Die Rebellin


Film Die Rebellin

Die Rebellin Film Serie Kritik Rezension

Lena Berkow (Alexandra Neldel) und Walter Juskowiak (Sebastian Bezzel) wollen sich ein neues Leben aufbauen.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2009
Spielzeit 275 Minuten
Regie Ute Wieland
Hauptdarsteller Alexandra Neldel, David Rott, Anna Fischer, Sebastian Bezzel, Saskia Vester, Friedrich von Thun, Michael Mendl, Vadim Glowna, Ulrike Folkerts, Dominique Horwitz, Nikola Kastner
Bewertung

Worum geht’s?

In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs verliert Lena Berkow ihren Vater: Er hatte als Ingenieur in den Rundfunklaboren der Nazis gearbeitet und kommt auf der Flucht vor der Roten Armee ums Leben. Seiner 17-jährigen Tochter drückt er ein Notizbuch in die Hand mit dem Hinweis, es enthalte wertvolle Aufzeichnungen. Ein gewisser „Sattler“ wisse Bescheid und werde viel Geld dafür bezahlen. Als Lena mit ihrer jüngeren Schwester Betty und ihrer kranken Mutter auf einem Bauernhof in Franken Zuflucht findet, kommt sie diesem Sattler ein paar Jahre später durch Zufall auf die Spur: Es ist ein Rundfunkunternehmer, dessen Firma in Fürth ihren Sitz hat. Bald darf Lena dort als Technikerin anfangen und das harte Leben auf dem Bauernhof, wo noch mehr Flüchtlingsfamilien untergebracht sind, hinter sich lassen. Dazu tragen nicht nur ihr Talent und ihre Vorkenntnisse bezüglich Schaltkreisen und Frequenzen bei, sondern auch die Tatsache, dass Hans Sattler, der Juniorchef der Firma, ein Auge auf sie geworfen hat. Den Flirt nutzt Lena, um weiter nach den Hinweisen ihres Vaters zu recherchieren und findet heraus: Er hatte der Firma Sattler wertvolle Schaltpläne verkauft, war allerdings nicht bezahlt worden. Lena will dieses Unrecht wettmachen, zugleich muss sie sich in der Firma behaupten, in der sie viel lieber Fernsehgeräte als Radios bauen lassen würde, und sich zwischen dem Lebemann Hans und dem bodenständigen Handwerker Walter entscheiden, dem sie versprochen hatte, möglichst bald mit ihm in Amerika ein neues Leben zu beginnen.

Das sagt shitesite:

Besonders rebellisch ist die Titelfigur dieses Dreiteilers zwar nicht, aber immerhin hartnäckig. Dafür sind die rund 20 Jahre, die hier erzählt werden, recht exemplarisch für die westdeutschen Nachkriegsjahre: Lena Berkow kommt aus den Trümmern und endet als wohlhabende Business-Frau, sie setzt auf Eigeninitiative und hat doch mit dem Erbe des Dritten Reiches (und der Schuld in ihrer eigenen Familie) zu kämpfen, sie strebt nach Unabhängigkeit und muss sich trotzdem mit den sie umgebenden Mächten arrangieren.

Die Rebellin packt in diesen Plot nicht nur eine Kurzversion des Wirtschaftwunders, sondern auch ein gutes Stück Technikgeschichte, auch wenn die historischen Fakten dabei sehr großzügig behandelt werden. Besonders ist an der Produktion, die einen Etat von 7,5 Millionen Euro hatte und fast schon überreichlich prominent besetzt ist, nicht nur die Tatsache, dass hier eine Frau in einer Männerwelt ihren Weg geht (ein MINT-Mädchen wie Lena Berkow, das mit heutigen Begriffen quasi ein Start-Up aus dem Boden stampft und einer Medienrevolution den Weg bereitet, wäre auch 60 Jahre später noch eine erstaunliche Erscheinung, leider), sondern auch der Fakt, dass bei allem Hang zur Harmlosigkeit und Beschaulichkeit fast alle Figuren zunächst wie Prototypen wirken, dann aber nach und nach überraschende Facetten offenbaren. Der herzlose Patriarch, der verbitterte Invalide, die hysterischen NS-Nostagiker, die exaltierte Künstlerin – sie alle haben Momente, in denen sie aus diesem Klischee ausbrechen; gerade dadurch gewinnen sie an Plausibilität.

Auch das recht offene benennen von fragwürdigen Kontinuitäten zwischen Drittem Reich und Bundesrepublik ist ungewöhnlich für einen Fernsehfilm, der sich in Machart und Erzählweise (über weite Strecken geht es in einer ziemlich heimeligen Kulisse um eine Frau zwischen zwei Männern; was die letzten Bilder dieses rund viereinhalbstündigen Dreiteilers sein werden, kann man schon nach 30 Minuten ziemlich genau vorhersehen) reichlich melodramatisch gibt. Unterm Strich ist Die Rebellin damit solide Fernsehunterhaltung, auch wenn man nie den Verdacht los wird, mit diesem Stoff, diesem Budget und diesem Ensemble wäre mehr möglich gewesen. Vielleicht hat die Geschichte vom Durchbruch des Fernsehens vor mehr als 50 Jahren sich einfach ein bisschen zu sehr von den aktuellen Konventionen des Fernsehens leiten lassen.

Bestes Zitat:

„Die Toten sind die Helden. Und was ist mit denen, die weiterleben müssen?“

Der Trailer zum Film.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.