Draufgeschaut: Liebe auf den zweiten Blick


Bei einem Besuch in London trifft Harvey (Dustin Hoffman) auf Kate (Emma Thompson).

Bei einem Besuch in London trifft Harvey (Dustin Hoffman) auf Kate (Emma Thompson).

Film Liebe auf den zweiten Blick
Originaltitel Last Chance Harvey
Produktionsland Großbritannien/USA
Jahr 2008
Spielzeit 92 Minuten
Regie Joel Hopkins
Hauptdarsteller Dustin Hoffman, Emma Thompson, Eileen Atkins, Kathy Baker, Liane Balaban, James Brolin, Richard Schiff
Bewertung

Worum geht’s?

Am Flughafen Heathrow lernen sich Harvey und Kate kennen. Er hat gerade Hals über Kopf die Hochzeit seiner Tochter verlassen und will nun den Heimflug nach New York antreten. Sie arbeitet am Flughafen, hat gerade wieder schlechte Dates und Ärger mit ihrer Mutter hinter sich. Die beiden kommen sich näher, verbringen den Tag gemeinsam und stehen plötzlich vor der Frage, ob sie vielleicht der Liebe begegnet sind in einem Moment, in dem sie am wenigsten damit gerechnet haben.

Das sagt shitesite:

Liebe auf den zweiten Blick ist eine sehr einfühlsame, geruhsame Komödie, die vor allem vom bewegenden Spiel ihrer Hauptdarsteller und der männlichen Hauptfigur lebt: Als Harvey Shine sich auf den Weg von New York nach London macht, tritt er die Reise in dem Bewusstsein an, ein Auslaufmodell zu sein: In seinem Job als Komponist für Werbejingles werden ihm immer öfter jüngere Kollegen vorgezogen und andere Sounds nachgefragt. Seine Ex-Frau hat sich mit ihrem neuen Mann ein offensichtlich glückliches Leben aufgebaut und blickt eher mit Mitleid als mit Nostalgie auf Harvey. Ein Flirtversuch im Flugzeug scheitert, selbst im Leben seiner eigenen Tochter ist er mittlerweile eher das fünfte Rad am Wagen, muss Harvey erkennen, als er zur Hochzeitsgesellschaft stößt.

Damit wird ein Charakter gezeichnet, der in allen männlichen Rollen gescheitert ist, die ihm wichtig sind: Als Vater, als Künstler (Harvey träumte von einer Karriere als Jazzpianist, jetzt sind nicht einmal mehr seine Werbeliedchen gefragt), als Ehegatte. Es ist seine Verunsicherung, die gemeinsam mit Kates Tollpatschigkeit nicht nur für die Komik in Liebe auf den zweiten Blick sorgt (beide verkörpern nichts von der angeblichen Souveränität der reiferen Jahre), sondern auch das Fundament für ihren Flirt bildet: Es gibt keine hochfliegenden Träume, statt einer riesigen emotionalen Fallhöhe regieren die denkbar geringen Erwartungen. Resultat dieser Konstellation sind Dialoge, in denen beide Figuren keine Angst vor Ehrlichkeit haben, in denen gelegentliche Verbitterung ebenso durchschimmert wie Witz und Charme.

Die Idee einer Zufallsbegegnung, aus der ein gemeinsam verbrachter, ereignisreicher Tag und vielleicht der Beginn einer großen Liebe wird, erinnert natürlich an Before Sunrise. Aber Kate und Harvey haben nicht mehr die Unbefangenheit der Jugend; statt des Glaubens, dass ihnen alle Türen offen stehen, herrscht hier eher die Befürchtung, dass sich die meisten Türen des Lebens für sie vielleicht bereits unwiderruflich verschlossen haben. Genau daraus erwächst allerdings die beeindruckende Romantik von Liebe auf den zweiten Blick: Kate und Harvey sind eigentlich alt genug, um jede Hoffnung auf eine neue Liebe schon aufgegeben zu haben. Dass sie es nicht tun, zeigt die Größe der Verheißung, die hinter dieser Hoffnung steckt.

Bestes Zitat:

„Du weiß noch immer ganz genau, was du tun musst, damit ich mich innerhalb von 30 Sekunden wie ein Stück Scheiße fühle.“

Der Trailer zum Film:

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