Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins


Film Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins Filmkritik

Tomas (Daniel Day-Lewis) und Teresa (Juliette Binoche) führen eine konfliktreiche Beziehung.

Produktionsland USA
Jahr 1988
Spielzeit 165 Minuten
Regie Philip Kaufman
Hauptdarsteller Daniel Day-Lewis, Juliette Binoche, Lena Olin, Derek de Lint, Stellan Skarsgård
Bewertung

Worum geht’s?

Tomáš arbeitet als Arzt in Prag und führt ein halbwegs privilegiertes Leben in der jungen Tschechoslowakei, vor allem eines mit reichlich Affären. Am ehesten fühlt er sich noch an die Künstlerin Sabina gebunden, mit der er nicht nur regelmäßig das Bett teilt, sondern auch über Politik und Philosophie diskutiert. Als er zu einer Operation in einen Kurort im Umland gerufen wird, lernt er dort Teresa kennen. Die Kellnerin verliebt sich in ihn ebenso wie in die Möglichkeit, ihrem tristen Alltag in der Provinz zu entkommen. Sie folgt Tomáš ungefragt nach Prag und zieht bei ihm ein. Weil Tomáš sich immer wieder Seitensprünge erlaubt (und auch sein Flirt mit Sabina längst nicht beendet ist), wird es eine sehr konfliktträchtige Beziehung – auch dann noch, als die beiden heiraten. Zur ultimativen Nagelprobe für Tomáš und Teresa wird der Prager Frühling: Der Chirurg hatte sich kritisch über das Regime geäußert, Teresa hat brisante Fotos vom Eingreifen der sowjetischen Armee gegen die Protestbewegung gemacht. Als sich die Möglichkeit bietet, in die Schweiz zu fliehen, stellt sich für sie die Frage: Wollen sie in der Heimat bleiben und für eine bessere Zukunft des eigenen Lands kämpfen? Oder in den Westen gehen? Und wollen sie ihre Entscheidung gemeinsam treffen?

Das sagt shitesite:

Die Verfilmung des Romans von Milan Kundera war in Europa ein großer Erfolg, in den USA jedoch ein Reinfall. Das ist im Rückblick nicht verwunderlich: Jenseits der Star-Besetzung ist Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins kaum Hollywood-tauglich. Weder die Spielzeit noch der komplexe Plot oder der brisante historische Hintergrund sind für ein Massenpublikum geeignet. Zudem nimmt sich Regisseur Philip Kaufman in seiner Adaption einige Freiheiten, nicht nur beim Komprimieren des Buchs, sondern beispielsweise auch beim sehr prominenten Einsatz von Musik. Alles in diesem Film ist hochgradig stilisiert, selbst für Arthaus-Freunde ist das aus heutiger Sicht mitunter arg anstrengend. Am besten gelingt dieser Ansatz in fotografischer Hinsicht mit vielen sehr schönen und häufig überraschenden Einstellungen.

Auch der Konflikt zwischen Gefühl und Sexualität, zwischen Beziehung und Begierde, kann hier keineswegs so meisterhaft seziert werden wie im Roman. Tomáš ist Weiberheld, Teresa ist zerfressen von Eifersucht – weit über diese Erkenntnisse geht Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins als Film nicht hinaus. Aus heutiger Sicht am interessantesten ist das Spiel mit Gender, das geradezu als Leitmotiv gelten kann. Frauen tragen Männersocken, Tomasz bekommt eine Frauenfrisur, ein Hundebaby mit unklarem Geschlecht taucht auf – mit solchen Ideen deutet Kaufman immerhin an, dass die Leichtigkeit nicht den Männern vorbehalten und der Wunsch nach Treue keine rein weibliche Eigenschaft ist.

Bestes Zitat:

„Geht es dir nur um deine Lust? Oder ist jede Frau für dich wie ein unentdecktes Land?“

Der Trailer zum Film.

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