Die 50 besten Zitate von Leonard Cohen 1


Foto von Leonard Cohen aus dem Jahr 2014

Quell der Weisheit: Leonard Cohen. Foto: Sony Music/Kezban Ozcan

„Wir anderen würden uns beschenkt fühlen von dem, was er wegwirft“, hat Bono, sonst nicht gerade bekannt für übertriebene Demut und Bescheidenheit, einmal über Leonard Cohen gesagt. Das gilt nicht nur für die Songs des Altmeisters, sondern auch für die Lebensweisheiten, die er auf anderen Wegen in die Welt gebracht hat. Seine Interviews sind stets hoch intelligent und witzig, gespickt mit Zitaten, die man in Poesiealben schreiben, in eine Rede als Trauzeuge einbauen oder für einen eigenen Song ausleihen möchte.

Ein gelungenes Bonmot ist dem Kanadier dabei im Verlauf seiner 50-jährigen Karriere oft wichtiger gewesen als die Frage, ob eine Aussage vielleicht irgendeiner Meinung widerspricht, die er früher geäußert hat. Genau deshalb sind seine Zitate so unterhaltsam und scharfzüngig, egal ob er über Frauen, Politik, Drogen oder das Songschreiben spricht. Hier also die (subjektive) Auswahl der 50 besten Sprüche von Leonard Cohen.

 

„Ich liebe Hotels, in denen ich ohne Aufsehen morgens um vier einen Zwerg, einen Bären und vier Frauen aufs Zimmer mitnehmen kann.“

„Viele Songs sind meine Antwort auf die Schönheit, die sich mir offenbart hat.“

„Das Wort ‚Karriere’ hat in meinem Herzen stets einen unattraktiven und belastenden Nachhall. Ich achtete immer darauf, an dieser Aktivität, die da Karriere genannt wird, möglichst nicht teilzunehmen, und es ist mir bisher recht gut gelungen, sie zu vermeiden.“

„Im Showbusiness fühle ich mich nicht speziell wohl. Ich mache Platten und verdiene damit Geld. Ich gehe auf Tournee, um mal wieder unter Leute zu kommen und Menschen zu treffen. Doch ich glaube, dass das Publikum in den Irrenanstalten mein bestes Publikum ist. Ich habe das Gefühl, dass diese Leute irgendwie auf meiner Wellenlänge sind und meine Songs am besten verstehen.“

„Ein Pessimist ist jemand, der auf Regen wartet. Aber ich bin schon nass bis auf die Haut.“

„Ein gutes Lied schreibe ich für eine Frau, die es in Empfang nimmt, und für einen Mann, der es verwendet.“

„Ich hatte den Eindruck, dass das, was ich schrieb, schön war, und dass Schönheit den Passierschein zu all diesen Ideen darstellte. Ich dachte, der objektive, aufgeschlossene Leser würde verstehen, dass sich die Gegenüberstellung von Spiritualität und Sexualität aus sich selbst heraus rechtfertigte. Für mich war es die Gegenüberstellung, aus der diese besonderes Schönheit, diese lyrische Qualität entstand.“

„Der Mensch nimmt sich viel zu wichtig. Das Leben ist ein Zimmer, der Tod nur ein anderes. Der Tod ist nur der Übertritt von einem Raum in einen anderen.“

„Jedes Gedicht, das dich berührt, ist wie ein Ruf, der eine Reaktion erfordert, und man möchte mit seiner eigenen Geschichte antworten.“

„Ich mag es nicht besonders, irgendetwas zu kategorisieren. Alles hat seinen eigenen Wert, gerade dann, wenn es um Menschen geht. Ich würde auch nie versuchen, zum Beispiel Frauen zu kategorisieren. Dazu sind sie viel zu verschieden.“

„Mir erscheinen Männer als sehr schön. Gelegentlich habe ich auch einmal sexuelles Interesse an einem Mann empfunden, und deswegen glaube ich nicht, dass ich etwas verpasst habe.“

„Erfolg heißt, zu überleben.”

„Entleere mich, bitte. Wenn ich leer bin, kann ich empfangen, wenn ich empfangen kann, weiß ich, dass es von außen kommt, nicht aus mir selbst, und wenn es von außen kommt, weiß ich, dass ich nicht allein bin!“

„Schreiben ist mir niemals leicht gefallen: Meistens verabscheue ich den Prozess. Verstehen Sie daher bitte, dass ich niemals den Luxus genossen habe, mir aussuchen zu können, welche Bücher oder welche Gedichte ich schreiben möchte, welche Frauen ich lieben oder welche Art von Leben ich führen möchte.“

„Wir [die Szene der Schriftsteller in Montreal, der er entstammt] nahmen sehr ernst, was Shelley einmal gesagt hat: Dichter sind die heimlichen Gesetzgeber der Welt.“

„Die Stadt, in der du groß geworden bist, prägt dich. Für mich ist Montreal die Hauptstadt meiner Gefühlswelt.“

„Los Angeles ist wie eine Metapher des Untergangs. Das ganze System bricht auseinander, das kann ich fühlen. Die Zukunft ist düster, und diese Stadt liegt im Zentrum dieser Entwicklungen. Hier sieht man den Verfall ganz deutlich, aber es gibt auch eine wilde Hoffnung, wie Unkraut, das durch den Asphalt wächst.“

„Wussten Sie, dass 30 oder 35 das typische Alter ist, in dem Dichter Selbstmord begehen? Das ist das Alter, in dem man endlich begreift, dass sich das Universum nichts vorschreiben lässt.“

„Jeder trägt seinen Suizid in sich. Ob es dazu kommt oder nicht, ist die Frage. Ich bin zu alt dafür. Wenn man älter als dreißig ist, finde ich es billig, Selbstmord zu begehen.“

„Es gibt keinen Unterschied zwischen einem Gedicht und einem Song. Manche waren zuerst Songs, manche waren zuerst Gedichte, und manche waren Situationen. Hinter allem, was ich schreibe, stecken Gitarren, selbst hinter den Romanen.“

„All meine Lieder haben eine politische Bedeutung. Denn sie handeln von der Einsamkeit – und Einsamkeit ist heutzutage ein politischer Akt. Der Grund, warum wir einsam sind, liegt darin, dass wir unser Leben nicht so organisiert haben, dass wir uns selbst und anderen gerecht werden können. Deshalb ist Einsamkeit eine politische Tat. Und jeder Song über Einsamkeit ist ein politischer Song.“

„Fühlen wir uns einsam, versuchen wir, auf andere zuzugehen. Und da man mit ihr umzugehen lernt, ist Einsamkeit für mich eine Art von Mitgefühl und somit auch eine Triebfeder für alle sozialen Aktivitäten.“

„Ich kam mir schon immer anders vor als andere Dichter, die ich kennen gelernt habe. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, sie hätten sich gegen das Leben entschieden. Die meisten haben sich sehr viele Türen zugeschlagen. In der Gesellschaft solcher Leute habe ich mich nie sehr wohl gefühlt. Mit Musikern kam ich immer besser zurecht. Ich schreibe gern Songs und singe und so.“

„Man hat mich ‚Dichter’ genannt, und vielleicht war ich zeitweise einer. Auch die Bezeichnung ‚Sänger’ verlieh man mir freundlicherweise, obwohl ich kaum einen Ton treffe.“

„In der Regel entwickelt sich der Song aus dem Gitarrespiel, wenn ich einfach nur ein bisschen vor mich hin zupfe und verschiedene Akkordfolgen ausprobiere. Ich spiele jeden Tag und singe, bis ich weinen muss, dann höre ich auf. Nicht, dass ich dicke Tränen vergieße, ich fühle eher so etwas wie ein leichtes Kratzen in der Kehle. Dann weiß ich, dass ich mit etwas Kontakt aufgenommen habe, das ein wenig tiefer liegt als der Punkt, von dem aus ich mit der Gitarre in der Hand aufgebrochen bin.“

„Plattenaufnahmen sind mir nie leicht gefallen. Im Studio war ich nie besonders selbstbewusst, und es ist mir nie gelungen, genau das zu erreichen, was ich mir vorstellte. Stets hatte ich das Gefühl: Wenn ich doch nur endlich mit dem verdammten Ding fertig wäre! Und Stück für Stück senkt man die eigenen Standards, bis man irgendwann sagt: ‚Auch egal, Hauptsache, ich bin fertig.’ Man fragt sich eben nicht: Wird es schön, wird es perfekt, wird es unsterblich sein? Die drängende Frage lautet: ‚Kann ich jetzt aufhören?’“

„Die Tatsache, dass ich ein großes Publikum habe, hat nichts damit zu tun, ob ich singe oder nicht. Ich würde sowieso singen. Das ist einfach meine Stimme. Ich singe gerne. Jeder Mensch hat sein Lied, und das ist mein Lied. Und auch ohne großes Publikum würde ich singen. Weil ich glaube, dass ein Lied universell verständlich ist. Was wir uns in Worten sagen, verstehen wir nicht immer hundertprozentig perfekt, aber wir verstehen die Aussage. Genauso ist es mit Liedern: Die Texte sind manchmal kompliziert. Aber das ist genauso, wenn du jemandem gegenüber sitzt und dir seine Lebensgeschichte anhörst: Du kannst die Bedeutung nicht Wort für Wort und Satz für Satz erschließen. Aber eine Botschaft dringt trotzdem durch, etwas, das zu dieser Person gehört. Und so ist es auch mit meiner Arbeit. Auch wenn die Bedeutung einer einzelnen Zeile schleierhaft erscheinen mag.“

„Es steht jedem frei, etwas gut oder schlecht zu finden. Liest man aber falsche Interpretationen über sich oder seine Werke, bedrückt einen das natürlich immer. Trotzdem lese ich sowohl die Dinge, die den Tatsachen entsprechen, als auch die, die mich vielleicht sogar verletzen. Alles – egal, ob Positives oder Negatives – empfinde ich als gleichermaßen inspirierend.“

„Ein Lied baut sich langsam im Herzen auf, zunächst bedeutet es noch nicht viel. Es braucht seine Zeit, um heranzuwachsen. Dann versucht man es zu singen und herauszufinden, was es bedeutet. Lieder handeln nicht von besonders vielen Dingen, die meisten handeln nur von einem: der Suche nach Liebe, dem Liebesabenteuer und dem Liebesschmerz. Es ist wie im Leben.“

„Nach dem Sinn meiner Lieder habe ich nie gefragt. Ich habe sie für mich selbst geschrieben.“

„Die aus vielen Stilen entstandene Popmusik nimmt eine ähnliche Stellung ein wie die Malerei des 19. Jahrhunderts vor Picasso und Matisse. Deren Arbeiten hat man anfangs auch nicht geschätzt, heute will man sie nicht mehr missen. Es waren einfach neue Ausdrucksformen. (…) Ich meine die Einstellung, mit der eine neue Geschichte erzählt, eine Vision entwickelt wird.“

„Irving Layton hat einmal zusammengefasst, was ein junger Dichter unbedingt mitbringen sollte, und ich glaube, dieser Ausspruch trifft auch auf junge Sänger zu, oder auf Sänger, die am Anfang ihrer Karriere stehen: ‚Zwei Eigenschaften sind für einen jungen Dichter von größter Bedeutung – Arroganz und Unerfahrenheit.’ Nur ein sehr starkes Selbstbild lässt dich weitermachen in einer Welt, die sich verschworen hat, jeden zum Schweigen zu bringen.“

„Zwar glaube ich, dass jeder Mensch sein Leben stets so lebt, als wäre gerade ein Notfall. Aber dieser Notfall wird akut, wenn man herauszufinden versucht, wie man irgendwie von einem Augenblick zum anderen durchkommen kann. Man weiß nicht, woran es liegt, es scheint keine operativen Umstände zu geben, die das erklären.“

„Die ersten bewegenden Dichtungen fand ich in der Synagoge in den Bibelgeschichten. Die machten mir Gänsehaut.“

„Ich glaube, die Ehe ist etwas für Menschen mit sehr edler Gesinnung. Sie ist eine ausgesprochen schwere, ernsthafte Angelegenheit. Wirklich allen anderen Möglichkeiten den Rücken zu kehren und all die anderen Erfahrungen von Liebe, Leidenschaft, Ekstase beiseite zu lassen, sie nur in einer einzigen Umarmung finden zu wollen, das ist ein hohes, edles Konzept.“

„Für mich ist Leiden nie eine politische Frage gewesen, obwohl ich zugeben muss, dass bestimmte politische Systeme mehr Leid erzeugen als andere. Auf der anderen Seite ahnte ich immer, dass Leiden keinen politischen Ursprung hat, dass es etwas Tiefergehendes ist, das der menschlichen Natur innewohnt.“

„Krieg ist wundervoll. Man wird ihn nie ausradieren. Es ist einer der wenigen Augenblicke, in denen die Menschen das Beste aus sich herausholen können. Krieg ist wunderbar ökonomisch, jede Bewegung ist präzise. Jede Anstrengung aufs Maximum ausgelegt. Niemand macht irgendwelche Faxen.“

„Ich betrachte Worte nie als pittoresk. Man versucht zwar, Kontrolle zu erlernen, aber Kontrolle ist immer etwas Rezeptives und Passives, eher beobachtend als befehlend. Man durchforscht das, was durch den Geist wandert, und fragt sich, woher es kommt.“

„Ich finde, man vergisst, dass Acid der wahre Brennstoff der Sechziger war. Es war diese Vision, die Leute befähigt hat, die Energie zu bündeln, um die Oberfläche der Dinge zu zerstören, zumindest in ihrem eigenen Kopf. Viele von ihnen haben dabei nur ihren eigenen Geist zerstört, und das äußere Gefüge ist weitgehend intakt geblieben.“

„Ich habe diese Lieder vor einigen Jahren für mich selbst und für einige Frauen geschrieben, und es ist ein seltsames Gefühl, in diesem ursprünglichen Moment gefangen zu sein. Eigentlich wollte ich nur einem bestimmten Menschen etwas mitteilen, und nun bin ich in dieser Situation, wo ich es wie ein angeketteter Papagei auf der Stange Abend für Abend wiederholen muss.“

„Wenn ich wüsste, woher die guten Songs kommen, würde ich dort öfter mal hingehen.“

„Es erfordert eine große Willensanstrengung, bei der Arbeit einen geraden Kurs zu fahren, aber sein Leben auf einem geraden Kurs zu halten, das kann man nicht einmal mit all der Willenskraft in der Welt garantieren. Weil man einfach zu sehr ein Arschloch ist.“

„Je weniger ich von dem war, was ich war, desto besser habe ich mich gefühlt.“ (über seinen Rückzug ins Kloster 1993)

„Es gibt Leute, die sagen, ich sei ein schwacher Musiker, weil ich nur drei oder vier Akkorde beherrsche und auf dieser Platte verwende. Sie glauben also, ich beherrsche nicht mehr. Aber das ist ein Trugschluss. Ich bin nur der Ansicht, dass wirkliche Stärke darin liegt, sich auf das Wesentliche zu beschränken.“

„Wenn man die große, unvermeidliche Niederlage zum Ausdruck bringen muss, die uns alle erwartet, dann muss es im strikten Rahmen von Würde und Schönheit geschehen.“

„Es ist seltsam. Es gibt Metaphysiker, die mir erzählen, dass die Zeit tatsächlich schon kollabiert ist. Obwohl ich den Mechanismus dahinter nicht verstehe und mich frage, ob sie mich vielleicht auf den Arm nehmen wollen, fühlt es sich auf alle Fälle wirklich so an.“

„Jede Form von Arbeit führt zur Selbstanalyse. Darin liegt der Sinn und die Bedeutung von Arbeit, und darum ist sie für jedes menschliche Individuum lebensnotwendig. Darin liegt der Sinn des Lebens.“

„Ein Künstler lebt im ständigen Austausch mit seinen Gedanken und denen der Öffentlichkeit, die sich selten decken. Das kostet ihn ebensoviel Kraft, wie es ihm Kraft zurückgibt. Die beiden Kräfte, die diese Gedanken entstehen und Gestalt annehmen lassen, sind Egozentrik und Egoismus. Und da die Aufgabe eines Künstlers darin besteht, zu überleben und auszuharren, braucht er ein starkes Ego.“

„Ich bin wirklich sehr glücklich darüber, dass es einiges in meinem Leben gibt, an das ich mich heute nicht mehr erinnern kann. Ich erinnere mich zum Beispiel noch sehr gut an die Arbeit an den Alben, die ich in den 1980er Jahren veröffentlicht habe. Aber von bestimmten Dingen in meinem Leben davor weiß ich nichts mehr. Meine Erinnerung ist weg.“

„Man wird mit dem Alter in jeder Hinsicht vorsichtiger. Man wird gleichzeitig närrischer und weiser, wenn man älter wird.“

 

Wer noch mehr Zitate von Leonard Cohen entdecken möchte: Die von mir gesammelten Zitate entstammen den Film-Dokumentationen I’m Your Man und Bird On A Wire, den Biografien I’m Your Man von Sylvie Simmons und Partisan der Liebe von Christof Graf sowie eigenen Recherchen in den Zeitschriften Rolling Stone, Musikexpress, Visions und NME.


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Ein Gedanke zu “Die 50 besten Zitate von Leonard Cohen

  • Rainer Ostendorf

    Schöne und weise Sprüche sind das…so schön wie seine Lieder. Cohen habe ich immer gemocht.
    Ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg mit dieser Webseite.
    Schöne Grüsse aus Osnabrück