Draufgeschaut: Coco Chanel & Igor Stravinsky


Coco Chanel (Anna Mouglalis) nimmt Igor Stravinsky (Mads Mikkelsen) in ihrem Haus auf.

Coco Chanel (Anna Mouglalis) nimmt Igor Stravinsky (Mads Mikkelsen) in ihrem Haus auf.

Film Coco Chanel & Igor Stravinsky
Produktionsland Frankreich
Jahr 2009
Spielzeit 115 Minuten
Regie Jan Kounen
Hauptdarsteller Anna Mouglalis, Mads Mikkelsen, Elena Morozova
Bewertung

Worum geht’s?

Bei der Weltpremiere von Igor Stravinskys Ballett Le sacre du printemps ist Coco Chanel eine der wenigen im Publikum, die das innovative Stück nicht skandalös, sondern faszinierend finden. Sieben Jahre später, inzwischen eine erfolgreiche und wohlhabende Modeschöpferin, begegnet sie dem Komponisten bei einer Party persönlich. Stravinsky hat Geldprobleme, kann kaum für seine Kinder und seine todkranke Frau sorgen. Coco Chanel bietet ihm an, in ihrem Haus zu leben. Dort blüht der Musiker in der Tat auf, inspiriert von seiner faszinierenden Gönnerin. Nur Stravinskys Ehefrau fühlt sich in dem neuen Haus nicht wohl. Sie befürchtet eine Affäre zwischen ihrem Mann und der selbstbewussten Gastgeberin – nicht zu Unrecht, wie sich bald herausstellt.

Das sagt shitesite:

Musik und Ausstattung sind in Coco Chanel & Igor Stravinsky so toll, wie man das bei solchen Hauptfiguren erwarten durfte. Um einen Film zu tragen, reichen diese Elemente allerdings kaum aus, und wie sehr dieser Streifen sich den Metiers seiner Titelfiguren unterordnet, wird sehr schnell klar: Es dauert knapp zwölf Minuten, bis die letzte Einblendung des Vorspanns erscheint und rund eine Dreiviertelstunde, bis in diesem Film so etwas wie ein Konflikt erkennbar wird. Stattdessen gibt es einen sehr ausführlichen Blick auf Le sacre du printemps und tolle Kamerfahrten durch perfekt ausstaffierte Räume (die Dreharbeiten wurden vom Chanel-Konzern unterstützt).

Nach diesem langen Vorspiel wird aus Coco Chanel & Igor Stravinsky aber doch noch ein spannendes Drama. Aus Faszination wird eine heimliche Affäre, dann ein kreativer Wettstreit – und die beiden Hauptdarsteller setzen diese Dynamik wunderbar um. Manchmal wirkt es zwar, als würden Anna Mouglalis und Mads Mikkelsen wetteifern, wer von beiden beim Sinnieren noch besser aussieht, aber letztlich gelingt es ihnen wunderbar, den doppelten Konflikt in dieser Beziehung deutlich zu machen.

Der erste davon ist ein Ringen mit der eigenen Libido: Stravinsky lebt und verkörpert ein traditionelles Familienbild, auch die Rücksichtnahme auf seine kranke Gattin verbietet einen Seitensprung. Chanel ist modern, liberal und selbstbestimmt. Die Tatsache, dass sie im selben Haus mit dem Musiker lebt, den sie begehrt, ohne mit ihm zusammen sein zu können, nur wegen moralischer Bedenken, quält sie; zugleich empfindet sie die Anziehungskraft, die der Komponist auf sie ausübt, offensichtlich als eine Bedrohung für ihre Unabhängigkeit.

Der zweite (und deutlich größere) Konflikt ist ein Ringen mit der eigenen Kunst. Beide sind radikal in ihrer Ästhetik, und jeder der beiden ist auf seine Weise verkopft: Bei Coco Chanel herrschen Strenge und Eleganz, bei Igor Stravinsky herrschen Wildheit und Wahnsinn. In ihrer Kunst stecken Strenge, Kampf und Schuldgefühle. Beide sind akribisch und unerbittlich, durchaus willens, die Vorlieben des Publikums zu ignorieren, und vor allem ehrgeizig. Sehr schön zeichnet Coco Chanel & Igor Stravinsky nach, wie vor allem aus diesem Grund aus der Affäre schließlich ein Kräftemessen der Geschlechter und Künste wird – und ein Kampf zweier Genies gegen ihren eigenen Egoismus.

Bestes Zitat:

„Man muss sich vergessen können, dann verliert man sich in der Musik. Die meiste Zeit über passiert nichts, aber dann kommt es ganz zufällig. So wie eine Tür, die sich öffnet: Alles wird klar, und die ganze Musik ist im Kopf. Und dann versucht man, die Noten einzufangen und ins Klavier zu werfen. Das ist ein sehr merkwürdiges Gefühl.“

Der Trailer zum Film:

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