Draufgeschaut: Folgeschäden


Maya (Silke Bodenbender) weiß nicht mehr, ob sie ihrem Mann Tariq (Mehdi Nebbou) trauen kann.

Maya (Silke Bodenbender) weiß nicht mehr, ob sie ihrem Mann Tariq (Mehdi Nebbou) trauen kann.

Film Folgeschäden
Produktionsland Deutschland
Jahr 2005
Spielzeit 88 Minuten
Regie Samir Nasr
Hauptdarsteller Silke Bodenbender, Mehdi Nebbou, Jürgen Hentsch, Bernd Stegemann, Mahmoud Alame
Bewertung ***

Worum geht’s?

Eine schöne Frau, ein aufgeweckter Sohn, eine Karriere als Biologe, die immer besser in Schwung kommt: Tariq hätte allen Grund, zufrieden zu sein mit seinem Leben. Aber weil er aus Algerien kommt und Moslem ist, wird er ständig mit der Terror- und Islamismus-Debatte konfrontiert. Zunächst er er nur genervt, doch als ihn auch noch das Bundeskriminalamt ins Visier nimmt, wird der Alltag in Deutschland für Tariq fast unerträglich. Auch seine Familie steht bald vor der Herausforderung, mit der Gängelung umzugehen. Oder steckt in Tariq wirklich ein Schläfer?

Das sagt shitesite:

Zu Beginn ist Folgeschäden fast erschreckend rasant: Blitzschnell sind die Koordinaten abgesteckt, die Figuren umrissen, die Probleme auf dem Tisch. Danach nimmt sich der Film erfreulicherweise etwas mehr Zeit für eine durchaus spannende Thematik. Neben dem geschickten Kniff, Tariq eher als weltlich gesinnten Wissenschaftler denn als frommen Moslem zu porträtieren, überzeugt Folgeschäden vor allem, wenn Tariqs Familie mit kurzen Momenten der Harmonie gegen die allgegenwärtige Hysterie anzukämpfen versucht.

Auch die Steigerung von Schweigen über Misstrauen bis hin zu Paranoia, die sich hier in ganz vielen Mikrokosmen abspielt und der sich schließlich auch Tariqs Ehefrau Maya ausgesetzt sieht, ist geschickt und glaubwürdig inszeniert. Trotzdem kann sich Folgeschäden einem entscheidenden Problem nicht entziehen: Der Film muss Stellung beziehen, und er tut das von Anfang an. Das kostet nicht nur Objektivität, sondern auch emotionales Potenzial – und führt zu einem etwas schulmeisterlichen Duktus, der auf Dauer stört.

Bestes Zitat:

“Maya, hör auf, mir hinterherzuschnüffeln! – Damit ich nicht rausfinde, dass unser ganzes Leben nur ein Vorwand war? Eine einzige große Lüge?”

Regisseur Samir Nasr im Interview:

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