Durchgelesen: Robin Lane Fox – „Alexander der Große“


Robin Lane Fox recherchiert, schildert und bewertet erfreulicherweise auch.

Autor Robin Lane Fox
Titel Alexander der Große – Eroberer der Welt
Verlag Klett Cotta
Erscheinungsjahr 2005
Bewertung ***1/2

Universitäten sind seltsame Orte. Die skurrilsten Gestalten tummeln sich dort. Professoren, die meist aussehen, als trainierten sie für die nächste Runde im Harry-Rowohlt-Doppelgänger-Wettbewerb. Personen ohne akademischen Titel (auch ohne festen Wohnsitz), die in diesem Wettbewerb trotzdem noch die besseren Karten haben dürften. Menschen, die ihr Studium abgeschlossen oder aber ein Antiquariat ausgeraubt haben, nun auf den Gängen rumstehen und gebrauchte Bücher feilbieten. Reichlich Studenten, die sonst immer gehetzt sind und behaupten, keine Zeit zu haben, nun aber stundenlang um eben diese Verkaufsstände rumstehen und irgendwelche uralten Bücher anfassen, was sehr unhygienisch ist.

Über all diesen thronen aber die Könige der Kuriosität: Geschichtsstudenten. Wenn man ihren Jargon nicht kennt und nur zufällig an einer Gruppe Nachwuchs-Historiker vorbeiläuft, müsste man meinen, sie kämen nicht aus dem Hörsaal, sondern aus der Klapsmühle. „Gehst du nachher noch mit zu Napoleon?“, fragen sie sich. Oder: „Wie war’s letzte Woche im Dreißigjährigen Krieg?“ Gerne auch: „Kann ich mir morgen mal Adenauer kopieren?“ und „Wie läuft es eigentlich bei den Kreuzzügen?“

Irre? Eigentlich kein Wunder: Diese jungen Menschen haben (neben dem Latinum) nur eine einzige Gemeinsamkeit: Die Hoffnung, aus dem Studium der Vergangenheit vielleicht Erkenntnisse über die Gegenwart, gar Lehren für die Zukunft ableiten zu können. Lächerlich! Solchen Leuten gegenüber ist Vorsicht geboten.

Vor allem sollte man sich mit solchen Leuten keine Filme ansehen. Ob „Luther“, „Troja“, „Sophie Scholl“ oder „Königreich der Himmel“: In Begleitung von Geschichtsstudenten wird Kino zur Klassenarbeit. Dass es im Kino nicht um Authentizität geht, sondern um Sehnsüchte, kapieren sie nicht.

Robin Lane Fox könnte es ihnen sehr gut erklären. Er ist nämlich nicht nur Professor für Geschichte an der Universität Oxford, sondern auch ein Romantiker. Jedenfalls legt das die Lektüre seines Werkes „Alexander der Große – Eroberer der Welt“ nahe. Ausgerechnet aus Anlass der Verfilmung von Oliver Stone wurde diese Lebensbeschreibung jüngst neu aufgelegt. Der Regisseur nennt die Biographie von Fox „eine unverzichtbare Orientierung für meinen Film – grundlegend und zugleich höchst spannend“.

Er hat Recht. Denn „Alexander der Große“ liefert nicht nur die historischen Fakten, von Fox teilweise bei eigenen Reisen durch Asien recherchiert. Der Autor zeigt auch erstaunliche Parallelen zu Homer auf, wertet erfreulich gerne – und ist gerade dann am stärksten, wenn er von der reinen Faktengeschichte zurücktritt.

Er zeigt das Individuelle im Makedonen-Feldherr auf, vor allem aber das ewig Wahre (also gerade auch: aktuelle) an seiner Herrschaft und seiner Zeit. So entzückt Fox immer wieder mit pointiert formulierten Lebensweisheiten wie „Geschichte ist nicht bloß dann wahr, wenn sie langweilig ist“ und liefert dafür gleich das beste Beispiel.

Ohne unkritisch zu sein, lässt er nicht nur verstehen, was Alexander für seine Zeitgenossen und die Nachgeborenen zum „Prototyp des Ruhms und übermenschlicher Vortrefflichkeit“ gemacht hat, sondern zeigt auch, warum Geschichte so faszinierend ist. Im Buch, im Kino – und womöglich gar an der Universität.

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