Draufgeschaut: JFK


Jim Garrison (Kevin Costner) glaubt: Hinter dem Anschlag auf Kennedy steckt ein Staatsstreich.

Jim Garrison (Kevin Costner) glaubt: Hinter dem Anschlag auf Kennedy steckt ein Staatsstreich.

Film JFK – Tatort Dallas
Produktionsland USA
Jahr 1991
Spielzeit 181 Minuten
Regie Oliver Stone
Hauptdarsteller Kevin Costner, Kevin Bacon, Tommy Lee Jones, Laurie Metcalf, Gary Oldman, Michael Rooker, Jay O. Sanders, Sissy Spacek, Jack Lemmon, Joe Pesci, Walter Matthau, John Candy
Bewertung ****

Worum geht’s?

US-Präsident John F. Kennedy wird am 23. November 1963 bei einem Besuch in Dallas auf offener Straße erschossen. Als Tatverdächtiger wird Lee Harvey Oswald festgenommen, der als überzeugter Marxist gilt. Wenige Tage später wird auch er erschossen, anscheinend von einem wütenden Kennedy-Anhänger. Mit der Beisetzung des Präsidenten scheint der Fall abgeschlossen zu sein. Doch Jim Garrison, Staatsanwalt aus New Orleans, kommen einige widersprüchliche Aussagen zu Ohren. Er verfolgt die Spuren, gibt seine Ermittlungen dann aber wieder auf, weil ihm überall Steine in den Weg gelegt werden. Der Fall lässt ihm allerdings keine Ruhe. Drei Jahre später rollte Garrison den Anschlag erneut auf und findet Erstaunliches heraus: Hinter der Ermordung des Präsidenten scheint eine Verschwörung zu stecken. Als der Staatsanwalt die Hintermänner vor Gericht bringen will, wagt es jedoch kaum ein Zeuge, dort auszusagen.

Das sagt shitesite:

Ein gespaltenes Land: Dieses Bild von den USA zeichnet Oliver Stone hier schon für die Zeit, bevor die Schüsse in Dallas fielen. Ist Kennedy das Symbol einer neuen, hoffnungsvollen Zeit? Oder ein linker Verräter all dessen, wofür Amerika steht? Die aufgeheizte Stimmung ist in JFK mit Händen zu greifen, und sie ist der Boden, auf dem die Verschwörungstheorie des Films erwachsen kann. Die Frage, ob tatsächlich ein gemeinsames Komplott von Geheimdiensten, Militär, Regierung und Mafia denkbar war, das in einem Mordanschlag auf den amtierenden Präsidenten gipfelte, sollte das Land erst recht zerreißen.

Neben dem Zweifel, den JFK sät (auch dank einer Rechercheleistung, die eher zu einem Dokumentarfilm passen würde) ist es vor allem die formale Stärke des Films, die ihn so eindrucksvoll macht – erst recht nach den Maßstäben des Jahres 1991. In einem fünfminütigen Rapport erzählt Oliver Stone die Vorgeschichte, für das eigentliche Attentat räumt der 3-Stunden-Film nur zwei Minuten ein. Danach werden immer wieder authentische Archivaufnahmen mit fiktiven Szenen verbunden. Zeugenaussagen werden meist mit geschickten Rückblenden untermalt und Ensemble und Schauplätze weiten sich quasi parallel dazu aus wie die Hinweise auf ein Komplott immer weitere Kreise ziehen.

Die Spannung, die JFK dabei erzeugt, beflügelt die Verschwörungstheorie: Es gibt verdächtige Spuren und reichlich Zeugen, die der offiziellen Einzeltäterthese widersprechen. Aber die meisten von ihnen sind eingeschüchtert oder kommen im Laufe der Ermittlungen auf mysteriöse Weise ums Leben. Selbst die, die anscheinend die wahren Hintermänner des Attentats kennen, glauben nicht, dass man gegen sie ankommen kann – solche Hinweise sind für Garrison zugleich frustrierend und ermunternd.

Kevin Costner spielt den Staatsanwalt mit beeindruckendem Pflichtbewusstsein, auch wenn der Handlungsstrang seines Familienlebens, das durch seinen Arbeitseifer an den Rande des Zusammenbruchs gerät, überflüssig ist und seine Ernsthaftigkeit im ausufernden Schlussplädoyer in übertriebenes Pathos mit übertrieben vielen schlauen Zitaten mündet. Gerade da wird aber deutlich, dass es diesem Mann nicht um die Aufklärung eines Kriminalfalls geht, sondern um das Wesen Amerikas. JFK ist parteiisch, beinahe in der Nähe von Propaganda bei der Frage, wer hinter dem Mord an Kennedy steckt. Aber so gelingt es dem Film auch, zu zeigen, wie grundsätzlich und nachhaltig dieses Vertrauen Amerikas in seine eigene Integrität durch den Anschlag in Dallas erschüttert wurde.

Bestes Zitat:

“Ich schäme mich, Amerikaner zu sein.”

Der Trailer zum Film:

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