Draufgeschaut: Im falschen Leben


Die Kinder von Sandra (Anna-Maria Mühe, links) und Marie (Sonsee Neu) wurden vertauscht.

Die Kinder von Sandra (Anna-Maria Mühe, links) und Marie (Sonsee Neu) wurden vertauscht.

Film Im falschen Leben
Produktionsland Deutschland/Österreich
Jahr 2011
Spielzeit 90 Minuten
Regie Christiane Balthasar
Hauptdarsteller Sonsee Neu, Anna Maria Mühe, Maxim Mehmet, Andreas Lust
Bewertung ***

Worum geht’s?

Marie und Holger können es nicht fassen: Kurz vor dem ersten Geburtstag ihrer kleinen Tochter erfahren sie, dass sie gar nicht ihr Kind ist. Das Baby wurde auf der Geburtsstation verwechselt, ein DNA-Test lässt daran keinen Zweifel. Die wirkliche Tochter der beiden ist bei Sandra gelandet, einer alleinerziehenden Studentin, die ebenfalls nichts von dem Irrtum ahnte. Nun stehen die Eltern vor der Frage, ob sie das Kind behalten sollen, das sie bis vor kurzem für ihr eigenes gehalten, geliebt und versorgt haben. Oder ob ein Tausch der Kinder die bessere Lösung wäre.

Das sagt shitesite:

Der Konflikt von Im falschen Leben könnte kaum größer sein. Es geht in diesem Film um nichts Geringeres als die Frage, was letztlich wirklich die Bindung zu einem Kind ausmacht: Blut und Gene oder Zuneigung und Vertrautheit? Zumindest im ersten Drittel kann der Film dieser Dimension mit starken Dialogen und dem überzeugenden Spiel insbesondere von Sonsee Neu und Andreas Lust sogar gerecht werden.

Dann lassen Intensität und Klasse dieses Dramas aber leider nach. Im falschen Leben gefällt sich ein bisschen zu sehr darin, dem ohnehin existenziellen Dilemma noch andere Probleme zur Seite zu stellen. Holger und Marie leben als gut situiertes, glückliches Paar in Leipzig, ihre Tochter ist ein Wunschkind. Sandras Schwangerschaft war ein Unfall, der Vater kümmert sich kaum um das Baby und so hat die Studentin zu kämpfen, um überhaupt einigermaßen über die Runden zu kommen. Das Jugendamt liegt im Clinch mit der Klinik, und als dann auch noch die Lokalpresse Wind von der Geschichte bekommt, wissen die Eltern gar nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht. Nur die beiden Babys grinsen die ganze Zeit selig, nicht ahnend, dass sie zu den Hauptdarstellern eines Skandals geworden sind und zwei bisher intakte Beziehungen auf eine echte Zerreißprobe stellen.

So viele Nebenschauplätze hätte Im falschen Leben gar nicht gebraucht, zumal die dort angedeuteten Konflikte zum Teil nur halbherzig inszeniert werden. Erst am Schluss wirkt das Geschehen wieder schlüssig: Die die Eifersucht und Wehmut, die misstrauischen Blicke, die sich die Mütter zuwerfen, wenn sie „ihr Kind“ kurz in die Obhut der anderen geben, während sie hoffen, die Zeit werde helfen, ihre Entscheidung einfacher zu machen – all das geht dann doch nahe und zeigt nicht zuletzt, wie übersteigert mitunter die Erwartungshaltung ist, die wir in Kinder stecken.

Bestes Zitat:

“Werd‘ groß und stark und glücklich. Und vergiss‘ mich nicht.”

Der Anfang des Films:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.