Digitalism, Werk 2, Leipzig


Drei Leute, ganz in schwarz - das reicht bei Digitalism für die Bühnenshow. Und wirkt ein bisschen wie Rock.

Drei Leute, ganz in schwarz - das reicht bei Digitalism für die Bühnenshow. Und wirkt ein bisschen wie Rock.

Eine Band. So nennt Isi Tuefekci, die eine Hälfte von Digitalism, sein Projekt inzwischen. „Idealism war ein Album, das von zwei Produzenten gemacht wurde. Aber danach hat man uns ins kalte Wasser geschmissen und gesagt: So, Ihr spielt jetzt live. Und diese Erfahrung hat Digitalism wirklich verändert“, verriet er mir unlängst im Interview. „Wir haben viel gesehen und viel erlebt. I Love You, Dude ist auf jeden Fall aus einer ganz anderen Perspektive heraus entstanden. Wir sind jetzt wirklich eine Band. Eine Zwei-Mann-Band, auch wenn das vielleicht komisch klingt.“

Beim Konzert im Werk 2 in Leipzig wird dieses Zwitterdasein von Digitalism erst recht deutlich. Über die gesamte Dauer des Konzerts scheinen sich die Hamburger nicht entscheiden zu können, ob sie lieber die Chemical Brothers sein wollen oder die Strokes. Und diese Zerrissenheit führt zu höchst spektakulären Ergebnissen.

Auch optisch vereint das Konzert Rock- und Danceelemente. Jens Moelle und Aki Tuefekci (verstärkt durch einen Drummer) sind komplett in schwarz gekleidet: Rock. Das Bühnenbild zeigt eine Skyline-Silhouette aus LED-Lichtern: Dance. Nach 10 Minuten gibt es ganz hinten die ersten „Digitalism“-Sprechchöre: Rock. Nach 20 Minuten lassen Digitalism eine Mega-Version, quasi einen Live-Remix der Melt-Hymne 2 Hearts erklingen: Dance. Nach 30 Minuten versucht sich vorne jemand als Crowdsurfer: Rock. Bei Circles, dem letzten Song vor der Zugabe, fliegt irgendwo in der Mitte im Werk 2 ein Glowstick durch die Luft: Dance.

Wenn das Licht angeht, gibt es eine LED-Skyline: Dance.

Wenn das Licht angeht, gibt es eine LED-Skyline: Dance.

Dass dieser Mix in Leipzig blendet ankommt, steht im Werk 2 nicht eine Sekunde lang infrage. Auch wenn Jens Moelle als Sänger an diesem Abend nicht immer die richtigen Töne trifft, herrscht von Anfang an Ekstase. Am Ende von 2 Hearts ist sich keiner im Publikum zu cool, um nicht mit den Händen das Herzzeichen zu formen, das Digitalism auf der Bühne vorgeben. Das Finale von Idealistic wird durch einen call-and-response-Gesang mit den Fans veredelt.

Am meisten verwundert an dieser Show nicht einmal die Souveränität, mit der Digitalism mittlerweile Bühnen dieser Größe beherrschen (in drei Wochen steht für sie eine große USA-Tour an, für die sie offensichtlich mehr als gut gewappnet sind). Es ist auch nicht die Tatsache, dass es an diesem Abend völlig obsolet wird, so etwas wie Genregrenzen festlegen zu wollen. „Wenn ich definieren müsste, worum es bei uns geht, dann würde ich sagen: ganz viele Elemente zusammenzupacken. Den melodiösen Part, den härteren Part, die Indie-Part, den Club-Part. Darum geht es, aber da steckt kein größeres Konzept dahinter. Wir fangen einfach an“, sagt Isi Tuefekci schließlich – und in Leipzig lassen Digitalism diesen Worten definitiv Taten folgen.

Das alles aber wird in den Schatten gestellt von der Tatsache, dass viele der Leute im Publikum derart abfeiern und ausflippen, als wäre das ihr erstes Konzerterlebnis, ihre erste Begegnung überhaupt mit Musik dieser Art. Dass dem nicht so ist, erkennt man nicht nur an den vielen Digitalism-T-Shirts in der Menge. Dass es trotzdem so wirkt, ist ein toller Beleg für die Macht dieses Sounds, für seine Frische und zugleich seine Nachhaltigkeit. Denn auch das macht das Konzert in Leipzig klar: Die größte Stärke von Digitalism ist nicht der Hype und nicht die Show. Sondern so etwas Altmodisches und Unwiderstehliches wie Musikalität.

Digitalism spielen Home Zone und Blitz live im Werk 2 in Leipzig:

 

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