Draufgeschaut: A Single Man


Das Herz von George (Colin Firth) ist unheilbar gebrochen.

Das Herz von George (Colin Firth) ist unheilbar gebrochen.

Film A Single Man
Produktionsland USA
Jahr 2009
Spielzeit 99 Minuten
Regie Tom Ford
Hauptdarsteller Colin Firth, Julianne Moore, Nicholas Hoult, Matthew Goode, Jon Kortajarena, Paulette Lamori
Bewertung

Worum geht’s?

Ein Tag im November 1962: Acht Monate sind vergangenen, seit Jim tot ist. Ein Autounfall beendete sein Leben und seine 16 Jahre währende Beziehung zu George, der als Literaturprofessor in Los Angeles lehrt. George kann den Verlust kaum ertragen, er muss sich zwingen, seinen Alltag zu bewältigen und beschließt schließlich, sich einen Ruck zu geben. Er hat mit dem Leben abgeschlossen und plant, sich umzubringen. Doch sein letzter Tag auf Erden birgt einige unerwartete Begegnungen.

Das sagt shitesite:

Man müsste eine Rezension von A Single Man eigentlich mit der Schönheit dieses Films beginnen. Quasi alle Einstellungen sind so sagenhaft elegant, die Komposition von so erlesener Strenge, die Bildsprache so blendend konsequent, dass es eine Freude ist. In den Schatten gestellt wird die Ästhetik im Regiedebüt von Tom Ford trotzdem. Und zwar von Hauptdarsteller Colin Firth.

Schon in den ersten Szenen von A Single Man ist er atemberaubend. In seinem Gesicht stecken Fassungslosigkeit, Wut, Trauer und Sehnsucht und mehr braucht es nicht (in vielen Passagen gibt es keine Musik und keine Worte, sondern nichts als die Leere im spießigen Idyll seiner Umgebung), um deutlich zu machen, dass dieser Mann jeden Tag seines Lebens hasst. „Nur Narren begrüßen den Tag mit einem Lächeln“, ist einer seiner ersten Sätze, gesprochen aus dem Off. Er ist die totale Reflexion, ein Mann, der alles mit sich selbst ausmacht, der zugleich überheblich auf die Welt blickt und sich doch endlich wieder eine Zugehörigkeit zu dieser Welt wünscht. Doch mit Jim ist seine Welt gestorben, sie wird nie mehr dieselbe sein – dieser unnachahmlich romantische Gedanke trägt diesen Film beinahe alleine.

George will „die Vergangenheit loslassen, für immer, und ganz konsequent“. Als dem Zuschauer klar wird, dass damit keineswegs ein Neubeginn gemeint ist oder der Entschluss, die Trauer um Jim endlich zu überwinden, sondern ein Selbstmord, bekommt die Ernsthaftigkeit dieser Figur noch eine zusätzliche Dimension. George genießt das Sinnliche, die Kultur, das Angenehme (selbst, als er sich im Bett erschießen will, ist ihm zunächst die Position des Kissens zu unbequem, was seinen Versuch scheitern lässt) und ein paar Spielereien mit Farbe, Bildschärfe und dem häufigen Fokus auf die Augen der Hauptfigur betonen das geschickt. Aber niemals neigen dieser Mann und dieser Film zum Dramatisieren oder gar zum Hysterischen.

Seine Spannung gewinnt A Single Man nicht nur aus dieser Konzentartion, sondern aus der Tatsache, dass George an seinem womöglich letzten Tag wiederholt Dingen begegnet, die ihn womöglich von seinem Plan abbringen könnten: Wärme, Bewunderung, Abenteuer, Mitgefühl und vor allem Schönheit. Der Film stellt ihm (und noch mehr dem Zuschauer) die Frage, ob das Leben für all das (oder wenigstens für das Schwelgen in der Erinnerung) vielleicht doch lebenswert ist. Und er findet eine eindrucksvolle Antwort: Im Leben geht es letztlich um das Jetzt – und alles, was es zu bieten hat.

Bestes Zitat:

„Wer die Gegenwart nicht genießen kann, hat keinen Grund zu denken, dass die Zukunft besser werden könnte.“

Der Trailer zum Film:

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