Draufgeschaut: Liebeswahn


Jed (Rhys Ifans, links) und Joe (Daniel Craig) verbindet ein traumatisches Erlebnis.

Jed (Rhys Ifans, links) und Joe (Daniel Craig) verbindet ein traumatisches Erlebnis.

Film Liebeswahn
Originaltitel Enduring Love
Produktionsland Großbritannien
Jahr 2004
Spielzeit 95 Minuten
Regie Roger Michell
Hauptdarsteller Daniel Craig, Rhys Ifans, Samantha Morton, Bill Nighy, Susan Lynch
Bewertung ****

Worum geht’s?

Eigentlich soll es ein romantisches Picknick werden. Doch dann werden Joe und Claire Zeuge einer Bruchlandung. Ein kleiner Junge ist in einem herrenlosen Heißluftballon gefangen. Joe eilt spontan zur Hilfe, genau wie vier andere Männer. Doch sie können den Ballon nicht halten – und einer von ihnen stürzt in die Tiefe und stirbt. Joe versucht, das Unglück zu vergessen. Doch dann drängt sich Jed in sein Leben, einer der anderen Helfer. Er meint, eine geheime Verbindung zu Joe aufgebaut zu haben und steigert sich so sehr in diese Vorstellung hinein, dass er schließlich Joe das Leben zur Hölle macht.

Das sagt shitesite:

Schon die Anfangsszene von Liebeswahn ist sagenhaft packend, fast ohne Wort zu gebrauchen. Wie die Männer sich am Ballon festklammern und sich dann doch für die eigene Sicherheit (das Loslassen, bevor der Ballon zu hoch gestiegen ist) entscheiden statt an das Gelingen der gemeinsamen Kraftanstrengung (die Möglichkeit, den Ballon auf den Boden zwingen zu können) zu glauben – das ist ein eindrucksvolles, sehr lyrisches Bild für das Thema des Films, der auf einem Roman von Ian McEwan beruht.

Denn es geht in Liebeswahn nicht nur um Jed, den Stalker, der für Joe zur Personifizierung seiner eigenen Schuldgefühle wird. Es geht vor allem um die Frage, ob die Menschen sich im Zweifel immer für den Egoismus und die eigene Sicherheit entscheiden, statt daran zu glauben, gemeinsam etwas schaffen zu können.

Dass Joe als Philosophieprofessor auch das Wesen der Liebe erforscht und ihn Claire mehr und mehr mit seiner eigenen Bindungsansgt konfrontiert, das ist ein Zweit-Plot, der locker auch einen eigenen Film getragen hätte. Nur wegen dieser mangelnden Entschlossenheit  kann es Jed gelingen, sich zwischen die beiden zu drängen. Wie der spinnerte Fremde zunehmend zur Bedrohung wird, zuerst für Joe und dann für die Beziehung von Joe und Claire, das ist klasse inszeniert. Rhys Ifans spielt den Stalker mit seiner Mischung aus quasi-religiöser Besessenheit und ausgesuchter Höflichkeit gespenstisch gut und die Kamera wählt in Liebeswahn immer wieder die Vogelperspektive, um an den traumatischen Nachmittag mit dem Ballon zu erinnern. Für Joe zieht sich die Selbsterkenntnis, einfach nicht genug Vertrauen in sich selbst und seine Mitmenschen zu haben, nach und nach zu – wie ein Galgenstrick um seinen Hals.

Bestes Zitat:

“Falls Ihr jemals erleben wollt, wie sich zwei Menschen über Nacht in feuerspeiende Monster verwandeln, dann steckt ihnen einfach Ringe an die Finger.”

Der Trailer zum Film:

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