Code 46


Film Code 46

Code 46 Michael Winterbottom Kritik Rezension

William Geld (Tim Robbins) ermittelt gegen Maria Gonzalez (Samantha Morton).

Produktionsland Großbritannien
Jahr 2003
Spielzeit 92 Minuten
Regie Michael Winterbottom
Hauptdarsteller Tim Robbins, Samantha Morton, Jeanne Balibar
Bewertung

Worum geht’s?

William hat einen Auftrag in Shanghai: In einer Firma namens „The Sphinx“ werden Dokumente gefälscht. Er soll herausfinden, wer dahinter steckt. Dazu qualifiziert ihn eine ganz besondere Fähigkeit: Er kann Menschen dazu bringen, ihre Geheimnisse zu verraten, selbst wenn sie das nicht wollen. Als er in einem Verhör die junge Angestellte Maria befragt, ahnt er schnell, dass sie etwas mit den Ungereimtheiten bei „The Sphinx“ zu tun hat. Trotzdem benennt er sie nicht als seine Hauptverdächtige, sondern beschließt, die junge Frau besser kennen zu lernen. Es zeigt sich: Sie ist mit dem hier herrschenden Gesellschaftssystem, in dem ein Teil der Menschheit in Städten voller H-Tech, Hygiene und Kontrolle lebt, der andere Teil aber außerhalb, wo Chaos, Armut und Gewalt regieren, nicht einverstanden und versucht, ihre Position in der Firma auszunutzen, um daran etwas zu ändern. William steht vor der Frage, ob er dieses Engagement unterstützen soll, das sich auch gegen die strenge staatliche Reglementierung von Liebesbeziehungen und Fortpflanzung richtet – die William und Maria schon bald selbst im Wege steht.

Das sagt shitesite:

Ödipus meets Brave New World – so könnte man Code 46 auf den Punkt bringen. Zwei besondere Stärken bringt der Science-Fiction-Film von Michael Winterbottom dabei mit sich: Zum einen eine sehr ausgefeilte Ästhetik, in der selbst die schäbigen Bezirke außerhalb der Städte oder die etwas chaotische und wenig luxuriöse Wohnung von Maria kühl und konsequent gestaltet wirken. Zum anderen eine unterschwellige Spannung, die vor allem darauf beruht, dass der Film seinen Kontext lange Zeit im Dunkeln lässt und auch nie benennt, in welcher Zeit er spielt.

Eventuell hat sich hier eine Klimakatastrophe ereignet, offensichtlich wird die Biotechnologie sowohl als bedrohlich wie auch als notwendig für die Lösung gesellschaftlicher Probleme betrachtet, höchstwahrscheinlich regiert ein totalitäres Regime. Ob das alles zutrifft, kann nur spekuliert werden, die genaue Form dieser Gesellschaft wird nie erklärt, ob sich all dies erst in ein paar Jahrhunderten abspielen soll oder vielleicht näher an der Gegenwart ist, als uns lieb sein kann, bleibt ebenfalls offen.

Vor allem zu Beginn bleibt Code 46 damit ein Rätsel, das sich aber schon bald als ein Versprechen erweist. Die typische Tim-Robbins-Mischung als Entschlossenheit und Lakonie passt wunderbar in diese Dystopie, ebenso wie der Einsatz von Pidgin-Sprache mit französischen, spanischen und anderen Einsprengseln. Vor allem aber gelingt hier eine originelle Interpretation des uralten Sophokles-Themas und eine Botschaft, die auch schon bei Aldous Huxley zu finden war: Die Möglichkeit, ein Risiko einzugehen (und damit auch scheitern zu können), ist die Voraussetzung für Glück.

Bestes Zitat:

„Wer will schon sein Schicksal erfahren? Wer würde ein solches Risiko eingehen?“

Der Trailer zum Film.

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