Draufgeschaut: Die Hölle


Film Die Hölle

Die Hölle Claude Chabrol Filmkritik Rezension

Paul (François Cluzet) kann Nelly (Emanuelle Béart) nicht vertrauen.

Produktionsland Frankreich
Jahr 1994
Spielzeit 102 Minuten
Regie Claude Chabrol
Hauptdarsteller Emmanuelle Béart, François Cluzet, Nathalie Cardone, André Wilms, Marc Lavoine
Bewertung

Worum geht’s?

Es scheint richtig gut zu laufen für Paul: Er hat sich seinen Traum vom eigenen Hotel erfüllt, heiratet die attraktive Nelly, wenig später kommt sein Sohn zur Welt. Während all die Urlauber und Liebespaare, die in seinem Hotel zu Gast sind, sich prächtig amüsieren, ertrinkt er allerdings in Arbeit, um den Laden in Schwung zu bringen. Während er sich abrackert, scheint seine Frau Nelly eher ihr Leben zu genießen und ihre Pflichten im Hotel zu vernachlässigen. Mehr noch: Paul hat den Verdacht, dass sie ihn betrügt. Bald ist er besessen davon, ihr dabei auf die Schliche zu kommen.

Das sagt shitesite:

Trotz einer Spielzeit von reichlich anderthalb Stunden fühlt sich der Beginn von Die Hölle an, als werde das Geschehen im Zeitraffer gezeigt. Im beinahe hektischen Galopp geht es durch die einzelnen Stationen im Leben von Paul. Es ist ein irritierend hohes Tempo, das sich dann allerdings als geradezu zwangsläufig erweist: Im Zentrum des Films steht nicht das Leben dieser Person, sondern einzig der winzig kleine Moment, in dem in ihm der Verdacht entsteht, Nelly könnte fremdgehen. Es ist ein kurzer Gedanke, der dann für ihn tatsächlich Die Hölle wird.

Er ist ein wandelndes Wrack, zuerst ausgebrannt, weil er in Arbeit ertrinkt. Dann völlig entnervt, weil er sich in die fixe Idee verrannt hat, seine Ehefrau sei ihm untreu. „Ich bin eifersüchtig, und ich krepier daran“, stellt er fest, doch diese Selbsterkenntnis ist ihm keine Hilfe. In ihm steckt ein Stachel, der sich nicht mehr entfernen lässt.

Regisseur Claude Chabrol stellt damit ein Dilemma in den Mittelpunkt von Die Hölle: Man kann Beweise für einen Seitensprung finden, aber keine Beweise für Treue. Er zeigt auch, was ein falsches Verständnis davon, was Liebe ist und wie eine Beziehung gestaltet werden sollte, anrichten kann: Paul sucht das Absolute, Unverrückbare, die Liebe nicht als Möglichkeit, sondern als Dogma.

Nelly als sein Gegenpart will die Leichtigkeit, die nur eine echte, innige Liebesbeziehung bringen kann. Paul will unbedingt daran zweifeln, dass er in genau einer solchen Beziehung lebt. Daraus entsteht ein Duell, in dem er eine gehörige Portion an Narzissmus, schließlich auch an Paranoia erkennen lässt. „Wenn du nicht vernünftig sein willst, dann werde ich es für zwei sein“, hält ihm Nelly entgegen, in der Hoffnung, diese Ehe noch retten zu können. Ihr Stolz speist sich aus ihrem reinen Gewissen, sein Stolz speist sich daraus, dass er sie besitzt – und den Alleinanspruch auf sie erhebt.

Allerdings: Wenn Paul in Selbstgespräche verfällt oder halluziniert, auch dann, wenn der Film allzu penetrant mit Spiegelbildern und Reflexionen spielt, dann hat Die Hölle eine übertriebene Gefühligkeit, die anstrengend, selbstverliebt und sogar albern wirken kann. Auch die Eskalation der Eifersucht, die zu einer interessanten Machtverschiebung führt, wenn der am Anfang noch devote Paul in seinem Psychoterror gegen Nelly plötzlich herrisch wird, hätte man weniger langatmig und schwülstig inszenieren können – was zudem der Glaubwürdigkeit des Geschehens gut getan hätte.

So bleibt das Bild einer tragischen Liebe: Nelly und Paul wollen einander gerne ganz sicher sein – und es fehlt so wenig, um ihn, seine Ehe, seine Familie und seine geistige Gesundheit zu retten. Nämlich die Fähigkeit, zu vertrauen, notfalls auch ohne Gegenleistung.

Bestes Zitat:

„Es ist das Privileg der hübschen Frauen, uns zu ruinieren.“

Szenen aus dem Film.

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