Der Minister


Film Der Minister

Max (Johann von Bülow) beflügelt die politische Karriere von Donni (Kai Schumann, links).

Max (Johann von Bülow) beflügelt die politische Karriere von Donni (Kai Schumann, links).

Produktionsland Deutschland
Jahr 2013
Spielzeit 93 Minuten
Regie Uwe Janson
Hauptdarsteller Kai Schumann, Johann von Bülow, Alexandra Neldel, Katharina Thalbach, Walter Sittler, Thomas Heinze, Stefanie Stappenbeck, Susan Sideropoulos
Bewertung

Worum geht’s?

Schon als Schüler war Max Drexel der beste Freund von Franz Ferdinand Freiherr von und zu Donnersberg. Er ließ seinen adligen Kumpel bei Klausuren abschreiben und half ihm aus der Patsche, wenn die Lausbuben etwas ausgefressen hatten. Jetzt ist er wieder gefragt: Als Baron zu Donnersberg für den Bundestag kandidiert, ohne auch nur den Hauch einer politischen Vision zu haben, braucht er jemanden, der ihm passable Reden schreibt, die wenigstens nach bedeutenden Inhalten klingen. Max, der eigentlich von einer Schriftstellerkarriere geträumt hatte, erscheint da goldrichtig. Das Wahlvolk schließt den schmucken Baron tatsächlich ins Herz, er zieht ins Parlament ein und wird später sogar Minister. Max bleibt an seiner Seite und gibt seinem Freund „Donni“ immer wieder die genau richtigen Tipps. Schließlich wird ihm die Karriere von zu Donnersberg aber unheimlich: Er sucht einen Weg, um den Baron zu Fall zu bringen, bevor „Donni“ womöglich auch noch Bundeskanzler wird. Mit einer schludrigen Doktorarbeit, die er selbst als Ghostwriter für den Minister verfasst hatte, scheint er den richtigen Hebel gefunden zu haben.

Das sagt shitesite:

Als Comedy funktioniert Der Minister sehr gut. Die Geschichte des Karl-Theodor zu Guttenberg, die hier in leicht satirischer Überhöhung und mit einem lobenswerten Hang zum Absurden erzählt wird, ist abseitig genug, um für gute Unterhaltung zu sorgen. Die TV-Komödie gönnt sich dabei einige Seitenhiebe und baut augenzwinkernd etliche Details des Politikbetriebs ein, die bei Aufstieg und Fall des Ex-Ministers für Aufregung gesorgt hatten: das AC/DC-T-Shirt, eine Kai-Diekmann-Entsprechung, die Modelleisenbahn von Horst Seehofer, die Opel-Rettung, die Fotos am Times Square, die Talkshow in Afghanistan.

Ein sehr geschickter Schachzug ist die Figur des Max, der als Ghostwriter des Barons eingeführt wird. Er ist ein gestresster Familienvater, und ein Teil der Rechtfertigung, die der echte Guttenberg nach dem Auftauchen der Plagiatsvorwürfe ins Feld zu führen versuchte, wird hier auf Max ausgelagert.  Vom Ministerbaron bleibt somit nur noch die schmierige Selbstverliebtheit übrig, die umso klarer zutage tritt und den ganzen Film wirken lässt wie in Pomade getaucht. Ablenkung und Inszenierung sind seine einzigen Fähigkeiten, und Machterhalt ist sein einziges Ziel – ohne dass er eine Vorstellung davon hätte, was er mit dieser Macht überhaupt anfangen möchte. Zu Donnersberg ist in Der Minister eine Marionette, aber nicht einmal an den Fäden sitzt hier jemand, der so etwas wie politische Überzeugungen hätte.

Politik wird in Der Minister als hohles und intrigantes Geschäft vorgestellt. Das Problem dabei ist, dass in diesem Film nicht in erster Linie die Politiker dafür verantwortlich gemacht werden, sondern die Medien. Beim Aufstieg des Barons sind sie nicht nur Steigbügelhalter, sondern werden als treibende Kraft dargestellt. Bezeichnenderweise gibt es in Der Minister etliche Parallelen zu Horst Schlämmer, der dank dieser Mechanismen ebenfalls mit völliger Inhaltslosigkeit in höchste Berliner Ämter strebt und, auch ohne die nötige Optik, eine ganz ähnliche Laufbahn vom Senkrechtstarter zur Witzfigur hinlegt.

Wirklich ärgerlich an diesem Film ist aber, dass durch diesen Fokus auf die medialen Aspekte die Verantwortung des Ministers verharmlost wird. Der Baron hat hier keinen eigenen Ehrgeiz, sondern wird zur Feder im Wind, manipuliert von Journalisten, Spindoctors und seiner eigenen Eitelkeit. Seine Prinzipienlosigkeit erscheint amüsant, nicht bedenklich, und sein Betrug erscheint nicht als Vorsatz, sondern als zufällige Folge eines Politikbetriebs, der nur auf Sensation und Manipulation aus ist. Der ganz reale Karl-Theodor zu Guttenberg kommt deshalb in Der Minister deutlich zu gut weg.

Bestes Zitat:

„Seine Haare sind im unbehandelten Zustand das einzig Aufrechte an ihm.“

Der Trailer zum Film:

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