Draufgeschaut: Goethe!


Der junge Goethe (Alexander Fehling) hat sich in Charlotte Buff (Miriam Stein) verliebt.

Der junge Goethe (Alexander Fehling) hat sich in Charlotte Buff (Miriam Stein) verliebt.

Film Goethe!
Produktionsland Deutschland
Jahr 2010
Spielzeit 100 Minuten
Regie Philipp Stölzl
Hauptdarsteller Alexander Fehling, Miriam Stein, Moritz Bleibtreu, Volker Bruch, Burghart Klaussner, Henry Hübchen, Axel Milberg
Bewertung

Worum geht’s?

Straßburg, 1772: Der junge Johann Goethe träumt von einem Leben als Dichter, doch für sein Drama Götz von Berlechingen kann sich kein Verleger begeistern. Auch seine Gedichte werden als weibische Schwärmerei abgetan – vor allem von Goethes Vater, der den Junior zu einer Karriere als Jurist drängen will. Auf dessen Weisung hin zieht Goethe nach Wetzlar, um dort am Reichskammergericht zu arbeiten. Er verliebt sich in die freche Charlotte, die ein Herz für Poesie hat und den jungen Goethe durchaus charmant findet. Doch Charlotte soll Albert Kästner heiraten, der nicht nur eine gute Partie ist und damit Charlottes Familie vor dem Ruin retten könnte, sondern auch Goethes Vorgesetzter am Gericht. Gerade, als Goethe und Kästner beginnen, sich anzufreunden, wird ihnen klar, dass sie Nebenbuhler sind. Ein Duell ist nicht die einzige Folge dieses Konflikts.

Das sagt shitesite:

An den biografischen Eckpunkten des echten Goethe orientiert sich dieser Film nur lose, Fans des Großdichters werden sich womöglich auch daran stoßen, dass es in Goethe! vergleichsweise wahllose und meist wenig subtile Anspielungen auf Werke wie den Faust oder die Wahlverwandtschaften gibt. Auch in den Dialogen tauchen, zwischen moderner Alltagssprache, gelegentlich Goethe-Zitate auf – das macht deutlich, dass sich Regisseur Philipp Stölzl hier ganz explizit an Vorbildern wie Shakespeare In Love orientiert hat.

Die Modernisierung von Goethes Werk gelingt leidlich, deutlich überzeugender schafft es Goethe!, aus seiner Titelfigur einen tatsächlich jungen (im Sinne von: aktuellen, zeitgemäßen) Helden zu machen. Dieser Goethe ist die personifizierte Leidenschaft. Die Liebe kann in diesem Film nicht anders zuschlagen denn als Naturgewalt, und Goethe verfällt ihr mit Haut und Haar. Er lebt im Modus des Sehnens und er akzeptiert keine Instanz, die sich diesem Gefühl in den Weg stellen würde. Mit der Figur des Kästner, den Moritz Bleibtreu als wunderbar biedere Krämerseele gibt, trifft er auf einen Gegenpart, der genau solche Instanzen verkörpert. Eltern, Klassen, Geschlechterrollen – all das wird zum Hindernis für die Liebe, nicht nur für Goethe, sondern noch mehr für Charlotte. Die Intensität ihrer Zuneigung und die Lust, mit der das Paar sein Schwärmen auslebt, kann gar nicht übertrieben wirken, sondern erscheint als plausible Reaktion auf eine sie umgebende Welt voller Strenge und Kälte.

Das ist der Stoff für ein klassisches Drama und damit eine durchaus geschickte Konstellation angesichts des Sujets. Es sorgt freilich auch dafür, dass Goethe! erst sehr lange nicht zum Punkt kommt und dann – neben einem Hang zum Launigen und Gefälligen – schnell vorhersehbar wird. Auch Hauptdarsteller Alexander Fehling, der bis dahin durchaus zu gefallen weiß, geht am Ende etwas die Luft aus. Wenn seine Figur im Gefängnis Die Leiden des jungen Werther niederschreibt, dann nimmt man ihm die existenzielle Qual bei weitem nicht so gut ab wie das Bekenntnis zu Sturm und Drang zuvor.

Dafür hat der Film eine andere, überraschende Stärke: Goethe ist hier so weit entfernt vom Dichterfürsten, Lebemann, Strippenzieher und Weiberheld, als den wir ihn heute in Erinnerung haben, dass man das (ohnehin seltsame) Ausrufezeichen am Ende des Filmtitels eigentlich in ein Fragezeichen umwandeln müsste. Der 23-jährige Goethe ist ein Zauderer, unsicher und an seinem Talent zweifelnd. Er hat zu Beginn des Films keinen Erfolg als Dichter, im Studium und bei den Frauen, und er bleibt auch im weiteren Verlauf eine Figur, die den Anstoß von außen braucht, um Großes zu wagen. Es ist schließlich die Kraft der Liebe, die ihn zu einem bedeutenden literarischen Werk animiert, und die Kraft der Dichtung, die ihm die Anerkennung verschafft, auf die er kaum mehr zu hoffen wagte.

Bestes Zitat:

„Der Hang zum Gefühl ist ein Virus, der die Jugend derzeit in allen Landen infiziert. Der Verstand ist im Rückzug, die alten Tugenden verblassen.“

Der Trailer zum Film:

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