Draufgeschaut: Mein Kampf


Film Mein Kampf

Schlomo Herzl (Götz George) nimmt den jungen Adolf Hitler (Tom Schilling) unter seine Fittiche.

Schlomo Herzl (Götz George) nimmt den jungen Adolf Hitler (Tom Schilling) unter seine Fittiche.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2009
Spielzeit 110 Minuten
Regie Urs Odermatt
Hauptdarsteller Tom Schilling, Götz George, Wolf Bachofner, Simon Schwarz, Anna Unterberger, Henning Peker, Elisabeth Orth
Bewertung

Worum geht’s?

Wien 1910: Aus der österreichischen Provinz kommt Adolf Hitler in die Hauptstadt, um sich als Student an der Kunstakademie zu bewerben. Weil er so gut wie mittellos ist, quartiert er sich in einem Männerasyl ein und lernt dort den jüdischen Lebenskünstler Schlomo Herzl kennen. Der kümmert sich rührend um den störrischen Neuankömmling, erst recht, nachdem Hitler an der Akademie nicht angenommen wird. Während Hitler versucht, sich mit allerlei Tricksereien ein Auskommen zu erschleichen und eine junge Blondine zu beeindrucken, kommt Herzl immerhin mit seinem Buch ein wenig voran, in dem auch der neue Mitbewohner eine Rolle spielt. Sein Titel: Mein Kampf.

Das sagt shitesite:

Das Problem an dieser Film-Adaption des Theaterstücks von George Tabori ist schnell benannt: Es fehlen ein eigener Sound, eine stimmige Ästhetik und eine klare Haltung. So bleibt von Mein Kampf – ein ähnlicher Effekt hatte sich auch in Mein Führer eingestellt – letztlich nur die fragwürdige Idee, Adolf Hitler als Witzfigur darzustellen.

Die Groteske bietet zwar einige originelle Bilder und ein paar witzige Ideen über den wahren Erfinder des Hitler-Bärtchens, die Entstehung des Hitler-Grußes oder die Ursache seiner Faszination für das Hakenkreuz, lässt aber letztlich die nötige Distanz zu ihrem Subjekt vermissen. Als Hitler nach Wien kommt, ist er bereits ein an allen Fronten des Lebens Gescheiterter. Auch in den Diskussionen mit Herzl zeigt er sich als fanatischer Dilettant – egal, ob es um Kunst, Religion oder Politik geht. Genau deshalb (und nicht wegen seiner späteren Taten) wirkt seine Selbstüberschätzung in Mein Kampf so lächerlich.

Die Idee, ausgerechnet einen herzensguten Juden zu seinem Gönner, Ziehvater und Lehrmeister zu machen, ist natürlich ein Fall von abgrundtief schwarzem Humor. Aber sie will in Mein Kampf nicht recht zünden. Weder gibt es Szenen, in denen einem das Lachen im Hals stecken bleibt, weil man innerlich schaudern muss, noch gibt es wirkliche, befreiende Lacher. Das liegt auch an der Besetzung: Götz George wirkt als Schlomo manchmal arg selbstverliebt, Tom Schilling nimmt man weder den österreichischen Akzent noch den Gröfaz in spe ab.

Hitler ist hier ein Taugenichts, der in all seiner moralischen Empörung nicht einmal seine eigene Nichtsnutzigkeit bemerkt. Trotzdem ist er, obwohl als Nebenfiguren in diesem Film auch noch der Tod und Gott präsent sind, der Protagonist in Mein Kampf, der Macht ausübt, auch wenn das nur durch seine eigene Verblendung und die Gutgläubigkeit seiner Zeitgenossen vermag. Letztlich wird er hier eher als faszinierende denn als monströse Figur gezeichnet – das ist die Achillesferse von Mein Kampf.

Bestes Zitat:

„Wahre Tränen werden nachts geweint.“

Der Trailer zum Film.

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