Draufgeschaut: Die Könige der Nutzholzgewinnung


Film Die Könige der Nutzholzgewinnung

Krischan (Bjarne Mädel) plant eine Meisterschaft der Holzfäller.

Krischan (Bjarne Mädel) plant eine Meisterschaft der Holzfäller.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2006
Spielzeit 94 Minuten
Regie Matthias Keilich
Hauptdarsteller Bjarne Mädel, Frank Auerbach, Christina Große, Steven Merting, Barbara Philipp, Peter Sodann
Bewertung

Worum geht’s?

Nach zwölf Jahren kommt Krischan wieder in sein altes Heimatdorf im Harz. Die Wiedersehensfreude dort hält sich in Grenzen, denn was er zurückgelassen hat, sind Schulden, eine enttäuschte Geliebte und – wie er jetzt erst erfährt – einen Sohn. Entsprechend schwierig ist es, die alten Nachbarn für seine neuste Idee zu begeistern: Er will einen Holzfällerwettbewerb organisieren, nach kanadischem Vorbild. Krischan hat zwar kein Startkapital, aber jede Menge Enthusiasmus, und so kann er zumindest seine alten Arbeitskollegen aus DDR-Zeiten motivieren, wieder zur Motorsäge zu greifen und ihn zu unterstützen.

Das sagt shitesite:

„Elend“ ist zwar der Name eines Dorfs ein paar Kilometer weiter, aber er würde auch für diesen Ort passen. Als Krischan nach Hause kommt, trifft er nicht nur auf viele (im doppelten Sinne) offene Rechnungen, sondern auch auf eine Dorfgemeinschaft, die tot ist. Seine beiden Freunde Ronnie und Bert sind nur die extremsten Beispiele für die Depression, den Fatalismus und die Resignation, die sich nach jahrelanger Arbeitslosigkeit hier breit gemacht haben.

Die Könige der Nutzholzgewinnung, der erste Film von Regisseur Matthias Keilich, ist deshalb nicht nur ein Film über die Provinz, sondern vor allem eine (durchaus politisch engagierte) Betrachtung über die Frage, wie Arbeit dem Menschen einen Wert verleiht und wie das Fehlen von Jobs ihnen umgekehrt die Würde nehmen kann. Dass es dabei ausgerechnet um eine ehrliche, körperliche Arbeit wie Holzfällen geht, passt zu dieser Botschaft: Immer wieder gibt es hier schöne Landschaftsaufnahmen aus dem Harz, in denen die Natur als ein Ort gezeigt wird, in dem jeder sein gerechtes Auskommen findet.

Krischan wirkt zunächst wie ein Schmarotzer auf der Suche nach Geld, Sex und Ablenkung. Aber wonach er eigentlich sucht, ist: ein Leben, ein Zuhause. Er prahlt mit Abenteuern, die er in Kanada erlebt hat, und macht damit die Daheimgebliebenen zunächst neidisch. Nach und nach erkennen sie aber: Auch Krischan kann nur auf eine Berufslaufbahn voller Misserfolge und Demütigungen zurückblicken.

Das einzige, was diesen Traumtänzer und Luftikus von den Menschen im Dorf unterscheidet (auch von Ronnie und Bert, mit denen er in der DDR noch als Holzfäller gearbeitet hat und die in Die Könige der Nutzholzgewinnung leider manchmal etwas arg klischeehaft rüberkommen, so dass es fast wirkt, als wolle der Film ihre Lethargie vorführen), ist sein unerschütterlicher Optimismus. „2000 Zuschauer, 10 Euro Eintritt, das macht 200.000 Euro. Ist fast ’ne halbe Million“, lautet beispielsweise seine bestechend großzügige Kalkulation für die „1. Harzer Waldmeisterschaft“, die ihm dann um ein Haar in die nächste Katastrophe schlittern lässt. Doch der unbezwingbare Glaube an sich selbst reicht manchmal schon für einen (zumindest kleinen, vorübergehenden) Triumph: Die Könige der Nutzholzgewinnung macht aus diesem Gedanken eine Sozialkomödie mit der Dramaturgie eines Sportfilms.

Bestes Zitat:

„Nicht meckern, klotzen.“

Der Trailer zum Film.

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