Draufgeschaut: Room In Rome


Film Room In Rome

Room In Rome Kritik Rezension

Alba (Elena Anaya) lockt Natasha (Natasha Yarovenko) in ihr Hotelzimmer.

Produktionsland Spanien
Jahr 2010
Spielzeit 105 Minuten
Regie Julio Médem
Hauptdarsteller Elena Anaya, Natasha Yarovenko, Enrico Lo Verso
Bewertung

Worum geht’s?

Es ist die längste Nacht des Jahres in Rom. Natasha, die aus Russland kommt, und Alba, eine Spanierin, hatten beide beruflich in der Stadt zu tun und müssen am nächsten Tag abreisen. Den Feierabend wollen sie in einer Bar ausklingen lassen, wo sie sich kennen lernen und sich schließlich gemeinsam auf den Rückweg machen. Vor Albas Hotel angekommen, lädt die Spanierin ihre neue Bekannte noch auf ihr Zimmer ein. Natasha lässt sich etwas widerwillig darauf ein, weil sie ahnt, was dann tatsächlich geschieht: Die lesbische Alba will sie verführen. Die beiden Frauen erleben eine aufregende Nacht, bei der sie sich immer näher kommen – längst nicht nur körperlich.

Das sagt shitesite:

Room In Rome (in Deutschland auch als Eine Nacht in Rom gelaufen) basiert auf dem chilenischen Spielfilm Im Bett aus dem Jahr 2005. Er ist genauso freizügig wie diese Vorlage (die beiden Hauptdarstellerin sind, außer in den ersten zehn und den letzten zwei Minuten des Films, durchgehend nackt) und auch hier geht es vordergründig zunächst um die Geschichte einer Verführung, dann allerdings um ein sehr facettenreiches Rollenspiel.

Die eine will ganz offensichtlich verführen, die andere versucht halbherzig, sich dagegen zu wehren. Für Alba entstehen daraus große Gefühle, Natasha beschließt, diese heiße Nacht im Hotelzimmer solle auf keinen Fall mehr als ein flüchtiges Abenteuer werden. Sie, die bisher noch nie etwas mit einer Frau hatte, ist irritiert ob der eigenen Lust – und daraus erwächst eine Verunsicherung, die nicht nur die eigene Sexualiät betrifft.

Beide wollen sich kennen lernen. Ihre Körper, ihre Lust, aber sehr bald auch den Menschen dahinter. Die Anonymität des Hotelzimmers nutzen sie, um neben reichlich Zärtlichkeiten auch intime Geschichten auszutauschen, bei denen keine von beiden sich sicher sein kann, ob es Bekenntnisse oder Lügen sind. Sie schütten ihr Herz aus und gaukeln etwas vor, aber man weiß nie, in welcher dieser beiden Rollen sie gerade sind. Ihre ungeahnten Gemeinsamkeiten sorgen dabei mindestens ebenso sehr für eine emotionale Bindung wie die Faszination für das exotische, vermeintlich komplett andere Leben. Dazu gehört auch, dass beide an diesem Tag schmerzhaften Neuigkeiten erfahren haben. Die Nacht voller Begehren soll sie davon ablenken – zugleich spendet ihnen offensichtlich auch der Gedanke, dass sie beide gerade fremdgehen, einen beträchtlichen Trost.

Nicht nur hinsichtlich dieser Grundidee (und der Tatsache, dass hier zwei Frauen eine Liebesnacht verbringen) fügt Room In Rome der Vorlage genug eigene Gedanken hinzu, um als Remake zu überzeugen. Das gilt auch auf der formalen Ebene: Immer, wenn Alba und Natasha drauf und dran sind, den nächsten Schritt zu gehen, pausiert die Handlung, wird das Fortschreiten der Verführung und des Liebesspiels hinausgezögert; stattdessen gibt es dann klassische Musik und schwelgerische Bilder. Interessant, aber auf Dauer auch etwas zu durchschaubaur, ist auch die Idee, dass die antike Malerei an den Wänden des Hotelzimmers in der Ewigen Stadt die Motive vorgibt, die Alba und Natasha zu den Fantasiegeschichten inspirieren, die sie als ihre Biografie ausgeben.

Dass zur Lust auch die Lüge und zur Verführung die Inszenierung gehört, zeigt Room In Rome damit auf sehr elegante Weise. Und dass man durchaus auch Verkleidungen tragen kann, wenn man eigentlich komplett nackt ist.

Bestes Zitat:

„Egal, was für eine Liebe zwischen uns ist: Sie ist reine Fantasie.“

Der Trailer zum Film.

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