Draufgeschaut: Die Treulosen


Film Die Treulosen

Marianne (Lena Endre) und David (Krister Henriksson) beginnen eine Affäre.

Marianne (Lena Endre) und David (Krister Henriksson) beginnen eine Affäre.

Produktionsland Schweden
Jahr 1999
Spielzeit 147 Minuten
Regie Liv Ullmann
Hauptdarsteller Lena Endre, Erland Josephson, Krister Henriksson, Thomas Hanzon
Bewertung

Worum geht’s?

Die Schauspielerin Marianne ist glücklich verheiratet mit Markus, einem Dirigenten, der gerade dabei ist, international Karriere zu machen. Ein guter Freund der Familie ist David, und als der wieder einmal in einer Sinnkrise steckt, lädt Marianne ihn ein, über Nacht zu bleiben. Markus ist gerade auf einer Tournee, und die langjährigen Freunde und Arbeitskollegen Marianne und David sind selbst überrascht, als sie in dieser Situation plötzlich eine sexuelle Spannung empfinden. Es beginnt eine Affäre, von der Markus offenbar nichts mitbekommt, unter der Mariannes Tochter aber umso mehr leidet.

Das sagt shitesite:

„Keine Form eines üblichen Fehlschlags, weder Krankheit noch Verfall und auch nicht geschäftliches Unglück bewirkt ein so grausames und tiefes Echo in unserem Unterbewusstsein wie eine Scheidung.“ Diesen Satz von Botho Strauß stellt Regisseurin Liv Ullmann, die hier ein Drehbuch von Ingmar Bergman verfilmt, an den Beginn von Die Treulosen. Es ist ein wichtiger Fingerzeig für die folgenden knapp zweieinhalb Stunden. Denn das Ehedrama will zum einen dem Konflikt seines Plots, den Figuren und Sehnsüchten absolut auf den Grund gehen. Zum anderen neigt Die Treulosen leider zu einer unangenehmen Schwatzhaftigkeit und ist in vielerlei Hinsicht überkandidelt.

Das betrifft vor allem die Rahmenhandlung des Films: Am Beginn sehen wir einen alten Autor, der untätig an seinem Schreibtisch sitzt. Er fantasiert sich dann die Figur der Marianne herbei, die alsbald ins Zimmer tritt und ihrerseits eine Geschichte erfindet, nämlich das Drama ihrer Affäre mit David. Immer wieder erscheint zwischendurch diese Szenerie, Realität und Fiktion verschwimmen, was allerdings nichts daran ändert, dass die Idee der in Marianne verkörperten Muse plump bleibt, ebenso wie die Sehnsucht nach Fantasie, Schöpfung, Kunst, die nicht nur den alternden Autor heimsucht, sondern ganz offensichtlich auch die Motivation des Seitensprungs von Marianne sein soll: Es ist die Suche nach dem anderen Ich, das vielleicht auch möglich gewesen wäre.

Der Autor blättert durch die Souvenirs seines Lebens wie Fotos, Briefe und kleine Geschenke, sie werden zu Fixpunkten in Mariannes Geschichte und sie sorgen zudem dafür, dass der Plot immer weiter verschachtelt wird. Er schaut Marianne die ganze Zeit wie fassungslos an, als würde sie die unglaublichste Geschichte der Welt erzählen, von deren Ausgang sein Leben abhängt. Und er macht deutlich, dass Verlust, Schmerzen und Leid längst nicht immer erträglicher werden, bloß weil man sie in die Form eines Kunstwerks bringt. Dazu bietet Die Treulosen ein paar Schmankerl für das bildungsbürgerliche Publikum: Der Film bewegt sich in der Welt des Theaters, der klassischen Konzerte und der Menschen, die durchweg leiden, ohne dass man wüsste, woran und warum. Neben etlichen Längen ist es diese selbstmitleidige Atmosphäre, die das Werk so anstrengend macht.

Marianne verzehrt sich, ebenso wie David, nach Inspiration, nach Drama, nach großen Gefühlen, und sie meinen beides in ihrer Affäre zu finden. Doch als die Beziehung dann wirklich dramatisch wird, als Die Treulosen verspricht, eine emotionale Achterbahnfahrt zu werden, schrecken sie zurück. Sie sehnen sich nach einer Tragödie, aber sie sind auch im durchaus erwachsenen Alter zu unreif, um die Konsequenzen zu tragen. So gibt es in dieser Dreiecksgeschichte lauter Menschen, die sich gegenseitig ihr Glück zerstören – und zwar sehenden Auges.

Bestes Zitat:

“Es wäre fatal, wenn wir alles, was wir tun, als gutes oder schlechtes Theater klassifizieren.“

Der Trailer zum Film:

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