Draufgeschaut: Momentversagen


 

Film Momentversagen

Momentversagen Kritik Rezension

Manuel Bacher (Felix Klare) hat seine Frau Leonie (Lisa Wagner) betrogen.

Produktionsland Deutschland
Jahr 2014
Spielzeit 90 Minuten
Regie Friedemann Fromm
Hauptdarsteller Felix Klare, Lisa Wagner, Julia Thurnau, Lili Zahavi
Bewertung

Worum geht’s?

Alles läuft nach Plan im Leben von Manuel Bacher: Gerade ist er zum Oberstaatsanwalt befördert worden, sein neues Haus wird in einem der schicksten Stadtteile von Köln gebaut und seine Frau Leonie ist nach jahrelangem Warten endlich schwanger. Eine Nacht bringt die Ordnung in seiner Welt allerdings gehörig durcheinander. Nach einer Firmenfeier landet er mit einer Kollegin im Bett, auf dem Heimweg von seinem One-Night-Stand wird er Zeuge, wie eine junge Frau im Stadtpark bedrängt wird. Bacher geht dazwischen und schlägt dem Angreifer mit einer Flasche auf den Kopf, der ergreift daraufhin die Flucht. Am nächsten Tag wird die Leiche des Angreifers im Park gefunden. Bacher leugnet, etwas mit der Tat zu tun zu haben, denn dann müsste er auch seinen Seitensprung gestehen. Aber Joy, eine Freundin des Opfers, hat ihn am Tatort gesehen und setzt ihn nun unter Druck. Auch als die Polizei einen Dealer als Tatverdächtigen verhaftet, ist der Anwalt noch längst nicht raus aus der Sache.

Das sagt shitesite:

Was Momentversagen zu einem besonderen Krimi macht, ist eine in Prime-Time-Fernsehproduktionen seltene Eigenschaft: Der Film begnügt sich nicht damit, ein Krimi zu sein. Natürlich geht es hier darum, wer den Mann im Park erschlagen hat. Die Spannung dabei erwächst aus der Tatsache, dass es ganz viele Beteiligte gibt, die der Zuschauer auch früh kennenlernt, aber fast keiner davon entscheidend zur Aufklärung beitragen kann. Manuel Bacher weiß nicht, ob er wirklich der Täter ist – er hat zwar zugeschlagen, dann aber auch gesehen, dass sein Opfer noch weggelaufen und womöglich noch einem anderen Täter begegnet ist. Der von der Polizei verhaftete Tatverdächtige weiß nicht, was er getan hat, weil er völlig zugedröhnt war. Und keiner von beiden weiß, was die mysteriöse Zeugin Joy wirklich gesehen hat.

Jenseits dieses Handlungsstrangs hat Momentversagen aber auch eine starke moralisch-psychologische Komponente. Der Anwalt ist selbst überrascht, als er – wenn auch als Helfer in der Not – im Park brutal zuschlägt, ebenso wie er die heiße Nacht kurz zuvor kaum für möglich gehalten hätte. Er wird mit seiner eigenen Aggressivität konfrontiert, bald darauf auch mit seinem Egoismus. Beides widerspricht seinem Weltbild, und beides lässt sich mit seiner Vorliebe für rationales Agieren nicht lösen. Soll er reinen Tisch machen und womöglich ins Gefänfnis gehen, während seine Frau ein kleines Kind alleine großziehen muss? Soll er sie einweihen und auf ihre Unterstützung hoffen, obwohl er mit dem Seitensprung wohl ihr Vertrauen verloren hat? Soll er alles leugnen oder seine Position gar ausnutzen, um die Tat einem anderen in die Schuhe zu schieben, der womöglich unschuldig ist? Es ist dieses (von Felix Klare sehr überzeugend gespielte) Ringen des Anwalts mit seinem eigenen juristischen Ethos und seinem Selbsterhaltungstrieb, das einen erheblichen Teil des Reizes in diesem Film ausmacht.

Weniger gelungen ist der Versuch, den Kontrollverlust noch auf einer weiteren Ebene von Momentversagen zu inszenieren: Die Zeugin Joy setzt den Anwalt subtil unter Druck und nistet sich schließlich in seinem Haus ein. Auch dort ist Manuel Bacher nun nicht mehr der Herr der Lage, sondern muss sich den Allüren und Spleens eines ehemaligen Junkies beugen. Dieser Clash der Kulturen (Punk-Mädchen dringt in spießiges Bürgertum ein) mag auf dem Papier reizvoll sein, ist im Film aber wenig glaubwürdig. Immerhin verdeutlicht die Rolle von Joy aber den wichtigsten Aspekt von Momentversagen: Bei einem Verbrechen wie diesem kann es sehr schnell viel mehr Opfer geben, als man denkt.

Bestes Zitat:

„Er ist weit mehr als ein guter Jurist. Weil er den Unterschied kennt zwischen Recht und Moral.“

Der Trailer zum Film.

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