Hitler – Aufstieg des Bösen


Film Hitler – Aufstieg des Bösen

Hass ist die Triebkraft für den Aufstieg von Adolf Hitler (Robert Carlyle).

Hass ist die Triebkraft für den Aufstieg von Adolf Hitler (Robert Carlyle).

Produktionsland Kanada, USA
Jahr 2003
Spielzeit 180 Minuten
Regie Christian Duguay
Hauptdarsteller Robert Carlyle, Jena Malone, Julianna Margulies, Matthew Modine, Liev Schreiber, Peter Stormare, Friedrich von Thun, Peter O’Toole, Zoe Telford, Justin Salinger, Chris Larkin, James Babson
Bewertung

Worum geht’s?

Der Film erzählt die Lebensgeschichte Adolf Hitlers, von der Kindheit in Linz über seine Gehversuche als Maler in Wien, die Erfahrungen an der Front im Ersten Weltkrieg, seinen Aufstieg innerhalb der NSDAP, die Ernennung zum Kanzler bis zum Tod Hindenburgs im August 1934, als Hitler zusätzlich auch das Amt des Reichspräsidenten übernahm. Beleuchtet werden dabei sowohl sein politisches Agieren als auch seine persönlichen Lebensumstände.

Das sagt shitesite:

„Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun.“ Dieses Zitat von Edmund Burke steht am Anfang und am Ende von Hitler – Aufstieg des Bösen, und es fasst die zentrale Botschaft des Films zusammen. Passivität, Wegschauen, Ausflüchtesuchen – diese Reaktionen geißelt der Film immer wieder, am deutlichsten personifiziert in der Figur des Münchner Journalisten Fritz Gerlich, der gegen Hitler anschreibt, aber auf verlorenem Posten steht. Dieser Appell wirkt hier auch deshalb so eindrucksvoll, weil Hitler – Aufstieg des Bösen immer wieder auf Momente verweist, in denen der spätere Diktator hätte gestoppt werden können.

Zu den großen Stärken dieser TV-Produktion gehört, dass der Film von diesem moralischen Anspruch niemals abweicht und dennoch die Vielschichtigkeit des Geschehens berücksichtigt. Es gibt reichlich Figuren, die sich hier von Hitler um den Finger wickeln lassen, aber keine davon (mit Ausnahme von Ludendorff, der sich für den Putschversuch 1923 instrumentalisieren lässt) erscheint naiv oder tölpelhaft. Stattdessen hat Hitler – Aufstieg des Bösen die Mentalitäten, Ressentiments und Machtverhältnisse der Zeit im Blick, gepaart mit der manipulativen Kraft Hitlers.

Der Film ist, was den Ablauf der Ereignisse angeht, historisch erstaunlich korrekt (ursprünglich war Hitler-Biograf Ian Kershaw in die Produktion eingebunden), legt den Fokus aber deutlich auf die Persönlichkeit des „Führers“. Hitler, menschlich gesehen – dieser Titel eines Lieds von Bernd Begemann hätte durchaus auch für diesen Film gepasst. Dabei nimmt sich der Film beim Blick auf das Privatleben deutlich mehr Freiheiten als beim politischen Geschehen: Der Hass auf den Vater, die beschämende Herkunft, das schwierige Zusammenleben mit den Kameraden an der Front, die quasi-inzestuöse Beziehung zu seiner Nichte Geli Raubal – all dies wird mit einiger kreativer Fantasie erzählt.

Hitler wird gezeichnet als ein Mann, dessen Radikalisierung in erster Linie aus Angst, Armut und fehlender Anerkennung erfolgt. Er hatte lange Zeit keine eigene politische Idee, sondern sieht nur Feinde, Verschwörungen und Sündenböcke. Es gab, bevor die NSDAP seine politische Heimat wird, nichts, wofür er steht, sondern nur Dinge, gegen die er sich wendet.

Passend dazu speist sich seine Tapferkeit als Soldat zu einem guten Teil aus der Tatsache, dass er ohnehin keinen Lebensinhalt hat und deshalb erst recht todesmutig kämpfen kann. Das Chaos nach dem Krieg wird zum Nährboden für seinen Aufstieg: So gedemütigt, wie Hitler sich schon als verschmähter Künstler in Wien gefühlt hatte, fühlte sich jetzt ein großer Teil der Deutschen. Hitler nutzt dieses moralische und politische Vakuum nach 1918, indem er Hass, Patriotismus und Masse kombiniert, und er erkennt, wann zum Fanatismus auch die Provokation kommen muss, das Gespür für die gekonnte Pose und den richtigen Auftritt.

Hitler – Aufstieg des Bösen hat durchaus ein paar Schwächen: Das insgesamt sehr überzeugende Spiel von Hauptdarsteller Robert Carlyle ist in einigen Szenen etwas holzschnittartig, auch der wiederholte Verweis auf deutsches Kulturgut (vor allem Wagner), das erstaunlicherweise nicht als Gegenpol zur Barbarei taugt, sondern für Hitler sogar zu deren Triebfeder wird, wirkt letztlich etwas penetrant und unnötig. Schließlich scheitert der Film auch daran, trotz seiner Anspielungen auf eine gestörte Psyche und die zahlreichen Belege für eine Biografie voller Niederlagen, den Fanatismus und vor allem den Antisemitismus Hitlers plausibel zu erklären.

Erfreulicherweise tappt der Film aber nicht in die Falle, Hitler als armen Irren zu porträtieren. Er tritt hier auf mit Hass in den Augen, Schaum vor dem Mund, mit beinahe spasmischer Gestik – aber er wird nie zum Opfer seiner eigenen Psyche. Zur unbeherrschten Leidenschaft kommt immer die eiskalte Berechnung. Er bleibt Täter, er intrigiert, instrumentalisiert und manipuliert, und so macht der Film deutlich: Hitler richtete all die Schrecken nicht an, weil er von einem kranken Geist getrieben wurde, sondern weil er es wollte, und weil er Methoden und Mitstreiter fand, die ihm den Weg dazu bahnten. Diese Weigerung, das Geschehen in den Bereich des Dämonischen zu verlagern, gilt somit auch umgekehrt: Alle, die ihm folgten, sind keine Verführten, sondern sie haben sich klaren Verstands dazu entschlossen.

Eine Stärke von Hitler – Aufstieg des Bösen ist letztlich auch die Rasanz dieses Films. Zweieinhalb Minuten reichen aus für die gesamte Kindheit (und sogar für Szenen, in denen Hitler in bester Massenmörder-Manier als Tierquäler und Pyromane auftritt), auch die prägenden Jahre als Möchtegern-Künstler in Wien werden im Parforceritt absolviert, die gesamte Zeit von 1934 bis 1945 wird am Ende des Films lediglich in Form einer stummen Diashow mit Bildern aus KZs und vom Krieg thematisiert. Diese Atemlosigkeit passt sehr gut zur Materie: Am Ende fühlt man sich als Zuschauer beinahe überrannt – und man wünscht sich, man könne die Uhr noch einmal zurückdrehen.

Bestes Zitat:

„Er berechnet uns, die Menschen. Sieh ihn dir an! Er hat nichts Menschliches. Er hat die Menschen studiert, um wie ein Mensch zu wirken. Und da hat er unsere Ängste erkannt und unsere Hassgefühle. Und jetzt, jetzt laufen wir dem Ungeheuer nach statt vor ihm wegzulaufen.“

Der erste Teil des Films:

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