Draufgeschaut: Romy


Romy Schneider (Jessica Schwarz) kämpft um Anerkennung als Künstlerin und als Frau.

Romy Schneider (Jessica Schwarz) kämpft um Anerkennung als Künstlerin und als Frau.

Film Romy
Produktionsland Deutschland
Jahr 2009
Spielzeit 116 Minuten
Regie Torsten C. Fischer
Hauptdarsteller Jessica Schwarz, Maresa Hörbiger, Heinz Hoenig, Guillaume Delorme, Thomas Kretschmann, Alicia von Rittberg
Bewertung ***

Worum geht’s?

Als Tochter einer Schauspielerfamilie wird Romy Schneider selbst noch als Teenager zum Kinostar: Ihr Rolle als Sissi macht sie in ganz Europa bekannt. Doch die junge Frau hat schnell genug von der Rolle als niedliche Kaiserin. Sie geht nach Frankreich, um sich künstlerisch weiterzuentwickeln und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Mit Alain Delon bildet sie ein Traumpaar des Kinos, bis die Beziehung in die Brüche geht. Auch der Kampf um Anerkennung als Schauspielerin wird für Romy Schneider immer schwieriger.

Das sagt shitesite:

Eine beinahe verschwenderische Ausstattung und eine beeindruckende (nicht nur wegen ihrer Ähnlichkeit mit Romy Schneider) Jessica Schwarz sind zwei der großen Stärken von Romy. Die dritte ist die Konsequenz in der Haltung des Films: Von Beginn hat zeigt dieses Biopic, wie sehr sich Romy Schneider nach dem Leben auf der Leinwand sehnt. Am Ende hat sie beinahe kein Leben mehr abseits der Leinwand.

Als Kind sehnt sich Romy Schneider nach ihren Eltern, die ständig bei Dreharbeiten sind, während sie im Internat erzogen wird. Schon da soll das Kino eine imaginäre, emotionale Brücke sein: Dort könnte sie mit Mama und Papa vereint sein, ihre Gegenwart genießen und ihre Bewunderung einfordern.

Später, als sie genug davon hat, nur Sissi und nur schön zu sein, soll das Kino ihr das ermöglichen, wonach sie im Leben strebt: Selbstverwirklichung, Unabhängigkeit, Anerkennung. Romy zeigt sehr schön, mit welch besessener Härte sie dafür arbeitet, wie sie an ihre Grenzen stößt und wie ihr Ehrgeiz dennoch immer größer wird. Gerade durch die Konsequenz, mit der Romy das Schauspielern ins Zentrum rückt, gehen allerdings auch einige Facetten verloren, die man sich hier ebenfalls gewünscht hätte, sodass der Ergebnis intensiv, aber ein wenig eindimensional wirkt.

Dafür illustriert der Film aber wunderbar, wie sehr Romy Schneider am Ende auch ein Opfer ihrer Zeit war. Sie war polyglott, finanziell unabhängig, eine selbstbestimmte Frau, und hatte keine Lust, ihre künstlerischen Ambitionen durch die simple Tatsache zu drosseln, dass sie allein durch ihre Schönheit schon ein Star geworden war. All das war höchst ungewöhnlich für das Deutschland der 1950er und 1960er Jahre. Zugleich entwickelten sich die Medien in dieser Phase so weiter, dass der Markt- und Skandalwert von Romy Schneider immer größer wurde, entsprechend proportional entwickelten sich die Aggressivität der Paparazzi und die Scheinheiligkeit im Umgang mit der Schauspielerin. Zwischen der Starrheit der Lebensmodelle und der Dynamik der Medien steckte Romy Schneider am Ende wie in einem Schraubstock.

Ihre Selbstzweifel werden somit zunehmend zu Selbsthass. Am Ende kann Romy Schneider selbst nicht mehr zwischen der Person und dem Image unterscheiden: Ihre Wirklichkeit ist die Leinwand, denn abseits davon ist sie eine Gescheiterte.

Bestes Zitat:

“Nichts ist kälter als eine tote Liebe.”

Der Trailer zum Film:

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