Draufgeschaut: Captain Phillips


Film Captain Phillips

Captain Phillips Filmkritik Rezension

Captain Phillips (Tom Hanks) wird von Piraten entführt.

Produktionsland USA
Jahr 2013
Spielzeit 134 Minuten
Regie Paul Greengrass
Hauptdarsteller Tom Hanks, Barkhad Abdi, Barkhad Addirahman, Faysal Ahmed, Mahat M. Ali, Michael Chernus
Bewertung

Worum geht’s?

Rich Phillips ist ein erfahrener Kapitän von Frachtschiffen. Die aktuelle Route macht ihm trotzdem Sorgen: Er soll eine riesige Ladung mit Containern auf der „Maersk Alabama“ vom Oman nach Kenia bringen. Die Fahrt führt vorbei an der Küste Somalias, wo sich zuletzt Angriffe von Piraten gehäuft haben. Er trifft entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und bereitet seine Crew auf einen möglichen Überfall vor. In der Tat wird das Frachtschiff angegriffen und Piraten können die „Maersk Alabama“ kapern. Die Crew versucht mit einigen Tricks, das Schiff wieder in ihre Gewalt zu bringen und kann die Angreifer schließlich dazu bewegen, den Frachter wieder zu verlassen – im Gegenzug sollen sie 30.000 Dollar bekommen, die sich im Safe an Bord befunden haben. Die Piraten lassen sich auf diesen Deal ein und machen sich in einem der Rettungsboote des Schiffs zurück auf den Weg nach Somalia, allerdings nehmen sie den Kapitän als Geisel. Captain Phillips versucht, sie zum Aufgeben zu bewegen, weil er weiß, dass das US-Militär versuchen wird, ihn zu befreien. Doch eine gemeinsame Gesprächsbasis und Vertrauen zueinander zu finden, ist im engen Rettungsboot genauso schwierig wie zuvor an Bord des riesigen Containerschiffs.

Das sagt shitesite:

Das Anliegen, auf eines der ausgeblendeten Probleme der Weltwirtschaft und damit zugleich auf die existenzielle Armut und die politisch verheerende Situation in Ostafrika hinzuweisen, ist ebenso ehrenwert wie mutig. Paul Greengrass, Regisseur beispielsweise von Flug 93 und mittlerweile drei Filmen der Jason-Bourne-Reihe, macht daraus in Captain Phillips, basierend auf einer wahren Begebenheit, einen spannenden, erschütternden Film.

Nur ein paar Minuten Normalität gönnt sich das Drama zu Beginn, und zeigt in diesen Sequenzen zugleich: Wir stehen alle unter Druck, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Captain Phillips und seine Frau werden zu fleißig funktionierenden Rädchen im System, weil sie sich wünschen, dass ihre Kinder es einmal besser haben sollen. Die jungen Männer, die in Somalia als Piraten angegeuert werden, haben eine noch unmittelbarere Motivation: Wenn sie nicht mitmachen, bekommen sie eine Kugel in den Kopf. Bei beiden sind die dahinter stehenden Kräfte die Mechanismen der Märkte, die Gier des Kapitals und die Angst vor Konkurrenz.

Dieser Versuch, Gemeinsamkeiten zu schaffen und auf die hinter den Betroffenen stehenden Machtverteilungen zu verweisen, wird danach aber kaum weiterverfolgt. Der Film bemüht sich immer wieder, auf (im Wortsinne) Schwarz-Weiß-Malerei zu verzichten und die individuelle Situation der Protagonisten zu zeigen, trotzdem ist die Figurenzeichnung recht undifferenziert: Phillips ist gewissenhaft und bescheiden, sein somalischer Gegenspieler Muse ist zugedröhnt und herrisch. Auch auf die jeweilige Besatzung, die ihnen untersteht, lässt sich diese Charakterisierung übertragen: Die Weißen verfügen über Know-how und Technologie, sie zeichnen sich in der Situation der Bedrohung aus durch Disziplin und Zusammenhalt. Die Schwarzen werden getrieben von Wut und Verzweiflung, ihre Strategie für den Überfall scheint bloß aus Brutalität und Chaos zu bestehen.

Natürlich ist das der Konstellation der Handlung geschuldet: Die eine Gruppe besteht nun einmal aus den Tätern, wild entschlossenen Kriminellen. Die andere Gruppe sind die Opfer, aufrechte Familienväter. Trotzdem hätte man sich, vor allem angesichts des aufklärerischen Impetus‘ von Captain Phillips, hier ein bisschen weniger Schablonenhaftigkeit gewünscht.

Immerhin schafft es der Film, ohne dabei allzu stark von den wirklichen Ereignissen abzuweichen, eine gute Dosis solides Hollywood-Handwerk zu integrieren: Es gibt eine Verfolgungsjagd wie in einem Actionfilm, die Verhandlungen zwischen der Crew und den Piraten wirken wie in einem Justizthriller, der Versuch der Besatzungsmitglieder, sich mit totaler Kameradschaft und improvisierten Tricks zu retten, lässt an ein Kriegsepos denken. Vor allem gelingen eine klaustrophobische Atmosphäre und eindrucksvolle Bilder. Dazu gehört die Diskrepanz zwischen dem riesigen Containerschiffs und den baufälligen Fischerbooten, die den Angreifern zur Verfügung stehen. Trotz ihrer Größe erweist sich die „Maersk Alabama“ dann allerdings als enorm verwundbar, während uralte Techniken der Piraten zum Erfolg führen – ein sehr treffendes Symbol, nicht nur für das Thema dieses Films, sondern für viele Aspekte der Weltpolitik.

Exemplarisch ist auch die Überforderung mit der Situation in Captain Phillips, die sich nicht nur bei den Piraten bemerkbar macht, wenn sie sich in Geschrei und Hahnenkämpfen ergehen, sondern auch bei der Containerschiff-Besatzung, die plötzlich erkennen muss, wie fragil die Bequemlichkeit ihres Lebens war und wie arrogant die Hoffnung ist, die eklatante Ungleichheit auf der Welt einfach ausblenden zu können, selbst wenn man gerade mit einer Ladung voller Hilfsgüter an einer der ärmsten Gegenden der Welt vorbeischippert. Am besten ist der Film (und mit ihm Tom Hanks in der Titelrolle) deshalb am Schluss, wenn er keine Worte mehr hat, aber im Gesicht des Hauptdarstellers genau die Eindrücke zeigt, die Captain Phillips prägen: Erleichterung, Schuldgefühle und ganz viel Fassungslosigkeit.

Bestes Zitat:

„Du musst auf alles vorbereitet sein. Das ist kein Spiel für schwache Nerven.“

Der Trailer zum Film.

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