Draufgeschaut: Im Winter ein Jahr


Film Im Winter ein Jahr

Im Winter ein Jahr Kritik Rezension

Lilli (Karoline Herfurth) soll von Max (Josef Bierbichler) gemalt werden.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2008
Spielzeit 128 Minuten
Regie Caroline Link
Hauptdarsteller Karoline Herfurth, Josef Bierbichler, Corinna Harfouch, Hanns Zischler, Mišel Matičević, Franz Dinda
Bewertung

Worum geht’s?

Als Innenarchitektin in München hat Eliane Richter klare ästhetische Vorstellungen. Um ihr Haus zu verschönern und sich selbst ein Geschenk zu machen, gibt sie bei Max Hollander, einem gefragten Maler, der ihr von einem Freund empfohlen wurde, ein Bild in Auftrag: Der Künstler soll ihre beiden Kinder porträtieren. Lilli studiert an der Schauspielschule und ist von dieser Idee wenig begeistert. Alexander ist seit einem Jahr tot – angeblich im Alter von 18 Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen, wie seine Mutter behauptet, in Wirklichkeit ein Selbstmörder, wie Lilli dem Maler erzählt, als sie für ihn Modell steht. Aus den Terminen in seinem Atelier entsteht eine Zuneigung zwischen Max und Lilli, die dazu führt, dass die junge Frau einen neuen Blick auf ihren Bruder, ihre Familie und ihr Leben entwickelt.

Das sagt shitesite:

Sehr viele äußerst interessante Figuren tummeln sich in dieser Romanverfilmung. Dass sie fast alle einen bleibenden Eindruck hinterlassen, liegt auch am starken Ensemble von Im Winter ein Jahr: Karoline Herfurth verleiht dem Zwiespalt von Lilli wunderbar Ausdruck, der entsteht, als sie sich einerseits von der ewigen Bevormundung befreien will, die sie umgibt, andererseits erkennt, wie schwer es ist, auf eigenen Füßen zu stehen und eigene Entscheidungen zu treffen.

Noch stärker ist Josef Bierbichler als eremitischer Maler, der vielleicht seinem schwulen Exfreund nachtrauert, vielleicht aber auch darauf aus ist, sein junges Modell zu verführen. Er hat hier eine Präsenz, die selbst mit einer schauspielerischen Naturgewalt wie Gérard Depardieu mithalten kann, und verkörpert fast ganz alleine das zentrale Thema von Im Winter ein Jahr: den Versuch, Trauer zu akzeptieren und Trost, auch wenn man ihn noch nicht gefunden hat, für möglich zu halten.

Die Stärke des Films ist allerdings zugleich auch seine Schwäche: Wo immer Melodrama, Spannung oder auch Kitsch möglich wäre, übt sich Regisseurin Caroline Link in angenehmer Zurückhaltung. Diese distanzierte Haltung zum Geschehen, die nur durch die vergleichsweise mächtige Bildsprache des Films kontrastiert wird, führt aber auch dazu, dass hier so etwas wie eine emotionale Bindung fehlt. Das Geschehen von Im Winter ein Jahr macht viel mit seinen Figuren, aber wenig mit dem Zuschauer.

Bestes Zitat:

„Genau so fühle ich mich in letzter Zeit: Als wenn er mich verfolgt. Manchmal wache ich nachts auf und denke, er steht neben meinem Bett, oder im Zimmer. (…) Es fühlt sich furchtbar an. Es ist, als ob er eine Tür aufgemacht hätte und ich kriege die nicht wieder zu. Wie so eine Tür in einem Flugzeug, wo Fallschirmspringer rausspringen. Die Tür ist offen und zieht mich an, auch zu springen. Ich könnte es. Es ist ganz leicht. Es ist nur eine Frage von ein paar Sekunden.“

Der Trailer zum Film.

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