Draufgeschaut: Die Klasse


Film Die Klasse

Die Klasse Filmkritik Rezension

François (François Bégaudeau) kämpft mit seinen Schülern.

Originaltitel Entre les murs
Produktionsland Frankreich
Jahr 2008
Spielzeit 130 Minuten
Regie Laurent Cantet
Hauptdarsteller François Bégaudeau
Bewertung

Worum geht’s?

„Ich wünsche allen Neuankömmlingen viel Mut“, begrüßt eine Mathelehrer einer Schule in Paris, der kurz vor der Pensionierung steht, zum Beginn des Schuljahrs die neuen Lehrkräfte. Die Warnung ist nicht als Scherz gemeint: Die Schule im als Problemviertel geltenden 20. Bezirk hat reichlich damit zu kämpfen, den Schülern wenigstens ein elementares Wissen und ein bisschen Diszipilin beizubringen. Das muss auch François Marat erleben, der als Französischlehrer hier durch ein Trimester begleitet wird. Seine Schüler sind 13- bis 15-Jährige, oft mit Migrationshintergrund – und im Klassenraum sind sie nicht sein Publikum oder seine Mitstreiter, sondern seine Gegner.

Das sagt shitesite:

Jeder von uns ist zur Schule gegangen, jeder nimmt die aktuellen Probleme wahr, aber wir müssen erst auf der Leinwand sehen, was da passiert, um wirklich schockiert zu sein – das könnte das Fazit von Die Klasse sein. Der Film beruht auf den Erinnerungen von Hauptdarsteller François Bégaudeau an seine Zeit als Lehrer, arbeitet mit Laiendarstellern und einem weitgehend dokumentarischen Ansatz, was dem Geschehen ein hohes Maß an Authentizität verleiht.

Sehr geschickt richtet der Film den Blick zunächst auf den Lehrer und ermöglicht Identifikation mit der undankbaren Situation, in die ihn sein Beruf bringt: Er bekommt die Verantwortung für ein junges Leben und wird damit allein gelassen. Er will die Schüler weiterbringen, auf ein höheres Niveau von Wissen und Weltgewandtheit hieven, aber zugleich muss er ständig auf der Hut sein, sich im Umgang mit ihnen nicht seinerseits auf das intellektuelle und zwischenmenschliche Niveau von Teenagern herunterziehen zu lassen. Viel schwieriger als die Wissensvermittlung ist es für ihn, überhaupt einen Zugang zu ihnen zu finden.

Nach und nach rücken in Die Klasse dann die Schüler in den Fokus der Aufmerksamkeit, das komplexe Geflecht ihrer Beziehungen miteinander. Sie sind albern und unsicher, aber auch stolz und loyal. Selbst diejenigen von ihnen, die am meisten verhaltensauffällig sind, verweigern sich dabei keineswegs der Idee, die Schule könnte sinnvoll sein. Sie zeigen eine unverkennbare Neugier, allerdings wenig Lust, sich dem mühevollen Prozess der Aneignung von Lehrinhalten auszusetzen: Sie wollen wissen, aber nicht lernen.

Schließlich betrachtet der Film die Konflikte, sie sich aus der Rollenverteilung zwischen Schülern und Lehrer ergeben. Je weiter das Trimester voranschreitet, desto mehr wird der Unterricht zu einem unerträglichen Machtkampf und Nervenkrieg, vor allem für den Lehrer. Es entsteht ein permanentes Gegeneinander, auch innerhalb der Klasse, bei dem der Lehrer der einzige ist, der sich mit niemandem verbrüdern kann. Dass das so eindringlich wird, liegt auch an dem geschickten formalen Ansatz von Die Klasse, der das zentrale Problem des Bildungssystems aufgreift: Alles in diesem Film spielt sich in der Schule ab, als gäbe es kein Leben außerhalb der Mauern, auf die der französische Originaltitel verweist. Zugleich ist für all diese Konflikte im Klassenzimmer niemand verantwortlich. Der Film benennt keine Schuldigen und bietet auch keine Lösung an – weil es diese Lösung nicht gibt, jedenfalls nicht innerhalb des Klassenzimmers.

Bestes Zitat:

„Unser Job ist es nicht, dafür zu sorgen, dass ein Schüler hinten sitzt und keinen Krawall macht. Wir müssen diese Kinder fordern.“

Der Trailer zum Film.

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