Gomorrha


Film Gomorrha – Reise ins Land der Camorra

Marco (Marco Macor, links) und Ciro (Ciro Petrone) wollen der Mafia ihren Mut beweisen.

Marco (Marco Macor, links) und Ciro (Ciro Petrone) wollen der Mafia ihren Mut beweisen.

Produktionsland Italien
Jahr 2008
Spielzeit 135 Minuten
Regie Matteo Garrone
Hauptdarsteller Salvatore Abruzzese, Salvatore Ruocco, Gianfelice Imparato, Maria Nazionale, Toni Servillo
Bewertung

Worum geht’s?

Neapel ist fest in der Hand der Camorra. Alle müssen sich irgendwie damit arrangieren. Der Junge Totò giert nach Anerkennung durch die älteren Jungs. Der Geldbote Don Ciro versucht, seinen Job für die Mafia mit etwas Anstand zu füllen. Die halbstarken Marco und Ciro träumen davon, selbst einmal mächtige Bosse zu werden und wollen mit allerlei Streichen ihren Mut beweisen. Als ein Krieg zwischen verfeindeten Clans beginnt, müssen sie alle sich entscheiden, auf welcher Seite sie stehen.

Das sagt shitesite:

Ein faszinierender, eindrücklicher Film wird Gomorrha vor allem dann, wenn man die Buchvorlage von Roberto Saviano kennt. Wo er in seinem Sachbuch einen riesigen Faktenberg zusammenträgt, Orte und Namen benennt, bleibt der Film im Ungefähren (bis hin zu der Tatsache, dass nicht richtig klar wird, woran sich der Krieg der Clans eigentlich entzündet). Er übernimmt zwar viele der Themen von illegaler Müllentsorgung über Drogenhandel bis hin zur Markenpiraterie und zeigt damit die Allgegenwärtigkeit und Geschäftstüchtigkeit der Mafia. Er klagt aber nicht an, sondern zeigt bloß auf.

Gomorrha ist nicht dokumentarisch, sondern unverkennbar Fiktion, und verliert damit alles an Empörungspotenzial, was in Savianos Buch steckt. Dafür gewinnt der Film aber Atmosphäre, und er schafft es, seine Geschichte als pars pro toto zu erzählen und so die Funktionsweisen der Mafia ebenso aufzuzeigen wie das Buch es getan hat.

Gomorrha spielt in einem Milieu, in dem jeder jeden kennt. Jeder weiß, wie die Reviere abgesteckt sind, wie die Hierarchien aussehen und wen er wofür um Erlaubnis fragen muss. Kriminalität ist nicht nur selbstverständlich, sondern meist die einzige Möglichkeit zum sozialen Aufstieg. So werden alle unwillkürlich zum Teil des Netzes, das nur deshalb funktionieren kann, weil es Armeen von Handlangern gibt. Die Polizei müsste hier ganze Stadtteile verhaften, um der organisierten Kriminalität Herr zu werden.

Es sind gerade diese Mechanismen, die Gomorrha noch besser vor Augen führt als das Buch. Und vor dem Hintergrund ein paar unbeschwerter Momente und  besorgter Mütter als einzigen Vertretern von so etwas wie Moral wirkt natürlich auch die schockierende Brutalität der Camorra noch abstoßender, als wenn Saviano bloß aus Polizeiprotokollen zitiert. Jeder weiß genau, wie viel eine Pistolenkugel und wie wenig ein Menschenleben in diesen Vierteln wert ist. Gomorrha ist nicht resigniert, aber der Film zeigt noch besser als das Buch den Druck, sich zu arrangieren.

Bestes Zitat:

“Du brauchst nicht nachzudenken. Wir entscheiden. Überlass das Denken ganz einfach uns.”

Der Trailer zum Film:

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