Draufgeschaut: Ruhm


Schriftsteller Leo Richter (Stefan Kurt) und seine Freundin (Julia Koschitz) sind nur per Handy mit der Heimat verbunden.

Schriftsteller Leo Richter (Stefan Kurt) und seine Freundin (Julia Koschitz) sind nur per Handy mit der Heimat verbunden.

Film Ruhm
Produktionsland Deutschland
Jahr 2012
Spielzeit 103 Minuten
Regie Isabel Kleefeld
Hauptdarsteller Senta Berger, Heino Ferch, Julia Koschitz, Stefan Kurt, Thorsten Merten, Axel Ranisch, Gabriela Maria Schmeide, Justus von Dohnányi, Matthias Brandt, Johanna Gastdorf, Ursula Strauss
Bewertung

Worum geht’s?

Durch einen Fehler in der Zentrale eines Mobilfunkanbieters werden Handynummern doppelt vergeben. Der Techniker Ebeling erhält, als er sich erstmals ein Handy anschafft, durch diese Panne mysteriöse Anrufe und findet heraus, dass die Anrufer ihn offensichtlich für den Kinostar Ralf Tanner halten. Der Schauspieler selbst lernt einen Doppelgänger kennen, der als Ralf-Tanner-Double auftritt. Der Schriftsteller Leo Richter sucht derweil eine Möglichkeit, einer lästigen Pressereise nach Asien aus dem Weg zu gehen, während seine Freundin Elisabeth um das Leben zweier Freunde bangt, die entführt wurden und von deren Schicksal sie ebenfalls nur per Handy erfährt. Durch die Handy-Panne sind ihre Schicksale in diesem Episodenfilm alle lose miteinander verbunden.

Das sagt shitesite:

Ein enormes Staraufgebot, tolle Schauplätze und natürlich eine Romanvorlage von Daniel Kehlmann, die allein für ausreichend Aufmerksamkeit sorgen sollte, prägen Ruhm. Ganz ähnlich wie in Kehlmanns Büchern glänzt bei dieser Verfilmung aber vor allem das Formale.

Gespräche werden unterbrochen, Telefonate reißen ab, mit einem Schnitt ist der Zuschauer plötzlich in einem ganz neuen Handlungsstrang auf einem anderen Kontinent. Das ist das Prinzip von Ruhm. Das ist sehr schlau gemacht und beweist an vielen Stellen eine Kreativität, die sich nicht allein auf die Vorgaben des Romans beschränkt, ihnen aber dennoch gerecht wird. Der Kehrseite des Gelingens dieser Collage-Technik ist, dass kaum eine emotionale Bindung zu den Figuren entstehen kann. Dafür fehlt Erzählzeit, dafür fehlt aber auch mehr psychologische Tiefe der Figuren. Vor allem bei Heino Ferch und Senta Berger fragt man sich zudem, ob Ruhm nicht eindrucksvoller gewesen wäre, hätte man auf weniger bekannte Gesichter gesetzt.

Dennoch bleibt Ruhm eine Verfilmung mit viel Finesse, Intelligenz und Witz. Auch wenn einigen Protagonisten die Tiefe fehlt, so wird das Thema doch mit einer beeindruckenden Ernsthaftigkeit behandelt, ohne den Zuschauer ständig mit der Nase darauf zu stoßen. Die Figuren lassen sich vertreten, sie werden verwechselt, sie geben sich für jemand anderen aus, und Telefon und Internet sind dabei die Werkzeuge, die das Lügen noch einfacher oder die Probleme noch größer machen. Kommunikation und Missverständnisse, Fiktion und Realität, Image und Identität – diese Konfliktfelder werden hier virtuos reflektiert. Letztlich findet Ruhm eine sehr passende Form für sein wichtigstes Motiv: die Wandelbarkeit – nicht nur die Wandelbarkeit von Text, sondern die Wandelbarkeit von Wirklichkeit, von Leben.

Bestes Zitat:

„Die Wirklichkeit ist lediglich eine Frage der Perspektive.“

Der Trailer zum Film:

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