The Who, Madrid, Palacio des Deportes Comunidad de Madrid 1


Mehr als 10.000 Madrilenen feierten die Band enthusiastisch.

Mehr als 10.000 Madrilenen feierten die Band enthusiastisch.

Von außen sieht der Palacio des Deportes Comunidad de Madrid aus wie eine Mischung aus Baumarkt und Museum. Normalerweise spielen hier die Basketballer von Real Madrid. Auch an diesem Abend geht es um Kraft wie bei einem Dunking, um Präzision wie bei einem Drei-Punkte-Wurf und um eine geschickte Taktik wie bei der Zonenverteidigung.

Doch mehr als 10.000 Fans sind diesmal wegen ganz anderer Größen gekommen: The Who. Die Rock-Giganten spielen in der spanischen Hauptstadt das zweite Konzert ihrer Europa-Tournee.

Und wie sie spielen! Keine Vorwarnung, keine Begrüßung, sofort Vollgas. Schon nach dem ersten Refrain von I Can’t Explain verwandeln sich die sechs Leute auf der Bühne in eine Urgewalt, eine Bedrohung, ein Monster. Ganz rechts regiert Pete Townshend, der Thor unter den Gitarrengöttern. Sofort macht er die Windmühle, und unmittelbar wird klar: Dieser Baum von einem Mann kennt kein Erbarmen.

Das Zentrum der Bühne gehört dem Sänger. Und dass sich Roger Daltrey nirgends wohler fühlt, daran bleibt kein Zweifel. Es sind viele enthusiastische Leute im Saal. „Who, Who“-Rufe erklingen von Anfang an, ganze Zuschauerblöcke spielen schon beim zweiten Stück The Seeker Luftgitarre, ganz am Schluss wird man einen Mann im Business-Anzug sehen, der auf der Stelle springt und beide Fäuste in die Luft reckt.

Doch Daltrey stellt sie alle in den Schatten. Er scheint derjenige zu sein, der am sehnsüchtigsten die Rückkehr der Who erwartet hat. Wenn der Sänger klatscht, sein Tamburin verprügelt oder sich mit seinem beeindruckenden Bizeps an das Mikrofon-Stativ klammert, sieht er aus wie das Michelin-Männchen, so viel Energie bricht aus ihm heraus.

Die beiden sind unbestritten die Fixpunkte der Show, doch es ist vor allem der Rest der Band, der dafür sorgt, dass man in zwei Stunden kein einziges Mal an Altherren-Rock denken muss. Simon Townshend harmoniert als Rhythmus-Gitarrist prächtig mit seinem Bruder, Bassist Pino Palladino schlüpft unauffällig in die Fußstapfen von John Entwistle, Keyboarder John Bundrick liefert die Raffinesse zu all der Wucht. Doch es ist Schlagzeuger Zak Starkey, Sohn von Beatles-Drummer Ringo Starr, der dafür sorgt, dass The Who auch nach 40 Jahren kein bisschen weniger drängend, aufregend und mitreißend sind als Jungspunde wie beispielsweise die White Stripes. Wenn man schon auf Keith Moon verzichten muss, dann kann es keinen besseren Ersatz geben. Es ist wie bei einer echten Weltklasse-Mannschaft: Selbst wenn sie das Tempo verschleppt, hat das eine enorme Erhabenheit, selbst wenn sie sich phasenweise bloß am eigenen Können ergötzt, stecken Momente der Schönheit darin.

Natürlich sorgt auch die latente Rivalität zwischen Daltrey und Townshend für Spannung. Selbst, wenn die beiden Protagonisten ganz allein auf der Bühne sind – wie beim akustischen A Man In A Purple Dress – halten sie immer etwa drei Meter Sicherheitsabstand zueinander. Als Daltrey den Namen des aktuellen Albums Endless Wire mit der darauf befindlichen Mini-Oper Wire & Glass verwechselt, wird er von Townshend sarkastisch korrigiert. Und auch als nach einer guten Viertelstunde bei Who Are You plötzlich die Lautsprecheranlage ausfällt, ist das ein heikler Moment. Doch das Publikum übernimmt prompt den Gesang und überbrückt die Panne. Von nun an ist es endgültig klar: Dies wird ein besonderer Abend.

Mit Behind Blue Eyes und dem Wirbelsturm Real Me macht die Band den technischen Fauxpas sofort vergessen, die Klavierakkorde von Baba O’Riley verwandeln die Halle in ein Tollhaus. Drowned bietet Townshend ganz allein zur Gitarre und klingt dabei wie eine ganze Armee.

Spektakuläre Projektionen auf vier Leinwänden begleiten das Konzert, die Band zelebriert dabei ihre Ikonographie, reist durch die eigene Geschichte. Und welch riesiges Arsenal an Hits die Who geschaffen haben, wird vor allem zum Ende der Show klar, als Substitute ohne Pause in ein stark bearbeitetes My Generation übergeht, das in Won’t Get Fooled Again mündet. Dem folgt The Kids Are Alright als erste Zugabe, bei Pinball Wizard singen einige Madrilenen mit der Hand auf dem Herz mit. Und schließlich, nach einem rührenden Tea & Theatre, gibt es eine noch rührendere Geste: Zu den ohrenbetäubenden „Olé Olé“-Gesängen der Fans umarmt Daltrey ganz zaghaft Townshend. Join together.

The Who spielen The Real Me live in Madrid:

Von außen sieht der Palacio des Deportes Comunidad de Madrid aus wie eine Mischung aus Baumarkt und Museum. Normalerweise spielen hier die Basketballer von Real Madrid. Auch an diesem Abend geht es um Kraft wie bei einem Dunking, um Präzision wie bei einem Drei-Punkte-Wurf und um eine geschickte Taktik wie bei der Zonenverteidigung. Doch mehr als 10000 Fans sind diesmal wegen ganz anderer Größen gekommen: The Who. Die Rock-Giganten spielen in der spanischen Hauptstadt das zweite Konzert ihrer Europa-Tournee, die sie am 9. Juni auch nach Fulda führen wird.

Und wie sie spielen! Keine Vorwarnung, keine Begrüßung, sofort Vollgas. Schon nach dem ersten Refrain von „I Can’t Explain“ verwandeln sich die sechs Leute auf der Bühne in eine Urgewalt, eine Bedrohung, ein Monster. Ganz rechts regiert Pete Townshend, der Thor unter den Gitarrengöttern. Sofort macht er die Windmühle, und unmittelbar wird klar: Dieser Baum von einem Mann kennt kein Erbarmen.
Das Zentrum der Bühne gehört dem Sänger. Und dass sich Roger Daltrey nirgends wohler fühlt, daran bleibt kein Zweifel. Es sind viele enthusiastische Leute im Saal. „Who, Who“-Rufe erklingen von Anfang an, ganze Zuschauerblöcke spielen schon beim zweiten Stück „The Seeker“ Luftgitarre, ganz am Schluss wird man einen Mann im Business-Anzug sehen, der auf der Stelle springt und beide Fäuste in die Luft reckt. Doch Daltrey stellt sie alle in den Schatten. Er scheint derjenige zu sein, der am sehnsüchtigsten die Rückkehr der Who erwartet hat. Wenn der Sänger klatscht, sein Tamburin verprügelt oder sich mit seinem beeindruckenden Bizeps an das Mikrofon-Stativ klammert, sieht er aus wie das Michelin-Männchen, so viel Energie bricht aus ihm heraus.

Mit vier Videoleinwänden und sechs Leuten auf der Bühne, die einer Urgewalt gleichen, wird das Konzert zum Spekatakel.

Die beiden sind unbestritten die Fixpunkte der Show, doch es ist vor allem der Rest der Band, der dafür sorgt, dass man in zwei Stunden kein einziges Mal an Altherren-Rock denken muss. Simon Townshend harmoniert als Rhythmus-Gitarrist prächtig mit seinem Bruder, Bassist Pino Palladino schlüpft unauffällig in die Fußstapfen von John Entwistle, Keyboarder John Bundrick liefert die Raffinesse zu all der Wucht. Doch es ist Schlagzeuger Zak Starkey, Sohn von Beatles-Drummer Ringo Starr, der dafür sorgt, dass The Who auch nach 40 Jahren kein bisschen weniger drängend, aufregend und mitreißend sind als Jungspunde wie beispielsweise die White Stripes. Wenn man schon auf Keith Moon verzichten muss, dann kann es keinen besseren Ersatz geben. Es ist wie bei einer echten Weltklasse-Mannschaft: Selbst wenn sie das Tempo verschleppt, hat das eine enorme Erhabenheit, selbst wenn sie sich phasenweise bloß am eigenen Können ergötzt, stecken Momente der Schönheit darin.


Mehr als 10000 Madrilenen feierten die Band enthusiastisch.
Natürlich sorgt auch die latente Rivalität zwischen Daltrey und Townshend für Spannung. Selbst, wenn die beiden Protagonisten ganz allein auf der Bühne sind – wie beim akustischen „A Man In A Purple Dress“ – halten sie immer etwa drei Meter Sicherheitsabstand zueinander. Als Daltrey den Namen des aktuellen Albums „Endless Wire“ mit der darauf befindlichen Mini-Oper „Wire & Glass“ verwechselt, wird er von Townshend sarkastisch korrigiert. Und auch als nach einer guten Viertelstunde bei „Who Are You“ plötzlich die Lautsprecheranlage ausfällt, ist das ein heikler Moment. Doch das Publikum übernimmt prompt den Gesang und überbrückt die Panne. Von nun an ist es endgültig klar: Dies wird ein besonderer Abend.
Mit „Behind Blue Eyes“ und dem Wirbelsturm „Real Me“ macht die Band den technischen Fauxpas sofort vergessen, die Klavierakkorde von „Baba O’Riley“ verwandeln die Halle in ein Tollhaus. „Drowned“ bietet Townshend ganz allein zur Gitarre und klingt dabei wie eine ganze Armee. Spektakuläre Projektionen auf vier Leinwänden begleiten das Konzert, die Band zelebriert dabei ihre Ikonographie, reist durch die eigene Geschichte. Und welch riesiges Arsenal an Hits die Who geschaffen haben, wird vor allem zum Ende der Show klar, als „Substitute“ ohne Pause in ein stark bearbeitetes „My Generation“ übergeht, das in „Won’t Get Fooled Again“ mündet. Dem folgt „The Kids Are Alright“ als erste Zugabe, bei „Pinball Wizard“ singen einige Madrilenen mit der Hand auf dem Herz mit. Und schließlich, nach einem rührenden „Tea & Theatre“, gibt es eine noch rührendere Geste: Zu den ohrenbetäubenden „Olé Olé“-Gesängen der Fans umarmt Daltrey ganz zaghaft Townshend. Join together.

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