Dead Man Walking


Film Dead Man Walking

Schwester Helen (Susan Sarandon) steht dem Häftling Matthew Poncelet (Sean Penn) bei.

Schwester Helen (Susan Sarandon) steht dem Häftling Matthew Poncelet (Sean Penn) bei.

Produktionsland USA
Jahr 1995
Spielzeit 127 Minuten
Regie Tim Robbins
Hauptdarsteller Sean Penn, Susan Sarandon, Robert Prosky, Jack Black
Bewertung

Worum geht’s?

Matthew Poncelet ist wegen Freiheitsberaubung, Vergewaltigung und Mordes verurteilt. Er soll gemeinsam mit einem Freund zwei Teenager entführt, missbraucht und erschossen haben. Aus der Todeszelle schreibt er an die Ordensschwester Helen, die ihm zur Seite stehen will. Zunächst versucht sie noch, eine Neuaufnahme des Verfahrens zu erreichen. Doch schon bald sieht es aus, als müsse Helen den Gefangenen durch die letzten Tage seines Lebens begleiten.

Das sagt shitesite:

Die Todesstrafe an sich wäre als Thema schon komplex genug, um sich dem Medium Kinofilm zu verweigern. Sie in Person der Ordensschwester und auf Basis einer wahren Geschichte auch noch mit dem Thema Religion zu kombinieren und daraus einen Blockbuster zu machen, ist noch ein Stück gewagter. Doch Tim Robbins geht hier sehr fokussiert und differenziert vor und wahrt mit Dead Man Walking die Balance zwischen heiligem Zorn und gutmenschlicher Empörung. Vor allem, weil Dead Man Walking sich nicht nur auf die Beziehung zwischen Nonne und Häftling konzentriert, sondern auch aufgreift, wie sehr die Justiz durch das Instrument der Todesstrafe emotionalisiert und instrumentalisiert wird.

Das Leid der Angehörigen ist schwer zu fassen, die Profilierungssucht der Politiker noch größer. Die Justiz und alle, die an der tatsächlichen Vollstreckung des Todesurteils beteiligt sind, verstecken sich hinter Prinzipien, um die persönliche Verantwortung leugnen zu können. Dead Man Walking zeigt sehr eindrucksvoll: Letztlich sind sie alle genauso kaltblütig wie der Verbrecher, der nun hingerichtet werden soll.

Dazu kommt das Aufeinandertreffen zweier Charaktere, die schon zu Beginn beeindruckend sind und dann eine packende, bewegende, höchst spannende Entwicklung durchlaufen. Dass sie mal durch ein Gitter getrennt sind, mal durch eine Scheibe (in der sie sich auch gegenseitig spiegeln) und in einigen Szenen scheinbar gar nicht, bringt wunderbar das Hin und Her ihrer Beziehung zum Ausdruck und erinnert ein wenig an die ebenso doppelbödigen Zellen-Szenen in Capote. Matthew Poncelet wendet sich aus Einsamkeit und Verzweiflung an die Nonne. Die steht dem Häftling zunächst nur aus Neugier und Pflichtbewusstsein bei. Doch sie muss erkennen, dass sie mit ihrer Hilfsbereitschaft nur Missachtung und Undank erntet, während für ihn die Annäherung an die Nonne (und an seine Hinrichtung) auch eine Annäherung an die eigene Schuld wird.

Diese Beziehung, die ebenso ein Flirt wie ein Duell ist, findet am Ende ihren Höhepunkt: Wie die Schwester völlig entrückt ist ob der Sorge um Erlösung einer verlorenen Seele und aus dem unnahbaren, ultracoolem Todeskandidaten dann doch ein Häuflein Elend wird, das ist ergreifend und von Susan Sarandon und Sean Penn grandios gespielt. Die Schlusssequenz nimmt auch deshalb so sehr mit, weil hier Erzählzeit und erzählte Zeit fast identisch weren. Dieser Live-Effekt macht die Prozedur der Hinrichtung noch bedrückender.

Ganz am Schluss wird Dead Man Walking zwar ein bisschen zu pathetisch in seinem Versuch, Unparteilichkeit vorzutäuschen. Dazu passt auch die Tatsache, dass in Rückblenden immer wieder der Tathergang gezeigt wird. Zunächst ist dabei gar kein Täter zu erkennen, dann läuft das Geschehen auf ganz unterschiedliche Weise ab. Das soll wohl verdeutlichen, wie schwer es ist, sich wirklich der Wahrheit zu nähern: für die Justiz, für die Angehörigen, und selbst für den Täter. Doch gerade, weil das Drama zwischendurch immer wieder Szenen blühenden Lebens zeigt, ist die Tendenz hier offensichtlich. Dead Man Walking preist nicht den Glauben und natürlich auch nicht die Todesstrafe, sondern ist ein Plädoyer für die Menschlichkeit.

Bestes Zitat:

“Einmal hatte ich einen Traum, dass ich auf dem Stuhl verbruzzelt werden sollte und Gott kam in meine Zelle und hatte eine Kochmütze auf. Er fing an, mich in Paniermehl rumzuwälzen und sich die Lippen zu lecken und so. Vielleicht halten Sie mich für abartig, weil ich so etwas träume. Aber der Verstand spielt einem komische Streiche, wenn man zwischen lauter Leuten eingesperrt ist, die einen umbringen wollen.”

Der Trailer zum Film:

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