Draufgeschaut: Lang lebe Ned Devine


Film Lang lebe Ned Devine

Lang lebe Ned Devine Kritik Rezension

Jackie O’Shea (Ian Bannen) will einen Lottogewinn ergaunern.

Originaltitel Waking Ned Devine
Produktionsland Großbritannien, Irland
Jahr 1998
Spielzeit 87 Minuten
Regie Kirk Jones
Hauptdarsteller Ian Bannen, David Kelly, Fionnula Flanagan, Susan Lynch
Bewertung

Worum geht’s?

Jackie O’Shea kann es nicht glauben: Jemand aus seinem Dorf hat im Lotto gewonnen, sogar den Jackpot. So schreibt es die Lokalzeitung. Der umtriebige Rentner Jackie will unbedingt herausfinden, welcher der nur 52 Einwohner von Tullymore an der irischen Küste das große Los gezogen hat, schließlich kann es nicht schaden, sich mit einem Millionär gut zu stellen. Gemeinsam mit seinem alten Freund Michael beginnt er die Recherche, die lange ins Leere läuft. Nur ein Kandidat bleibt noch übrig: Ned Devine. Als Jackie und Michael ihn besuchen, bestätigt sich ihre These: Der alte Fischer hat tatsächlich den Lottoschein mit den richtigen Zahlen. Das Problem ist nur: Er ist tot, offensichtlich einem Herzinfarkt erlegen, als im Fernsehen die Lottozahlen verkündet wurden. Jackie will diese Ironie des Schicksals nicht gelten lassen. Damit der Jackpot nicht verfällt, soll Michael den Lottoschein an sich nehmen und sich gegenüber der Lottogesellschaft als Ned Devine ausgeben – schließlich geht es um 7 Millionen Pfund, wie sich herausstellt. Das scheint zunächst auch zu klappen, bis der Geldbote anfängt, im Dorf zum vermeintlichen Ned Devine zu recherchieren.

Das sagt shitesite:

Skurril, kauzig und natürlich makaber ist Lang lebe Ned Devine. Im Vergleich zu anderen britischen Komödien kommt der Humor hier aber nicht halb so schwarz rüber: Mit dem Abstand von knapp 20 Jahren wirkt vieles am Regiedebüt von Kirk Jones etwas betulich, altbacken und brav. Dazu trägt nicht nur eine ordentliche Dosis Irland-Folklore mit traditioneller Musik und vielen schönen Landschaftsaufnahmen bei, sondern auch die letztlich eher peinliche Liebesgeschichte zwischen der verkappten Dichterin Maggie und dem Schweinebauern Pig als Nebenhandlung.

Als Pluspunkt hingegen sind die Hauptdarsteller Ian Bannen und David Kelly zu betrachten, beide zum Zeitpunkt der Dreharbeiten um die 70, aber offensichtlich voller Freude, hier noch einmal die Draufgänger und vor allem Schlitzohren geben zu dürfen. Die Überzeugungskraft, mit der sie die Vertrautheit einer jahrzehntelangen Freundschaft spielen, ist ebenso phänomenal wie die Chemie zwischen ihnen.

Die größte Stärke von Lang lebe Ned Devine ist allerdings der entlarvende Blick auf das Dorfleben. Das gilt schon für die Anfangssequenz, als Jackie und Michael zunächst im Pub, dann mit einer großzügigen Party für alle Einwohner von Tullymore herausfinden wollen, wer der Gewinner ist, um sich möglichst früh und erfolgreich einschleimen zu können. Noch mehr rückt dieser Aspekt in den Fokus, als Michael in die Rolle des Lottogewinners schlüpft und das ganze Dorf seine falsche Identität bestätigen und bei der betrügerischen Inszenierung mitspielen muss. Die Mentalität der Ewigzukurzgekommenen wird dabei herrlich getroffen: Alle wollen etwas abhaben von diesem Kuchen, aber es gilt, tatsächlich eine gemeinsame Lösung im völligen Konsens zu finden, damit das auch gelingt. Mitzuverfolgen, wie viele Ränkespiele und Eifersüchteleien, Statusunterschiede und alte Seilschaften sich dabei selbst in einem Dorf von nur 52 Einwohnern (wenn man Ned Devine mitzählt) abspielen, ist das wahre Vergnügen in dieser Komödie.

Bestes Zitat:

„Sein Herz war so groß, dass es schon Ähnlichkeit mit seinem Kopf hatte.“

Der Trailer zum Film.

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