel am Meer auslebt: Sie schnüffelt in den Sachen der Gäste, liest ihre Bücher und zieht ihre Kleider an. Natürlich weiß sie, dass sie erwischt werden kann und dann wohl ihren Job verlieren würde. Trotzdem kann sie ihre Neugier nicht bändigen. Besonders gerne legt sie sich unters Bett, während die Gäste nichtsahnend darin schlafen. Als es wieder einmal so weit kommt, erlebt sie, wie ein Gast von einer Domina besucht wird. Lynn ist fasziniert von dieser Situation und bucht die Prostituierte für einen Besuch in ihrer eigenen Wohnung. Es wird eine Idee, die ihr Leben verändert.

Das sagt shitesite:

Schon nach ein paar Minuten des Films weiß man, obwohl fast noch keine Worte gefallen sind, auf wie vielen Ebenen das Beziehungsleben von Lynn kaputt ist: Sie begegnet ihrem Therapeuten, ihrer Mutter und ihrem Liebhaber, und keiner von denen hat echtes Interesse an ihr. Was dabei besonders irritiert, ist die Nonchalance, mit der die junge Frau darüber hinweg geht. Sie scheint diese Distanziertheit für normal zu halten. Auch wenn nicht erklärt wird, warum sie in psychiatrischer Behandlung ist, ahnt man: Sie hält sich selbst nicht für wertvoll genug, um irgendeine andere Reaktion ihrer Umwelt zu erwarten. Sie hat keinen Lebensinhalt, nicht einmal eine Identität für sich gefunden. Das Einzige, wovon sie mit Leidenschaft spricht, ist das Putzen – und auch dort wird schnell klar, wie zwanghaft sie dieser Beschäftigung nachgeht.

Diese Titelfigur macht Das Zimmermädchen Lynn, das auf einem Roman von Markus Orth basiert, bereits extrem interessant. Ihr extrem schüchternes Auftreten reibt sich mit dem Mut, den sie an den Tag legt, wenn sie zur Voyeurin wird. Das Hotel erweist sich für dieses Zwitterleben als idealer Ort. Einerseits hat sie hier reichlich Gelegenheit, für kurze Zeit in die Privat- und Intimsphäre immer neuer Gäste einzutauchen. Andererseits funktioniert die Uniform des Zimmermädchens fast wie eine Tarnkappe, mit der sie für die Gäste unsichtbar wird. Zugleich zeigt dieses Outfit natürlich auch: „Uniform“ im Sinne von „genau wie alle anderen“ ist diese Figur in keiner Weise. Im Gegenteil: Sie passt nirgends hinein.

Noch faszinierender wird Das Zimmermädchen Lynn, weil Regisseur und Drehbuchautor Ingo Haeb diese Geschichte so beiläufig erzählt. Er braucht keine hochgestochenen Dialoge und muss seine Bilder nicht mit Bedeutung aufladen. Stattdessen entstehen Spannung und Tiefe hier durch das Beobachten und das Prickeln der Situation. Mit sehr reduzierten Mitteln wird der Film so vor allem zum Rahmen für eine Figur, die lange in Erinnerung bleibt. Man darf sicher sein: Wer diesen Film gesehen hat, wird nie wieder in einem Hotelzimmer wohnen, ohne sicherheitshalber unters Bett zu schauen.

Bestes Zitat:

„Weißt du, was das Schöne am Putzen ist? Dass es immer wieder dreckig wird.“

Der Trailer zum Film.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.