Draufgeschaut: Mein Führer


Film Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler

Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe, rechts) gibt Adolf Hitler (Helge Schneider) Nachhilfe.

Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe, rechts) gibt Adolf Hitler (Helge Schneider) Nachhilfe.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2007
Spielzeit 94 Minuten
Regie Dani Levy
Hauptdarsteller Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth, Ulrich Noethen, Stefan Kurt, Lambert Hamel, Adriana Altaras, Lars Rudolph, Katja Riemann, Ilja Richter, Meret Becker
Bewertung

Worum geht’s?

Dezember 1944: Adolf Hitler ist am Ende. An den deutschen Endsieg im Zweiten Weltkrieg mag er nicht mehr recht glauben, er ahnt, dass hinter seinem Rücken Intrigen gesponnen werden und fürchtet, sein Charisma sei verflogen. Dabei soll der Führer mit seiner Neujahrsansprache 1945 das Volk aufrütteln und zu einem letzten und entscheidenden Kraftakt gegen die Alliierten motivieren. Propagandaminister Joseph Goebbels sieht nur eine Möglichkeit, um Hitler wieder zur nötigen Überzeugungskraft und rhetorischen Stärke zu bringen: Er muss seine Rede mit dem berühmtesten Schauspieler der Zeit einstudieren – ausgerechnet Adolf Grünbaum, ein im KZ Sachsenhausen inhaftierte Jude. Grünberg lässt sich tatsächlich auf diesen „Auftrag zur Rettung des tausendjährigen Reichs“ ein und hofft, so seiner Familie das Überleben sichern zu können. Oder will er die Gelegenheit nutzen, um ein Attentat auf Hitler zu verüben?

Das sagt shitesite:

Einige der größten Gags von Mein Führer bietet schon die Besetzungsliste. Ulrich Noethen spielt Heinrich Himmler, wie zuvor bereits in Der Untergang. Ilja Richter (ja, der Moderator von Disco) darf einen mit Grünbaum befreundeten KZ-Häftling mimen. Und wer hätte gedacht, dass man im Kontext einer großen deutschen Kinoproduktion einmal die Wortkombination „Adolf Hitler: Helge Schneider“ lesen würde? Schneider löst seine Aufgabe mehr als passabel, kann diesen kruden Film aber ebenso wenig retten wie der Rest des hochkarätigen Ensembles.

Mein Führer will einerseits eine Groteske sein, persifliert den Militarismus- und Bürokratie-Wahn der Nazis, lässt rund um einen depressiven Adolf Hitler fleißig potemkinsche Dörfer errichten und gefällt sich mit provokanten Sätzen wie „Das mit der Endlösung dürfen Sie nicht gegen sich persönlich nehmen.“ Zugleich gibt es aber auch Passagen, die ernsthafte Tragik zum Ausdruck bringen wollen wie Grünbaums Angst vor der Dusche im KZ Sachsenhausen oder die Dialoge mit seiner Familie, die ihm ins Gewissen redet, als er so etwas wie eine vertrauliche Beziehung mit Hitler aufgebaut hat.

Es ist diese Unentschlossenheit in den dramaturgischen Mitteln, die Mein Führer so misslungen macht. Es gibt komische Momente in diesem Film, aber es gibt auch viele Szenen, die Unwohlsein oder Fremdschämen auslösen. Die Ausgangsidee ist dabei gar nicht schlecht, doch um sie wirkungsvoll umzusetzen, hätte es entweder mehr Mut zu, jawohl, unerbittlichem Klamauk im Sinne von Monty Python oder Sacha Baron Cohen gebraucht oder aber eine größere moralische Strenge, der man dann den einen oder anderen zotigen Seitenhieb auf die Nazi-Größen hätte opfern müssen.

Auch die Frage, was Regisseur und Drehbuchautor Daniel Levy mit dieser Parodie für eine Botschaft vermitteln will, bleibt somit rätselhaft. Wahrscheinlich will er zeigen, dass dieser Gröfaz bei genauerer Betrachtung eine Witzfigur war, doch das wäre nicht nur eine fahrlässige historische Verharmlosung, sondern funktioniert auch innerhalb des Films nicht.

Hitler ist hier zum einen eine gebrochene Figur, ein von Heuchlern umgebener Bettnässer, dessen esoterisch angehauchter Schauspielunterricht mit Grünbaum geradezu die Züge einer Therapie annimmt. Zum anderen ist er die personifizierte Todesgefahr. Jede Lapalie, die ihm missfällt, kann mit einer standrechtlichen Erschießung bestraft werden – das gilt nicht nur für den Juden Grünbaum, sondern für alle in Hitlers Umfeld. Und nicht zuletzt ist er ein Mann, der um seine eigenen Defizite weiß – und gerade deshalb nicht als Hanswurst taugt, sondern gefährlich in die Nähe einer Figur rückt, die Verständnis oder gar Sympathie verdient.

Darf man das? Diese Frage haben sich viele Kritiker schon im Vorfeld gestellt. Wenn Mein Führer ein gelungenes Werk wäre, würde diese Frage irgendwann im Laufe des Films verschwinden, beiseite geschoben, überlagert, obsolet gemacht von einem überzeugenden ästhetischen Konzept. Dass sie anderthalb Stunden lang präsent bleibt und sich am Ende umso mehr stellt zeigt, dass Mein Führer gescheitert ist.

Bestes Zitat:

„Jedes ungeliebte, hasserfüllte Würstchen kann die Welt erobern.“

Der Trailer zum Film:

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