Draufgeschaut: Capote


Truman Capote (Philip Seymour Hoffman) recherchiert den Fall eines zum Tode Verurteilten.

Truman Capote (Philip Seymour Hoffman) recherchiert den Fall eines zum Tode Verurteilten.

Film Capote
Produktionsland USA/Kanada
Jahr 2005
Spielzeit 110 Minuten
Regie Bennett Miller
Hauptdarsteller Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Clifton Collins Jr., Bruce Greenwood, Chris Cooper
Bewertung ****

Worum geht’s?

Kansas, Ende der 1950er Jahre: Auf einer Farm wird ein schreckliches Verbrechen verübt. Eine ganze Familie wird ausgelöscht. Schon bald werden zwei Verdächtige gefasst und des vierfachen Mordes angeklagt. Der Journalist und Schriftsteller Truman Capote erkennt in ihrem Fall eine spannende Geschichte. Er recherchiert die Hintergründe – und gewinnt das Vertrauen von Perry Smith, einem der Angeklagten. Schnell wird daraus ein Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit: Capote braucht den Gefangenen, um seine Geschichte zu Ende erzählen zu können. Und Perry Smith braucht die Hilfe des berühmten Autors, um der Todesstrafe zu entgehen.

Das sagt shitesite:

Der Film, der die Entstehungsgeschichte von In Cold Blood erzählt, ist eine sehr gelungene Mischung aus Krimi, Psychogramm und Biographie – und wird damit dem Buch perfekt gerecht, mit dem Truman Capote nicht nur das Genre des Tatsachenromans erfand, sondern auch zum berühmtesten Schriftsteller Amerikas wurde (und letztlich seine Karriere zerstörte). Natürlich steht und fällt ein solches Konzept mit der Besetzung der Titelrolle, und Philip Seymour Hoffman gibt den Capote fast besser als Capote selbst. Er ist eitler Partylöwe und großzügiger Charmeur, perfider Menschenjäger und berechnender Selbstvermarkter, Manipulator und Sensibelchen. Mit wenigen Szenen und in durchweg düsteren Farben schafft es Capote, die ganze (innere wie äußere) Zwiespaltigkeit dieses Autors zu zeigen, ohne jemals in Eindimensionalität, Melodrama oder gar eine Bewertung seines Charakters zu verfallen. Wenn Truman Capote die Särge öffnet, um sich die Opfer anschauen zu können, dann steckt dahinter ein ungeheures Recherchefieber, ein todsicheres Gespür für die Story, die Pointe, den Abgrund. Aber es zeigt auch, wie skrupellos er war. Truman Capote wird gezeichnet als der Superreporter mit perfektem Gedächtnis, unbändigem Arbeitseifer und unwiderstehlichem Charme, aber auch als ein Autor, der genau weiß, dass sein Werk nicht nur Kunst ist, sondern auch Business – und im Fall von Perry Smith auch eine persönliche Beziehung. Dass sich Capote bei seinen Gesprächen mit dem zum Tode Verurteilten genau auf der Linie zwischen einfühlsam und mitfühlend bewegt, macht diese Dialoge ungeheuer faszinierend. Er selbst schildert diese Spannung im Film als die Diskrepanz zwischen Bodensatz und Konversativem, zwischen denen es doch eine Schnittmenge gebe. Capote ist genau diese Schnittmenge: Der Film zeigt den Mensch im Monster, das Monster im Menschen und die Moral in der Mitte.

Der Trailer zum Film:

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