Draufgeschaut: Besondere Schwere der Schuld


Film Besondere Schwere der Schuld

Besondere Schwere der Schuld Film Kritik Rezension

Joseph Komalschek (Götz George) steht unter Beobachtung.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2014
Spielzeit 90 Minuten
Regie Kaspar Heidelbach
Hauptdarsteller Götz George, Hanno Koffler, Hannelore Elsner, Manfred Zapatka, Thomas Thieme, Anna Fischer
Bewertung

Worum geht’s?

30 Jahre lang saß Joseph Komalschek im Gefängnis. Nach einer langen Karriere als Intensivtäter wurde er 1984 schließlich eines Doppelmords überführt. Weil wegen eines Verfahrensfehlers keine Sicherungsverwahrung möglich ist, kann er nun allerdings wieder in seine Heimatstadt zurückkehren. Dort wird er argwönisch beäugt: Die Polizei beobachtet ihn auf Schritt und Tritt, die früheren Nachbarn wollen ihn lieber heute als morgen wieder los werden. Bloß im Striplokal, in dem er schon früher Stammgast war, bis die Bardame und ihr neugeborenes Kind angeblich zu seinen Opfern wurden, ist er noch immer gern gesehen. Denn die Leichen wurden nie gefunden. Und Komalschek hat nicht nur im Sinn, sie aufzuspüren, sondern auch andere offene Rechnungen aus der Vergangenheit zu begleichen.

Das sagt shitesite:

Die Pointe von Besondere Schwere der Schuld ist sehr früh vorhersehbar, dazu gibt es etliche Unglaubwürdigkeiten in der Ausgangssituation (alle wichtigen Figuren wohnen in einer Straße, welch Zufall!), überdeutliche Metaphern (die Wahrheit findet in Form einer in einem Bergwerksschacht verschacherten Frauenleiche tatsächlich den Weg aus tiefsten Tiefen hinauf ans Licht) und einen effektheischenden Einsatz der Musik, inklusive Johnny Cashs Coverversion von Hurt, die gleich zu Beginn Joseph Komalscheks letzten Tag im Knast untermalt und so wohl idiotensicher zeigen soll: Hier ist ein gebrochener Mann.

Aber genau dieser Mann ist es, der diesen Thriller trägt. Alle erzittern vor ihm, als er seine alte Wohung bezieht, dabei hat er äußerlich nichts von einer Bestie. Er trägt eine Brille, einen zerzausten Bart und eine Beinprothese. Aber der Zuschauer weiß ebenso wie die einstigen Nachbarn: Komalschek hat nichts zu verlieren, und das macht ihn so gefährlich.

Die Spannung in Besondere Schwere der Schuld erwächst aus der Frage, ob er Rache will oder bloß Gerechtigkeit. Es ist die Frage, die auch die drei ehemaligen Polizisten umtreibt, die ihn einst hinter Gitter gebracht haben. Der Film spielt sehr geschickt mit den Räumen zwischen Wissen, Ahnen, Verdrängen, Erinnern und Nichtwissenwollen – sowohl bei ihnen als auch bei Komalschek und dem jungen Polizisten Thomas, der zur zweiten Hauptfigur wird. Die angeblich braven Bürger wollen unbedingt glauben (oder spielen), dass sie in Sicherheit (oder bedroht) sind, weil sie nur so ihren Glauben an die Unfehlbarkeit des Rechts und den Dualismus aus Schuld und Unschuld  (die des Mörders und die eigene) aufrechterhalten können.

Der Film kann dabei auf ein enorm prominentes Ensemble setzen, das es wunderbar versteht, mit kleinen Nuancen von falscher Empörung, schlechtem Gewissen und durchschaubaren Beschuldigungen für das passende Maß an Suspense und atmosphärisch sehr stimmige Einblicke ins verlogene Kleinbürgermilieu zu sorgen. Götz George ragt aus dieser Besetzung freilich noch heraus und ist letztlich der Grund, warum man Besondere Schwere der Schuld anschauen sollte: Wie er als Aussetziger beginnt, dann beinahe wortlos bleibt und dabei doch immer mehr an Würde gewinnt, bis er schließlich die Verkörperung von Moral wird – das ist ganz stark.

Bestes Zitat:

„Warum bist du nicht einfach im Knast verreckt? – Ich hab’s versucht, aber es hat nicht geklappt.“

Es gibt leider keinen Trailer zum Film.

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