Die Zeit, die bleibt


Film Die Zeit, die bleibt

Romain (Melvil Poupaud) weiß, dass er bald sterben muss.

Romain (Melvil Poupaud) weiß, dass er bald sterben muss.

Produktionsland Frankreich
Jahr 2005
Spielzeit 81 Minuten
Regie François Ozon
Hauptdarsteller Melvil Poupaud, Jeanne Moreau, Christian Sengewald, Daniel Duval, Marie Rivière, Valeria Bruni-Tedeschi
Bewertung

Worum geht’s?

Romain ist 31 Jahre alt, gut aussehend und lebt als erfolgreicher Modefotograf in Paris. Als er bei einem Shooting kollabiert und sich daraufhin untersuchen lässt, ist die Diagnose ein Schock: In ihm sitzt ein Tumor, der bereits mehrere Organe angegriffen hat. Die Aussichten auf Heilung sind so gering, dass sich Romain gegen eine Behandlung entscheidet und stattdessen lieber die Zeit nutzt, die ihm bis zu seinem Tod noch bleibt. Wenn es gut läuft, ist das noch ein Jahr, im schlimmsten Fall nur noch ein Monat.

Das sagt shitesite:

Als zweiten Teil seiner Trilogie über die Trauer (nach Unter dem Sand) hat François Ozon diesen Film konzipiert. Dabei ist so etwas wie Trauer in Die Zeit, die bleibt zunächst scheinbar gar nicht existent. Romain erzählt praktisch niemandem von seiner Krankheit, sodass niemand aus seinem Umfeld um ihn trauern kann. Und er verlangt auch von sich selbst, die Fassung zu wahren und sich möglichst nichts anmerken zu lassen, statt sich in Selbstmitleid zu ergehen.

Doch je schwieriger es wird, die Krankheit zu verbergen, desto dringender sucht er eine Möglichkeit, sein Herz auszuschütten, Trost zu finden und um Verzeihung zu bitten. Diese Sehnsucht kollidiert schmerzhaft mit dem Anspruch, niemandem zur Last zu fallen, und mit Romains Eitelkeit, die es ihm verbietet, sich als Sterbender zu zeigen, der er nun einmal ist.

Ozon setzt das famos in Szene, vor allem, weil er in erster Linie die Bilder sprechen lässt. Die letzten zehn Minuten von Die Zeit, die bleibt kommen ohne ein einziges Wort aus, und auch zuvor ist es vor allem das Gesicht von Hauptdarsteller Melvil Poupaud, das all die Sentimentalität und all den Tiefgang dieses Films einfängt. Romain schwankt dabei ständig zwischen buddhistischer Gelassenheit und marternder Verzweiflung.

Inmitten dieser Einsamkeit muss er erkennen, dass es in seinem Leben als Erwachsener kaum etwas gibt, was er genießen kann. Ein paar Fotos, die er noch schießt, sollen wohl das dokumentieren, was für ihn das Leben ausmacht, aber es sind banale Motive, die er wählt, lieblose Schnappschüsse. Romain ahnt, dass er nichts zurücklassen wird, das etwas über ihn aussagt. Auch der Versuch, sich in der Schwulenszene noch ein paar Kicks zu holen oder sich als Leihvater anzubieten, ändern nichts daran, dass Romain ein Egoist bleibt, sogar im Sterben.

Immer wieder erlebt er in Die Zeit, die bleibt Flashbacks in seine Kindheit. Als er in den Spiegel blickt, sieht er in einer Szene sich selbst als kleinen Jungen – und er weiß genau, dass dieser Junge sich niemals freiwillig in sein Todesurteil ergeben hätte. Was ist seitdem passiert? Wo ist all die Unbeschwertheit geblieben, die Neugier, die Zuversicht, nicht zuletzt die selbstverständliche Harmonie mit seiner Schwester? Das sind die Fragen, die Romain bald ebenso martern wie die Schmerzen durch den Tumor. Die Zeit, die bleibt zeigt damit vor allem, wie schnell wir alle unsere Träume begraben. Und wie leicht man den Punkt erreicht (und übersieht), an dem man sich nichts mehr vom Leben erwartet.

Bestes Zitat:

“Ich bin nicht jemand, der nett ist.”

Szenen aus dem Film:

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