Durchgelesen: Andreas Glaser – „DJ Baufresse“


Der Osten, menschlich gesehen - das ist "DJ Baufresse".

Der Osten, menschlich gesehen - das ist "DJ Baufresse".

Autor Andreas Glaser
Titel DJ Baufresse
Verlag Kiepenheuer
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung **

Bei manchen Büchern fragt man sich, warum es sie gibt. So auch hier. Die Antwort lautet wohl (und diesmal stimmt es ausnahmsweise): Die Wende ist schuld. Denn Andreas Glaser, der Tiefbau nicht nur gelernt, sondern auch ausgeübt hat, liefert hier eigentlich bloß die Chronik eines durchschnittlich langweiligen Lebens.

Fußball, Alkohol, Jobsuche, ein paar Frauengeschichten, Musik. Das alles geht nur deshalb über die Bedeutung von Tagebucheinträgen heraus, weil der Autor (Jahrgang 1965) die DDR noch bewusst erlebt, deshalb von der Wende überrascht wird und sich fortan seine Heimatstadt Berlin als einzige Konstante in seinem Leben aussucht. Ausgerechnet Berlin, das sich so rasant verändert, dass Glaser nur noch hindurchstolpern kann.

Dennoch geht dieses Buch leider nicht über eine höchst persönliche Betrachtungsweise hinaus. Der Ossi braucht es nicht, weil er all das selbst erlebt hat. Dem Wessi nützt es nichts, weil Glaser so stark codiert und verklausuliert schreibt, dass es ohnehin nur Eingeweihte verstehen können.

So bleiben nur ein paar leidlich amüsante Erkenntnisse („Wir soffen, als wäre uns bewusst, dass wir damit den Untergang der DDR beschleunigten.“), und dazwischen viel Ratlosigkeit und Leere. Womöglich ist das sogar Absicht.

Beste Stelle: „Spätestens mit der Wende hätte ich etwas Feldforschung betreiben können, aber ich war die ganzen Neunziger über in keiner Westberliner Diskothek gewesen, denn stumpfsinnige Musik und bekloppte Weiber waren schon in der Zone keine Mangelware.“

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