Draufgeschaut: Ins Blaue


Film Ins Blaue

Nike (Alice Dwyer, links) dreht einen Film mit ihrem Vater (Vadim Glowna).

Nike (Alice Dwyer, links) dreht einen Film mit ihrem Vater (Vadim Glowna).

Produktionsland Deutschland
Jahr 2012
Spielzeit 105 Minuten
Regie Rudolf Thome
Hauptdarsteller Vadim Glowna, Alice Dwyer, Esther Zimmering, Janina Rudenska, Elisabeth-Marie Leistikow, Henning Vogt, Stefan Rudolf, Bernd-Christian Althoff
Bewertung

Worum geht’s?

Nike Rabenthal ist eine talentierte Regisseurin. Bisher hat die 23-Jährige lediglich Kurzfilme gemacht, jetzt will sie in Italien ihren ersten Spielfilm drehen. Er soll „Ins Blaue“ heißen, drei junge Frauen auf dem Weg in den Strandurlaub  begleiten und ansonsten viel auf Improvisation setzen. Nikes Vater, Abraham, ist der Produzent und hat mit Mühe und Not die Finanzierung für den Film gestemmt. Als das Team dann in Italien ankommt und die Dreharbeiten beginnen, häufen sich allerdings die Schwierigkeiten. Abraham muss aus Geldmangel auch als Schauspieler einspringen und diverse amouröse Verwirrungen innerhalb des Teams sorgen für weitere Konflikte.

Das sagt shitesite:

Es ist wie so oft in Filmen von Rudolf Thome: Männer und Frauen suchen einander, finden einander oft nicht und reden – mal mehr, mal weniger gewitzt – darüber, woran das liegen könnte. Erfreulicherweise geschieht das in Ins Blaue, trotz einiger pompöser Dialoge, mit großer Leichtigkeit. Zu den Männern, denen Laura, Eva und Josphine auf ihrem Italien-Trip begegnen und die sie in emotionale, moralische oder erotische Irrungen und Wirrungen stürzen, gehören zwar ein Mönch und ein Philosoph, trotzdem wird das nicht mit allzu viel grüblerischem Ballast überfrachtet und zudem von Sommerwetter und herrlichen Landschaften atmosphärisch verstärkt.

Das Besondere an Ins Blaue ist zum einen der Vater-Tochter-Konflikt. Nike und Abraham, so stellt sich heraus, haben eine gemeinsame Geschichte voller Höhen und Tiefen. Abrahams Versuch, seiner Tochter deren Spielfilmdebüt zu finanzieren, soll offensichtlich der Versuch einer Wiedergutmachung und Versöhnung sein. Vadim Glowna spielt den Produzenten in seiner letzten Kinorolle als beeindruckend brüchigen Charakter zwischen Lüstling und Tattergreis. Dass Nike auf ihn angewiesen ist (umso mehr, als er dann auch noch eine der Rollen vor der Kamera übernehmen muss), obwohl sie als Regisseurin zugleich die Chefin dieses Projekts ist, sorgt für den spannendsten Konflikt in diesem Film, der schließlich eskaliert, als Nike erfährt, dass ihr Vater sie hintergangen und ihr seine Affäre mit Laura verheimlicht hat.

Zum anderen wagt sich Thome mit Ins Blaue an die heikle Idee eines Films im Film. Er vermischt die Szenen der Dreharbeiten geschickt mit deren Ergebnissen, so dass man als Zuschauer oft nicht recht weiß, ob man jetzt gerade Ins Blaue von Rudolf Thome oder Ins Blaue von Nike Rabenthal sieht. Unscharfe Rollenbilder gibt es für die Mitglieder des Filmteams dann sehr bald – siehe Nike-Abraham – auch abseits der Kamera.

Vor allem aber zeigt dieses Drama, wie viel Mut, Leidenschaft und Überzeugung zum Filmemachen gehören. Verkörpert wird dieses Engagement durch Nike, die ständig eine neue Balance aus laissez faire und harter Hand finden muss. Thome, der mit Ins Blaue seinen 28. Spielfilm abliefert und dabei stets Regie und Produktion übernommen hat, weiß ein Lied davon zu singen. Vielleicht seine größte Pointe ist deshalb der Schluss von Ins Blaue: Seine Figuren sind da bei der Premiere ihres Films zu sehen, aber das hat trotz Abendgarderobe und Blitzlichtgewitter wenig Glamour – weil man jetzt um die prekären Produktionsbedingungen weiß und um all die schmerzhaften Konflikte, die unter den (roten) Teppich gekehrt werden mussten, und diesen Film entstehen zu lassen.

Bestes Zitat:

„Philosophen sind auch ganz normale Menschen. Die schreiben tolle Sachen, aber im Leben sind die wie du und ich. Die haben Hunger, die trinken gerne, wie du, Rotwein, verlieben sich, sind traurig, wenn die Liebe vorbei gegangen ist und haben Angst vorm Tod. Deshalb philosophieren sie.“

Der Trailer zum Film:

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