Draufgeschaut: Les Misérables


Film Les Misérables – Gefangene des Schicksals

Inspektor Javert (John Malkovich, links) ist hinter Jean Valjean (Gérard Depardieu) her.

Inspektor Javert (John Malkovich, links) ist hinter Jean Valjean (Gérard Depardieu) her.

Originaltitel Les Misérables
Produktionsland Deutschland/Frankreich
Jahr 2000
Spielzeit 205 Minuten
Regie Josée Dayan
Hauptdarsteller Gérard Depardieu, Christian Clavier, John Malkovich, Virginie Ledoyen, Enrico Lo Verso, Charlotte Gainsbourg, Veronica Ferres, Steffen Wink, Otto Sander, Vadim Glowna
Bewertung

Worum geht’s?

Weil er ein paar Brote gestohlen hat, um hungernden Kindern etwas zu essen geben zu können, sitzt Jean Valjean im Gefängnis. Inspektor Javert ist überzeugt, dass Valjean – ebenso wie alle anderen Kriminellen – von grundauf böse und unverbesserlich ist. Er wird zur Zielscheibe für die Wut Valjeans, und lässt den Häftling seinerseits seine Verachtung spüren. Als Valjean entlassen wird und es unter falschem Namen zu Ansehen und Vermögen bringt, kreuzen sich die Wege der einstigen Gegner wieder. Für den Polizisten wird die Jagd nach Valjean zur Lebensaufgabe. Für den einstigen Sträfling wird die Flucht zum Kampf um seine eigene Würde.

Das sagt shitesite:

2000 Seiten hat die Romanvorlage von Victor Hugo. Das vielleicht größte Verdienst an der Verfilmung von Josée Dayan war deshalb die Detailtreue: Mit immerhin sechs Stunden Spielzeit konnte der als Vierteiler angelegte Film die meisten der Handlungsstränge von Les Misérables aufgreifen.

Deshalb macht es wenig Sinn, dass Sat.1 den Film für diese Version von Les Misérables – Gefangene des Schicksals noch einmal auf knapp dreieinhalb Stunden zusammenkürzte. Fast alles wirkt nun überzeichnet: Die Figuren sind extrem mildtätig, extrem hoffnungslos oder extrem habgierig. Immerhin wird die Handlung trotz der Zeitsprünge und der erneuten Konzentration nicht allzu holprig. Und natürlich beeindrucken auch in dieser Fassung von Les Misérables die großartige Ausstattung und das Staraufgebot, das selbst in kleineren Rollen noch große Namen wie Otto Sander oder Vadim Glowna zu bieten hat und aus dem John Malkovich als Inspektor Javert noch herausragt, den er als gerechtigkeitsfanatischen Bluthund spielt.

Nicht zuletzt schafft es auch diese Mini-Version von Hugos Meisterwerk, eine beeindruckende Geschichte zu erzählen, in deren Zentrum zwei Männer stehen, die sich gegenseitig ihr Leben zerstören und doch vereint sind durch ein übersteigertes Pflichtgefühl. Zumindest in Ansätzen zeigt Les Misérables – Gefangene des Schicksals auch das Spannungsverhältnis von Solidarität unter den Armen und der Missgunst der noch Elenderen. Und schafft es schließlich auch, die Moral der Geschichte zu transportieren: Es geht im Leben nicht um Stand, sondern um Anstand.

Bestes Zitat:

“Manchmal ist es gefährlicher zu denken als zu stehlen.”

Eine Szene aus dem Film:

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