Draufgeschaut: Fessle mich!


Film Fessle mich!

Ricky (Antonio Banderas) hält Marina (Victoria Abril) als Geisel.

Ricky (Antonio Banderas) hält Marina (Victoria Abril) als Geisel.

Produktionsland Spanien
Jahr 1990
Spielzeit 111 Minuten
Regie Pedro Almodóvar
Hauptdarsteller Victoria Abril, Antonio Banderas, Loles León, Paco Rabal
Bewertung

Worum geht’s?

Als der 23-jährige Ricky per richterlichem Beschluss aus der geschlossenen Psychiatrie entlassen wird, bekundet er, jetzt ein ganz normales Leben führen zu wollen, mit Frau und Familie. Für den Weg dahin hat er aber ganz spezielle Vorstellungen: Er stellt der Schauspielerin Marina nach, kidnappt sie am letzten Drehtag ihres neuen Films und hält sie dann in ihrer eigenen Wohnung gefangen. „Ich bin ganz sicher, dass du mich lieben wirst, so wie ich dich liebe“, erklärt er ihr – und bis sie das eingesehen hat, soll sie seine Gefangene bleiben. Zwischen den beiden entwickelt sich eine explosive Beziehung, in der Marina zwischen Wut, Verzweiflung und Verständnis schwankt. Währenddessen versucht alle Welt – allen voran Regisseur Máximo, der nach einem Schlaganfall zwar im Rollstuhl sitzt, sich aber an den Pornos nicht satt sehen kann, die Marina früher gedreht hat – Marina zu finden.

Das sagt shitesite:

Aus Angst wird Zuneigung, aus Abscheu wird Einvernehmen – Fessle mich! ist eine halbwegs originelle Variation des Stockholm-Syndroms. In den USA hat das heftige Kontroversen ausgelöst, nicht nur wegen der sadomasochistischen Konnotation, sondern auch wegen expliziter Szenen wie Marinas Versuch, sich in der Badewanne von einem U-Boot-Vibrator befriedigen zu lassen.

Es gibt viele derart groteske Szenen in Fessle mich!, die belegen, dass Almodóvar hier auch seine Lust auf Trash auslebt. Der Film, für den Marina gerade vor der Kamera stand, ist ein reichlich durchgeknallter B-Movie, in ihrer Wohnung hängt ein Filmplakat von Invasion der Körperfresser, im Fernsehen ist kurz der Beginn von Die Nacht der lebenden Toten zu sehen. Dass sie früher Pornos gedreht hat und über die gesamte Länge des Films probiert, ihre Zahnschmerzen mit Heroin zu besiegen, sind weitere Belege für die schelmische Freude, mit der hier dem Abseitigen gehuldigt wird.

Im Kern ist Fessle mich! allerdings tatsächlich eine Liebesgeschichte, wenn auch eine arg derangierte. Der entscheidende Faktor dabei ist die Naivität von Ricky, die nicht nur für einige komische Momente sorgt. Dass er selber an den Plan glaubt, seine Geisel als Liebe seines Lebens gewinnen zu können, dass ihm die Ungehörigkeit seines Manövers in keinem Moment bewusst scheint, trägt auch dazu bei, dass dieser Film zumindest weitgehend die nötige Balance aus Komödie und Melodram, Romantik und Zynismus findet.

Bestes Zitat:

„Ich dachte, das solle ein Film über die Liebe werden, kein Horrorfilm. – Wo ist da der Unterschied?“

Der Trailer zum Film:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.