Draufgeschaut: In der Falle


Film In der Falle

Szene aus dem Film In der Falle Drachensteigen Strand

Simone (Claudia Michelsen) wird von Leon (Michael Rotschopf) verführt.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2014
Spielzeit 90 Minuten
Regie Nina Grosse
Hauptdarsteller Claudia Michelsen, Michael Rotschopf, Bernhard Schütz, Michelle Barthel
Bewertung

Worum geht’s?

Simone verbringt einen Kurzurlaub auf Norderney, um den Kopf frei zu kriegen. Ihrer Familie gehört ein milliardenschweres Saatgut-Unternehmen, im Aufsichtsrat stehen für sie schwierige Entscheidungen an und auch als Ehefrau und Mutter einer Teenager-Tochter hat sie genug um die Ohren. Als sie im Hotel den charmanten Galeristen Leon kennen lernt, ist sie fasziniert. Sie gibt sich als Übersetzerin aus, lässt sich auf eine gemeinsame Nacht ein und will die Affäre dann beenden. Doch nach dem Urlaub, zurück in Hamburg, begegnet sie ihm wieder und kommt nicht von ihm los. Leon kennt inzwischen ihre wahre Identität und will sie überreden, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und mit ihm zu einer Weltumseglung aufzubrechen. „Das ist keine Affäre, das ist eine Begegnung“, säuselt er ihr ins Ohr. Simone ist drauf und dran, auf dieses Angebot einzugehen. Doch dann muss sie erkennen: Es ist keine Affäre, auch keine Begegnung, sondern ein Komplott. Sie wird mit pikanten Fotos des Seitensprungs erpresst.

Das sagt shitesite:

Die Parallelen zu Susanne Klatten, der reichsten Frau Deutschlands, die als BMW-Großaktionärin einst von einem Schweizer erpresst wurde und schließlich an die Öffentlichkeit ging, sind offensichtlich bei In der Falle, verleihen dem Film allerdings keine zusätzliche Würze. Dass dieser Flirt, genau wie im Fall Klatten, kein gutes Ende nehmen wird, ist zudem schon durch den Titel sehr schnell klar.

Damit sind wir bei ein paar Schwächen von In der Falle. Der Film liefert einige Klischees vom Leben der Superreichen, viele bekannte Elemente auf dem Weg zur verhängnisvollen Affäre und nicht zuletzt ein (zumal für einen Film, der in der Nebenhandlung auch noch einen Wirtschaftskrimi erzählen möchte) etwas zu hohes Maß an Vorhersehbarkeit. Dazu trägt auch die Figur des Leon bei: Er ist so flach und schmierig, dass man den professionellen Verführer und potenziellen Erpresser sofort ahnt – und ihm später kaum abnimmt, einen so perfiden Plan geschmiedet zu haben.

Aus diesem Effekt bezieht der Fernsehfilm allerdings einen Teil seiner Spannung. Ist Leon wirklich der Erpresser, der es von Anfang an nur auf das Geld der vermögenden Unternehmerin abgesehen hatte? Oder kann man ihm den hoffnungslosen Romantiker abnehmen, der beteuert, selbst nicht zu wissen, wer die heimlichen Sexfotos gemacht hat? Es ist diese Frage, die für das Prickeln von In der Falle sorgt. Vor allem aber ist es, gerade in der sehr guten letzten halben Stunde des Films, der famose Auftritt von Claudia Michelsen als Frau in der Krise.

Auch ihre Figur bezieht ihren Reiz aus dem Changieren zwischen Täter und Opfer. Denn sie ist kein Naivchen, das sich blind einem Casanova an den Hals geworfen hat. Dafür ist sie zu diszipliniert und selbstbestimmt, in ihrem Job, am Beginn des Flirts mit Leon und schließlich auch beim Umgang mit dem Seitensprung und der Erpressung. Sie weiß, dass sie diese Affäre wollte, sie erkennt, dass Leon ihre heimliche Sehnsucht erfüllt, endlich einmal über die Stränge schlagen und sich gehen lassen zu können. Sie schließt daraus, dass sie verantwortlich ist für ihr Dilemma, und das macht eine Lösung umso schmerzhafter. Soll sie die Erpresser bezahlen oder die Veröffentlichung der Bilder zulassen und damit ihr Image ruinieren?

Scham empfindet Simone nicht nur, weil ihre Intimsphäre verletzt wurde und sie ihre Verantwortung als Mutter, Gattin und Unternehmerin ignoriert hat. Sondern auch, weil sie erkennen muss, wie leicht es war, sie zu manipulieren. Leichtgläubig hat sie diesem Mann nicht nur ihren Körper ausgeliefert, sondern war auch bereit, ihm für nichts als ein vages Versprechen all ihr Geld hinterherzuwerfen, ihre Karriere, ihre Ehe und ihre glückliche Familie aufs Spiel zu setzen – ihm also ein Leben zu opfern, für das sie viele andere Frauen beneiden würden. In der Falle lebt damit nicht so sehr von der Spannung oder melodramatischer Leidenschaft, sondern stellt mit erstaunlich sachlicher Erzählweise einen Prozess der Selbsterkenntnis in den Mittelpunkt. Denn eine Demütigung ist diese Erpressung für Simone in jedem Fall, nicht nur für ihr Konto oder ihren guten Ruf, sondern vor allem für ihr Selbstbild.

Bestes Zitat:

„Das Leben ist zu kurz, um nur einen Entwurf zu leben.“

Es gibt leider keinen Trailer zum Film.

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