Draufgeschaut: Hear My Train A Comin‘


Film Jimi Hendrix – Hear My Train A Comin‘

Hear My Train A Comin' Jimi Hendrix Doku Rezension Kritik

Auf das Leben von Jimi Hendrix blickt die Dokumentation zurück.

Produktionsland USA
Jahr 2013
Spielzeit 90 Minuten
Regie Bob Smeaton
Hauptdarsteller Jimi Hendrix
Bewertung

Worum geht’s?

Die Dokumentation blickt auf das Leben von Jimi Hendrix zurück, von seiner Kindheit in Seattle über die Zeit als Fallschirmspringer bei der US-Army und die ersten Gehversuche als Begleitmusiker bis zu seinem Durchbruch in England und dann auch in den USA. Neben Konzertmitschnitten und Interviews mit dem Gitarristen sind viele Statements seiner Wegbegleiter zu sehen, die auf Werk und Wirkung von Jimi Hendrix zurückblicken. Der Film enthält auch erst kurz zuvor entdecktes Filmmaterial von Hendrix beim Miami Pop Festival, weitere bisher unbekannte Konzertszenen und Amateurfilme, die Hendrix selbst in seiner Wohnung in New York gedreht hat.

Das sagt shitesite:

Die vielleicht größte Stärke von Hear My Train A Comin‘: Regisseur Bob Smeaton lässt Zeitzeugen zu Wort kommen statt Nachgeborene. So schafft es der Film, das Phänomen Jimi Hendrix sehr lebendig wirken zu lassen, die faszinierende Wirkung seines Gitarrespiels, seiner Live-Auftritte und seiner Platten mit der Unmittelbarkeit und dem Überraschungseffekt nachzuzeichnen, die sie damals hatten. Die Gesprächspartner zeichnen sich dabei zum einen durch große Nähe zum berühmtesten Gitarristen der Welt aus. Etwa Mitch Mitchell und Noel Redding, seine Mitstreiter bei The Jimi Hendrix Experience, kommen zu Wort, ebenso wie Vater und Cousin von Jimi Hendrix, sein Entdecker Chas Chandler, damals noch Bassist bei den Animals, der Boss seiner früheren Plattenfirma und einige seiner Freundinnen. Zum anderen haben die Interviewpartner erstaunliche Prominenz, auch wenn man sie nicht unbedingt in einer Hendrix-Dokumentation erwartet hätte. So geben etwa Paul McCartney, Steve Winwood oder Billy Gibbons (ZZ Top) ihre Sicht auf den Gitarrenmeister zu Protokoll.

Somit entsteht ein Porträt, das in erster Linie eine Huldigung ist. Hear My Train A Comin‘ bedient, zu großen Teilen sicherlich faktengetreu, auf beinahe klassische Weise das Narrativ des Genies: Jimi Hendrix vereint demnach großes Talent und großen Fleiß. Er lernt sein Handwerk von der Pieke auf, scheint aber zugleich einer Vorsehung zu folgen, die ihn als virtuosen Ausnahmekünstler definiert. Gleich mehrere der Interviewpartner erzählen davon, dass Jimi Hendrix praktisch immer eine Gitarre in der Hand hatte und wie besessen übte – es ist diese totale Hingabe an die Musik, die als wichtigste Erkenntnis dieses Films hängen bleibt.

Diesem Hang zum Perfektionismus stand auf der anderen Seite ein Charakter gegenüber, der hier immer wieder als erstaunlich schüchtern, bescheiden und freundlich geschildert wird. Gerade wegen dieses Gegensatzes zeigt Hear My Train A Comin‘ auch, dass der Erfolg von Jimi Hendrix bei aller künstlerischen Qualität das Ergebnis gekonnten Marketings war. Welche Rolle sein Outfit, die Gimmicks seiner Liveshow und nicht zuletzt die Herkunft aus der Heimat des Blues bei seinem Durchbruch in London gespielt haben, wird hier noch klarer als Beispielsweise in der Quasi-Autobiographie Starting At Zero. Hendrix war ein begnadeter Musiker, aber er war auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Was Regisseur Bob Smeaton, der zuvor neben Dokumentationen über Nirvana, die Doors oder Elton John auch schon die beiden Hendrix-Filme Band Of Gypsys und Voodoo Child gedreht hatte, allerdings beinahe völlig ausblendet, sind die Schattenseiten dieser Karriere. Die Eskapaden mit Frauen werden nur am Rande erlebt, das Drogenproblem des Musikers wird ebenso in der Kategorie „das gehört halt dazu“ eingeordnet. Vielleicht liegt das auch daran, dass Hear My Train A Comin‘ einen ganz eigenen Erklärungsansatz für den frühen Tod des Musikers liefert: Jimi Hendrix war immer ein Innovator – diese Rolle weiter ausfüllen zu können, wurde angesichts des Erfolgsdrucks, der Erwartungshaltung und der schon erreichten Ziele jedoch zunehmend schwieriger, was dem Künstler vielleicht viel mehr zu schaffen machte als der Effekt der Drogen.

Bestes Zitat:

Es stammt von Rolling Stone-Journalist David Fricke: „Er erreichte die Leute in dem Glauben, dass die Gitarre dich an einen Ort bringen kann, an dem du noch nie gewesen bist. Und am Ende glaubst du es selbst.“

Der Trailer zum Film.

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