Draufgeschaut: Jackass 3.5 – The Uncut Movie


Was ist hier bloß schief gelaufen? Wenn man Steve-O fragt: Gar nichts.

Was ist hier bloß schief gelaufen? Wenn man Steve-O fragt: Gar nichts.

Film Jackass 3.5 – The Uncut Movie
Produktionsland USA
Jahr 2011
Spielzeit 81 Minuten
Regie Jeff Tremaine
Hauptdarsteller Johnny Knoxville, Ryan Dunn, Steve-O
Bewertung ***

Worum geht’s?

Der letzte Film von Ryan Dunn: Auch in Jackass 3.5 – The Uncut Movie testet er mit seinen Kumpels die Grenzen von Schmerz, Ekel und gutem Geschmack aus. Auf der DVD werden Szenen verwendet, die von den Drehs für Jackass 3D übrig geblieben sind. Es gibt also jede Menge neue Jackass-Stunts, angereichert um Interviews mit den Beteiligten.

Das sagt shitesite:

Furzen bei einer Trauerfeier? Noch nie in der Geschichte der Menschheit dürfte das so wenig pietätlos gewesen sein wie am 22. Juni. Da wurde Jackass-Star Ryan Dunn beigesetzt, der zwei Tage zuvor im Alter von 34 Jahren verunglückt war. Bei einem Autounfall in seinem Porsche, mit knapp zwei Promille und gut 200 km/h. Es war ein wilder, leichtsinniger, spektakulärer Tod am Ende eines wilden, leichtsinnigen, spektakulären Lebens. Der Stuntman liebte, wie all die Jungs von Jackass, die Gefahr. Und er liebte es, sich über die Grenzen des guten Geschmacks hinwegzusetzen.

So sehr, dass es zu seiner Beerdigung sogar Proteste gab. «Gott hasst Ryan Dunn», war einer der Slogans, den eine religiöse Gruppe vor dem Friedhof skandierte. Die Anhänger der Westboro Baptist Church sehen in Ryan Dunn das Aushängeschild einer «pervertierten Generation».

15 Tage später erscheint Jackass 3.5 – The Uncut Movie hierzulande auf DVD. Der Film, der neue Stunts der Crew rund um Johnny Knoxville, Steve-O und den Wee Man zeigt, lässt die Empörung höchstens ein bisschen verstehen. Auch zehn Jahre nachdem die ersten Jackass-Folgen bei MTV über den Bildschirm flimmerten, haben die Jungs noch immer nichts anderes im Sinn als Zerstörung. Vornehmlich: Selbstzerstörung. „Shooting a Jackass movie: It seems super fun. But it’s actually hell. Because everybody is trying to get everyone“, erklärt Regisseur Jeff Tremaine an einer Stelle diese Mentalität. Aber schlechtere Vorbilder als manch Gleichaltriger, der täglich in Nadelstreifen bei einer Rating-Agentur oder einer Rüstungsfirma arbeitet, sind diese Chaoten auch nicht.

Jackass 3.5 geht mit keiner Silbe auf den Tod von Ryan Dunn ein. Ein Sticker auf der Verpackung? Eine Widmung im Vorspann? Ein paar tröstende Worte von seinem besten Kumpel Bam Margera am Ende? Nichts davon gibt es. Im Vorspann wird Dunn an sechster Stelle vorgestellt, in gut drei Viertel der Szenen ist er zu sehen – als sei nichts gewesen. Doch das irritiert nur kurz. Denn erstens konnte kein Mensch ahnen, dass dies Ryan Dunns letzter Film sein würde, als das Material gedreht, geschnitten und in den Handel gebracht wurde. Und erst recht wäre es albern, die Szenen mit Trauerflor zu versehen. Selbst im Wissen um den Unfall im Wald von Pennsylvania bekommen die Stunts von Jackass 3.5 keine besondere Aura. Sie bleiben, was sie sind: ziemlich bekloppte Streiche von ziemlich furchtlosen Kerlen.

Da dürfen Aligator-Schildkröten in einen nackten Hintern beißen. Ein dicker Mann fällt von einem Baum, eine Schlacht mit explodierenden Colaflaschen sorgt für eine ziemliche Sauerei und nicht zuletzt wird versucht, eine Rakete aus dem eigenen Schritt genau in den Hintern eines Widersachers zu schießen.

Im Vergleich zu den ersten Jackass-Streichen (deren Entstehung hier in der sehr erhellenden Doku Jackass – The Beginning im Bonusmaterial nachgezeichnet wird) oder dem jüngsten Kinofilm Jackass 3D ist der Fäkalien-Anteil deutlich geringer. Kacke spielt nur eine Nebenrolle, gekotzt wird sogar erst im Abspann. Dafür legt die Crew einen erstaunlichen Einfallsreichtum (und im Vergleich zu den Jackass-Anfängen spektakulären technischen Erfindergeist) an den Tag, wenn es darum geht, neue Herausforderungen für die eigene Schmerzerfahrung oder die Tortur anderer zu finden. Die schätzungsweise 40 verschiedenen Positionen, aus denen man einem anderen einen Basketball ins Gemächt werfen kann, sind nur ein Beispiel dafür. Zusätzlich gibt es reichlich Interview-Sequenzen (Chris Pontius: „There’s so many funny ideas to do with a penis that have been yet unexplored.“) und rund 80 Minuten Bonusmaterial, die gut verstehen lassen, wie Jackass entsteht und wie diese Jungs ticken (auch wenn der Spaßfaktor des eigentlichen Films unter den ständigen Unterbrechungen beträchtlich leidet).

Die Empörung der Aufrechten an Ryan Dunns Grab rechtfertigt Jackass 3.5 in keinem Moment. Man darf sicher sein: Der Mann mit dem Bart und der Vorliebe für schnelle Autos hätte sich köstlich amüsiert über diese Demonstration. Und man kann sich, trotz seines tragischen Todes, nicht des Eindrucks erwehren: Dieses Leben war viel zu kurz. Aber es war definitiv ein Spaß.

Bestes Zitat:

«Ein normaler Mensch würde jetzt wohl nach Schmerzmitteln verlangen.» (Steve-O, nachdem er in ein Bett glühender Kohlen gefallen ist)

Der Trailer zum Film:

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