Draufgeschaut: Die Flucht


Lena (Maria Furtwängler) muss mit ihrem Gefolge aus Ostpreußen fliehen.

Lena (Maria Furtwängler) muss mit ihrem Gefolge aus Ostpreußen fliehen.

Film Die Flucht
Produktionsland Deutschland
Jahr 2007
Spielzeit 182 Minuten
Regie Kai Wessel
Hauptdarsteller Maria Furtwängler, Jürgen Hentsch, Jean-Yves Berteloot, Frédéric Vonhof, Tonio Arango, Angela Winkler, Hanns Zischler, Max von Thun, Adrian Wahlen, Adrian Goessel, Gabriela Maria Schmeide
Bewertung **1/2

Worum geht’s?

Eigentlich war Lena, Gräfin von Mahlenberg, aus Berlin in ihre ostpreußische Heimat zurückgekehrt, um sich dort mit ihrem todkranken Vater auszusöhnen. Doch weil fast alle Männer an der Front sind, muss sie schnell wieder die Leitung des Guts übernehmen. Und schließlich mit dem gesamten Gefolge aus Ostpreußen fliehen, als die Ostfront des Zweiten Weltkriegs immer näher rückt. Die Flucht mitten im Winter wird eine Tortur und eine Zerreißprobe – ebenso wie die Frage, für welchen Mann sich Lena entscheiden soll.

Das sagt shitesite:

Obwohl sich das aufwendig produzierte Historiendrama mehr als drei Stunden Zeit nimmt, müssen die historischen Fakten arg verknappt werden. So beginnt Die Flucht ziemlich abrupt. Danach gibt es wunderschöne Landschaftsaufnahmen, viele starke Frauen und viele feige Männer, die sich gleich reihenweise in den Selbstmord flüchten. So gelingt es dem Film zwar, vor Augen zu führen, wie eine ganze Kultur, eine Epoche, eine Heimat innerhalb weniger Monate verschwindet. Die Flucht zeigt auch gekonnt das Dilemma des ostpreußischen Adels, der an Weltschmerz, Stolz und vor allem Verantwortungsbewusstsein zu zerbrechen droht. Doch vor allem, weil um die Strapazen der Flüchtlinge gleich noch ein Familiendrama und eine dreifache Liebesgeschichte gestrickt werden, bekommt das Epos auch Züge von Rosamunde Pilcher – und das ist (auch) in diesem Kontext fatal. Dass die Deutschen hier zwar leiden müssen, aber letztlich den Krieg angefangen haben, darauf wird nur ganz am Anfang per Stimme aus dem Off hingewiesen. Und während die Russen vergewaltigen und mehrfach wild um sich ballern, sieht man erst nach knapp zwei Stunden erstmals, wie deutsche Soldaten unschuldige Kriegsgefangene erschießen. Unterm Strich malt Die Flucht somit ein gefährliches Idyll von einer Landschaft, die aus gutem Grund nicht mehr zu Deutschland gehört, und einer Zeit, die Demokratie mit Anstand und Recht mit persönlichem Ehrgefühl zu ersetzen versuchte. So wird das heikle Thema Vertreibung zwar eindrucksvoll inszeniert, könnte aber kaum rückwärtsgewandter sein, wenn Erika Steinbach Regie geführt hätte.

Der Trailer zum Film:

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