Draufgeschaut: Moments


Film Moments – Augenblicke der Zärtlichkeit

Moments Kritik Rezension

Yola (Michal Bat-Adam, links) und Anne (Brigitte Catillon) lernen sich auf dem Weg nach Jerusalem kennen.

Originaltitel Moments de la vie d’une femme
Produktionsland Frankreich, Israel
Jahr 1979
Spielzeit 92 Minuten
Regie Michal Bat-Adam
Hauptdarsteller Michal Bat-Adam, Brigitte Catillon, Assaf Dayan
Bewertung

Worum geht’s?

Die Fotografin Anne kommt aus Paris und ist zu Besuch in Israel. Auf einer Bahnreise von Tel Aviv nach Jerusalem lernt sie Yola kennen, eine junge Frau, die gerade daran arbeitet, ihren ersten Roman zu vollenden. Sie freunden sich an, wohnen im selben Hotel und wirken schnell unzertrennlich. Tagsüber erkunden sie gemeinsam die Sehenswürdigkeiten der Stadt, abends führen sie Gespräche über das Leben, die Liebe und natürlich die Männer. Anne ist geschieden, hat aber in Frankreich einen Liebhaber, Yola ist mit ihrem Freund Avi überglücklich. Als Avi zu Besuch kommt, irritiert ihn die große Nähe zwischen den beiden Frauen zunächst. Nach einer ausgelassenen Nacht in der Disco wird daraus allerdings eine Ménage à trois. Als Anne fünf Jahre später das Pärchen erneut besucht, sorgt das für Konflikte.

Das sagt shitesite:

Israel wollte Moments ins Rennen um den Oscar als bester ausländischer Film im Jahr 1980 schicken. Doch die Academy nahm den Vorschlag nicht an. Es gibt eine Menge gute Gründe für diese Entscheidung, die wahrscheinlichste ist jedoch: Die Juroren sind einfach eingeschlafen.

Der Film, der in Deutschland unter dem nach Groschenroman klingenden Titel Augenblicke der Zärtlichkeit in den Kinos lief, funktioniert nicht als Erotikstreifen, trotz der wenig subtilen Andeutungen auf eine lesbische Liebe zwischen Yola und Anne, der vergleichsweise freizügigen Szenen des Dreiers im Hotelzimmer und der recht frivolen Dialoge zwischen den beiden Frauen. Auch die Idee, die Situation dieser Nacht fünf Jahre später zu spiegeln, wenn die beiden Frauen längst verheiratet und in einem völlig anderen Lebensabschnitt sind, trägt nicht halb so gut, wie Michal Bat-Adam es in ihrem Debütfilm, in dem sie neben der Regie auch eine Hauptrolle übernommen hat, wohl erhoffte.

Auch als Psychogramm der von ihr gespielten Yola (darauf deutet der Originaltitel Moments de la vie d’une femme hin) scheitert Moments schließlich. Ihre Scheu davor, den geplanten Roman wirklich zu Ende zu bringen („Immer, wenn ich etwas mit Worten ausdrücken will, verraten sie mich. Ich hasse Worte“, sagt Yola an einer Stelle), soll ihre Unsicherheit deutlich machen, sodass ihr die vergleichsweise selbstsichere und reife Anne als Vorbild erscheinen muss. Doch dieser Gedanke wird nicht konsequent weitergeführt, genau wie das Motiv der Eifersucht, das in den Fokus rückt, als die drei Hauptfiguren in Jerusalem aufeinandertreffen. Avi befürchtet, Anne könnte ihm seine Freundin ausspannen. Yola befürchtet, Avi könne an Anne zu großen Gefallen finden. Anne fühlt sich hin- und hergerissen und befürchtet, das Glück der beiden zu zerstören. Bevor sich dieser Konflikt überhaupt entfalten kann, gibt es in Moments den vermeintlich künstlerisch wertvollen Zeitsprung in die Zukunft. Das macht den Film insgesamt maximal halbgar und äußerst langatmig.

Bestes Zitat:

„Vielleicht sind wir auf der Suche nach dem Schnee von gestern – aber er ist schon geschmolzen.“

Es gibt leider keinen Trailer zum Film.

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