Draufgeschaut: Der Ghostwriter


Film Der Ghostwriter

Der Ghostwriter Filmkritik Rezension

Der Ghostwriter (Ewan McGregor) findet bereits ein fertiges Manuskript vor.

Produktionsland Frankreich, Großbritannien, Deutschland
Jahr 2010
Spielzeit 128 Minuten
Regie Roman Polanski
Hauptdarsteller Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Cattrall, Olivia Williams, James Belushi, Tom Wilkinson
Bewertung

Worum geht’s?

Der ehemalige britische Premierminister Adam Lang will seine Memoiren verfassen. Er hat einen Mitarbeiter aus seinem Stab beauftragt, ihm dabei zur Hand zu gehen. Doch dieser langjährige Vertraute kommt unter mysteriösen Umständen ums Leben. Als Nachfolger heuert der Politiker einen Schriftsteller an, der zwar Erfahrung als Ghostwriter hat, aber eher für schillernde Persönlichkeiten außerhalb der Politik. Der Autor hat zwar ein paar Zweifel, ob er das Angebot annehmen soll, denn er soll das Buch innerhalb von nur vier Wochen vollenden. Sein Agent und nicht zuletzt das stattliche Honorar überzeugen ihn schließlich. Doch dann wird die Arbeit viel komplizierter als gedacht: Adam Lang wird angeklagt, weil er erlaubt haben soll, dass Terrorverdächtige an die CIA ausgeliefert werden. Er steht plötzlich im Zentrum eines Skandals, der seinem Ghostwriter die Recherche deutlich erschwert – genauso wie die attraktive First Lady und nicht zuletzt das Manuskript, das sein Vorgänger hinterlassen hat.

Das sagt shitesite:

Die Tourismusbehörde  von Massachusetts hat diesen Film, der auf einer Romanvorlage von Robert Harris basiert, ganz sicher nicht ins Herz geschlossen: Der Ex-Premier hat zwar ein luxuriöses Strandhaus zu seiner Kommandozentrale gemacht, aber das edle Domizil wirkt mit seinen Bodyguards, Sicherheitskontrollen und Tresoren schnell wie ein Design-Gefängnis, während draußen der einsame Strand von grauem Regen durchnässt oder grauem Nebel eingehüllt wird.

Man könnte meinen: Als Ambiente für einen Thriller ist das ein bisschen plump. Diesen Vorwurf entkräftet der Film aber schnell und schafft es sogar, das Naheliegende ins Zwangsläufige zu verkehren: Die stimmige Atmosphäre ist, neben der stringenten Erzählweise, für dieses Genre erstaunlich humorvollen Dialogen sowie einem sehr gut aufgelegten Pierce Brosnan und einem immerhin noch gut aufgelegten Ewan McGregor, die größte Stärke von Der Ghostwriter.

In sehr klassischer Thriller-Manier setzt Regisseur Roman Polanski nicht auf Nervenkitzel-Spannung, sondern auf eine Gänsehaut-Atmosphäre, die natürlich auch durch die Bezüge zu realen Ereignissen verstärkt wird. Manipulation ist die beliebteste Tätigkeit in dem Umfeld, in das der Autor gerät, und Macht ist das Ziel. Loyalität, Aufrichtigkeit, Pflichtbewusstsein – diese Werte wollen fast alle Beteiligten nach außen propagieren, doch im Strandhaus gibt es nichts davon.

Das wichtigste Element dabei ist die Konzeption der Titelfigur. Der namenlose Ghostwriter ist kein Enthüllungsjournalist und nicht auf einen Skandal aus, sondern eher ein Handwerker mit Interesse am Menschlich-Allzumenschlichen. Seine anfängliche politische Ignoranz steigert die Spannung, denn schnell wird beim Ghostwriter die Neugier gekitzelt, schließlich die Angst geweckt. Sein Wissensdurst speist sich erst aus dem Gefühl, dass da etwas nicht stimmt, dann aus der Gewissheit, dass er in Gefahr ist und dass vielleicht nur das Herausfinden der Wahrheit ihn schützen kann.

Damit will der Film wohl auch die Botschaft vermitteln: Egal, ob du Interesse an Politik hast – die Politik hat auf jeden Fall Interesse an dir. Sie greift in dein Leben ein, auch in deine Privat- und Intimsphäre.

Bestes Zitat:

„Wer einen Stammbaum braucht, sollte ins Gartencenter gehen.“

Der Trailer zum Film.

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