Draufgeschaut: In The Mood For Love


Li-Chen (Maggie Cheung) und Chow (Tony Leung) trösten sich gegenseitig.

Li-Chen (Maggie Cheung) und Chow (Tony Leung) trösten sich gegenseitig.

Film Der Klang der Liebe
Originaltitel In The Mood For Love
Produktionsland Hongkong/Frankreich
Jahr 2000
Spielzeit 98 Minuten
Regie Kar Wai Wong
Hauptdarsteller Maggie Cheung, Tony Leung
Bewertung ****

Worum geht’s?

Hongkong 1962: Zur gleichen Zeit ziehen die Sekretärin Li-zhen und der Journalist Chow in ein Mietshaus. Sie werden Nachbarn und bald werden sie auch Leidensgenossen: Der Mann der Sekretärin hat eine Affäre – mit der Frau des Journalisten.  Die Betrogenen beschließen, die Affäre ihrerseits nachzustellen – doch schon bald wird es schwierig, zwischen Rollenspiel und echter Zuneigung zu unterscheiden.

Das sagt shitesite:

Bei all der herrlichen Ästhetik ist das Schönste an In The Mood For Love doch all das, was man nicht sieht: Die Gesichter von Herrn Zhen und Frau Chow sind nie im Bild, und auch die Kraft, die ihre betrogenen Partner förmlich aufeinander zutreibt, bleibt unsichtbar. Erst sind da kleine Gefälligkeiten unter Nachbarn. Dann inszenierte Begegnungen, bei denen beide peinlich genau darauf achten, dass sie wie zufällig wirken. Schließlich ein gemeinsames Hobby als Vorwand für das Zusammensein. Dass dahinter der Versuch steckt, der Einsamkeit zu entfliehen, dann das Ringen um Verständnis, die Suche nach Trost, der Wunsch nach Rache und schließlich echte Zuneigung – das muss in In The Mood For Love gar nicht ausgesprochen werden.

„Wir werden nicht so werden wie die“, schwören sich die beiden, und es ist enorm faszinierend, sie bei diesem Kampf um Selbstdisziplin zu begleiten. Die Kamera ist dabei immer wieder in der Position des heimlichen Beobachters, des unerwünschten Zeugen, und Regisseur Kar Wai Wong nutzt alle Möglichkeiten von Zeitlupe über Stakkato-Schnitte bis hin zu grellen Blenden, um die Wirkung dieses Effekts noch zu verstärken.

Auch sonst weiß In The Mood For Love geschickt all das zu nutzen, was eigentlich keine Handlung ist. Immer wieder ist das Paar beim Grübeln, Zögern und Warten zu sehen. Beide wissen, dass ihre Ehe keine Erfüllung bringt, und dennoch wollen sie sich die Erfüllung versagen, die der Geliebte gleich hinter der Tür nebenan bringen könnte. Das ist toll inszeniert, denn in diesen Momenten steckt ganz viel Aufregung und Aufgewühltheit. Damit wirft In The Mood For Love nicht nur geschickt die Frage auf, ob eine Affäre verwerflicher wird, wenn sie nicht im Rausch des Moments ihren Anfang nimmt, sondern sich abzeichnet, inklusive der Möglichkeit, einzulenken. Der Film zeigt auch, dass es die Pausen sind, die in diesem betörend zögerlichen Flirt, gehemmt von steifer Höflichkeit und doch platziert inmitten geübter Lügner, am gefährlichsten sind. Denn in den Pausen ist Platz für Fantasie.

Bestes Zitat:

“Es ist sowieso schon passiert. Es spielt keine Rolle, wer angefangen hat.”

Der Trailer zum Film:

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